Wer an Gott glaubt, kann kein Wissenschaftler sein

GenForschungCraig Venter, Genforscher: “Wer an einen übernatürlichen Schöpfer glaubt, kann kein guter Wissenschaftler sein.” Craig Venter zitiert damit, was viele Naturwissenschaftler denken, besser gesagt glauben.

Pressemeldung “Künstliches Leben”, Interview André Rosenthal
Portait Craig Venter
Interview Craig Venter

Immer häufiger werden “Durchbrüche” in den verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaften gemeldet. Aktuell geht es um die angebliche “künstliche Schaffung eines Lebewesens”. Was ist dran?

Die milliardenschweren Unternehmen des 1946 in Salt Lake City, Utah geborenen Craig J. Venter sind aufgrund der starken Verflechtung mit der Wirtschaft und geheimgehaltenen Forschungsergebnissen äusserst umstritten. Das vor der Veröffentlichung stehende neuste Ergebnis (US-Forscher des Craig-Venter-Instituts im amerikanischen Rockville haben demnach erstmals das komplette Erbgut einer Bakterie in einem Labor künstlich hergestellt und zusammengesetzt) stösst auf Unverständnis, wie das folgende Interview mit Professor André Rosenthal, Leiter der Signature Diagnostics AG in Potsdam, zeigt.

André Rosenthal: “…Die chemische Synthese von mehreren tausend oder auch mehreren Millionen Erbbausteinen ist trivial. Das kann jeder andere Molekularbiologe auch, die dafür benötigte Technologie hat man überall zur Verfügung. Ich könnte morgen eine Firma in Deutschland beauftragen, das für mich zu machen und dann hätte ich das 14 Tage später. Die Synthese eines Genbauplans von 500.000 Bausteinen ist also kein großer wissenschaftlicher Schritt gemessen an dem, was heute technisch möglich ist.”

Was wäre denn Ihrer Meinung nach ein wirklicher wissenschaftlicher Durchbruch?
Rosenthal: “Wenn man tatsächlich eine künstliche Zelle erzeugen könnte, mit den entsprechenden Zellorganellen, mit dem Cytoplasma. Eine Zelle, die sich teilt, die Stoffwechsel macht, die das Genmaterial verdoppelt. Wenn man das alles künstlich im Reagenzglas erzeugen könnte, das wäre tatsächlich eine Revolution. Davon ist Craig Venter aber bestimmt noch ein paar hundert Jahre entfernt.”

Im Jahr 2000 haben Sie einmal gesagt, dass die Genforschung derzeit etwa so weit wäre wie die Physik zur Zeit von Newton. Hat sich daran in den letzten Jahren Wesentliches geändert?
Rosenthal: “Ich denke, wir haben in den letzten Jahren in einigen Punkten tatsächlich Fortschritte gemacht. Zum Beispiel können wir heute Erbgut wesentlich schneller und kostengünstiger entschlüsseln. Auch in der Diagnostik können immer mehr personalisierte patientengenaue Gentests entwickelt und angeboten werden… Aber Leben künstlich herzustellen, davon sind wir nach wie vor weit entfernt.”

Wie sieht Ihrer Meinung nach die nähere Zukunft der Genforschung aus?
Rosenthal: “Ich glaube, wir werden uns sehr viel stärker noch darum kümmern, wie Unterschiede zwischen den einzelnen Individuen zustande kommen. Was bedeutet es, wenn einige Menschen dick werden, andere aber nicht? Inwieweit spielen einzelne Bausteine im Genom dort eine wesentliche Rolle und wie wirken diese Bausteine zusammen, damit die individuellen Unterschiede hervortreten können? Das sind Sachen, die wir heute überhaupt nicht verstehen. Wenn man diese Zusammenhänge begreifen könnte, könnte man sehr viel besser Diagnostiken und später auch neue Medikamente entwickeln. Es wäre also wichtiger, das Erbgut zu verstehen, anstatt es zu reproduzieren.”

Bekannte Naturwissenschaftler sind Atheisten, wie Craig Venter und Richard Dawkins, um nur zwei aktuelle Persönlichkeiten der Wissenschaft zu nennen.

Sind die Zeiten eines Teilhard de Chardin und Albert Einstein, wobei letzterer zwar nicht an einen personalen, so doch an einen “Naturschöpfer” glaubte, endgültig vorbei?

Ist es wirklich Grundbedingung für einen “guten” (Craig Venter meint wohl: erfolgreichen) Wissenschaftler, einen möglichen Gott auszuklammern, abzulehnen?

Das letzte Wort (in diesem Beitrag jedenfalls) gehört Craig Venter (Quelle: ZEIT, link s.o.): “Ihre Frage impliziert, dass Wissenschaftler keine ethischen Fragen diskutieren sollten. Das ist Unsinn. Wer sonst sollte diese Fragen stellen, wenn nicht die Wissenschaftler? Es gibt keine Ausbildung, die bestimmten Personen mehr Autorität in Ethikfragen verleiht als anderen.”

Philosophen, Ethiker und Theologen braucht es offensichtlich nicht mehr.

Bild: AFP.com

17 Antworten zu “Wer an Gott glaubt, kann kein Wissenschaftler sein”

  1. samet sagt:

    craig venter dachte nicht darüber nach wie das alles hier entstanden ist

  2. kroski.meint sagt:

    ich habe eher den eindruck, dass forscher wie craig venter gar nicht an übernatürliches glauben WOLLEN.
    das ist aufgrund ihrer speziellen naturwissenschaftlichen forschung, die noch dazu mit unglaublichem finanziellen einsatz gekoppelt ist, psychisch kaum anders denkbar. diese forschergesellen spielen “wir erklären ALLES aus unserer forschung heraus”, und brauchen absolut KEINEN schöpfer in ihrer gleichung.
    it seems to be as simple as this.
    oder?

  3. Fragezeichner sagt:

    Die vielleicht grösste Wissenschaftler aller Zeiten, Albert Einstein, hat an etwas Gott ähnliches (”Gott würfelt nicht” ;) geglaubt. Allein das sagt viel über die Qualität des Satzes in der Überschrift aus.
    Ich weiss auch nicht, inwieweit das Wissenschaft voranbringen soll, anderen Wissenschaftlern Vorschriften machen zu wollen oder bestimmte Hypothesen von vorneherein auszuschliessen. Ich habe deshalb auch den Verdacht, dass es bei Dawkins oder Venter weniger um Wissenschaft als um Publicity geht.

  4. erstersein sagt:

    really quite simple

  5. kroski.meint sagt:

    na ja, meine frage (ob viele naturwissenschaftler gar nicht anders könnten oder wollten) ist wohl etwas zu einfach.

    wirklich fragwürdig wird es dann, wenn diese wissenschaftler unter einsatz ihrer öffentlichkeit dahingehend manipulieren, dass ausschliesslich wissenschaftler (am besten dann naturwissenschaftler) ethikfragen entscheiden, denn wer hätte denn sonst eine gute ausbildung dafür?

  6. Stefan sagt:

    Ich denke, dass das ‘Vorurteil’ oder die Antithese der Wissenschaftler zum Teil aus der fundamentalistischen Meinung vieler Theologen - die Welt sei erst ein paar Tausend Jahre alt usw. - entstanden ist.

    Letzlich wollten viele dieser wissenschaftlicher Entdecker gar nicht die Existens Gottes anzweifeln. Aber die Kirche hat es ihnen unterstellt und vor einigen Jahrhunderten deshalb noch das Leben zur Hölle gemacht.

    Vielleicht hat das im Laufe der Zeit dazu geführt, dass man den Fortschritt und die daraus resultierenden Ergenisse, als Beweise gegen die Existens einer göttlichen Gestalt angesehen wird. Aber wahrscheinlich spielen da noch eine Menge anderer Faktoren eine Rolle…

  7. kroski.meint sagt:

    die diskussion verläuft vor allem in den USA sehr zugespitzt.

    wenn man sich z.b. über das konservative elite-college patrick henry informiert und liest…

    “The Vision of Patrick Henry College is to aid in the TRANSFORMATION OF AMERICAN SOCIETY by training Christian students to serve God and mankind with a passion for righteousness, justice and mercy, through CAREERS OF PUBLIC SERVICE and CULTURAL INFLUENCE.”

    …und weiss, dass dieses college PHC konkret gegen die vormachtstellung der unis stanford, harvard und oxford antritt, dann versteht man die chuzpe der craig venters besser, die sich gegen die bibel-büffler aus washington zur wehr setzen.

    obwohl ich mich als gläubigen menschen und verfechter der wissenschaften philosophie und theologie sehe, komme ich mit den praktiken des PHC (evolutionsbiologie ist vom unterreicht ausgeschlossen, weil das den biblischen büchern widerspricht, nur als ein beispiel von vielen!) im sinne der freien wissenschaften nicht zurecht.

    die macher des PHC und der evangelikalen kräfte in den USA steuern auf einen gottesstaat zu… und es ist höchste zeit für europa, ein SELBSTBEWUSSTES auf christentum und säkulare freiheit gegründetes weltbild dagegenzustellen.

    wir europäer werden von den USA und vom arabischen raum (stichwort islam) in erster linie als dekadente, von der eigenen geschichte zerfressene weicheier gesehen, die man nach strich und faden benutzen kann.

  8. georg sagt:

    Daseigentliche Problem ist doch viel mehr die der unkritische Denkansatz, nur Meßbares sei auch wahr und daher Grundlage aller weiterführenden Erkenntnis und v.a. des ethischen Handelns. Der (post)moderne Mensch beschneidet sich damit in einer ungewöhnlichen und unangebrachten “Bescheidenheit”, die in anderen Belangen nicht zu seinen typ. Tugenden gehört, seiner Fähigkeit, die Wahrheit zu erkennen und die ihm gegebene Freiheit in Anspruch zu nehmen, nach einer immer umfassenderen Erkenntnis dieser Wahrheit zu streben. Statt dessen unterwirft er sich geradezu masochistisch dem Diktat des (angeblich) Meßbaren und Berechenbaren. Wir sind alle brave und gehorsame Kinder Descartes und Kants geblieben, ob wir es wollen oder nicht….

  9. kroski.meint sagt:

    @georg
    es ist schlimmer, als du denkst. diesen wahn, ALLES erklären zu können, kennen wir seit den chinesischen, spätestens den griechischen philosophen. in wellenbewegungen ging es dann rauf und runter mit der heftigkeit dieses anspruchs. das hat auch die christliche geschichte nur teilweise (stichwort: unter den wissenschaftlern gab und gibt es gläubige) beeinflussen können.

    aber jetzt gehen naturwissenschaftler mit einem ganz anderen anspruch an die materie heran. sie sitzen nicht mehr nur in glastürmen und schreiben publikationen. jetzt gehen sie aufs ganze:

    im ersten schritt wird übernatürliches endgültig für unwissenschaftlich erklärt.

    zweitens sind diese REIN SUBJEKTIV gestempelten übersinnlichen erfahrungen alle durch natürliche phänomene erklärbar, der rest ist sinnestäuschung bzw. fälschung.

    und jetzt kommt der entscheidende dritte schritt:

    craig venter und evolutionsbiologen wie richard dawkins sprechen insbesondere gläubigen menschen nicht nur alles übernatürliche ab, sondern gehen viel weiter: religionen sind massenmörderischer aberglaube und müssen für alle zeiten abgeschafft werden, um den menschen zu befreien, um den menschen endgültig aus seiner unmündigkeit zur einzig richtigen, wahren herrschaft über die welt zu führen.

    gleichzeitig wird die alleinige ethische beurteilungs- und entscheidungskompetenz den naturwissenschaftlern zugesprochen, denn wer hat denn eine bessere ausbildung und höhere autorität als eben diese wissenschaftler?

    schöne neue welt, so will ich dich NICHT begrüssen.

  10. georg sagt:

    absolut d’accord, kroski; ich meine nur: Dawkins und Freunde müssen sich erst einmal beweisen; denn ihre “Ethik” läuft ja letztlich auf einen so noch nicht da gewesenen Totalitarismus hinaus; ob das ihre begeisterte Leserschar auch mitbedenkt, bezweifle ich, ob sie sie goutieren und mitvollziehen will/wird bzweifle ich auch (noch)

  11. kroski.meint sagt:

    das sehe ich auch so, bücher schreiben ist eine sache, und die gesellschaft verändern - ist ein klitzekleines bisschen mehr ;-)

  12. Walter Micke sagt:

    Hallo!
    Das glaubt kein Mensch!
    Dass nur Gott das Recht hat, über das Leben zu entscheiden!
    Weil alle glauben:
    Dass der Sohn Gottes von Menschen für Menschen gekreuzigt wurde!

  13. kroski.meint sagt:

    @Walter
    Hallo zurück! Aber:
    Wo bleibt deine Ausage?

    1. Argumentation: ist nicht vorhanden.
    2. ‘Alle glauben’: wenn überhaupt glauben 50% unserer Gesellschaft… und die dürfen das sogar.

    Was soll der Einwurf also??

  14. Walter Micke sagt:

    Hallo! kroski!
    Das Argument lautet:
    Nur Gott hat das Recht, über das Leben der Menschen zu entscheiden!
    Weil das Leben von Gott ist!
    Wenn Menschen einen Menschen vergöttern, weil er von Menschen für Menschen gekreuzigt wurde, dann wird damit der Argumentation widersprochen, dass nur Gott das Recht hat, über das Leben der Menschen zu entscheiden!
    Was soll der Einwurf also?
    Entweder, wir glauben an Gott oder wir vergöttern Menschen!
    Wenn wir Menschen vergöttern, dann darf jeder Mensch über das Leben anderer Menschen entscheiden!

  15. kroski.meint sagt:

    @Walter
    Ok, dein Einwurf ist verständlich, wobei für mich nicht hervorgeht, was nun deine Position ist.

    Für meinen Teil glaube ich an den einen wahren Gott, und zum anderen hat es etwas von Komik für mich, wenn Naturwissenschaftler regelmässig in Ehrfurcht vor neuen Erkenntnissen der Kosmologie, Physik, Evolutionsbiologie etc. in die Knie gehen. Waren kopernikanische und galileische Erkenntnisse vielleicht nicht so, dass ganze Weltbilder zusammengestürzt sind?

    Mit meinem Glauben und meiner Einschätzung der Naturwissenschaften kann ich und will ich vor Wissenschaftsgöttern Marke Craig Venter warnen.

  16. Walter Micke sagt:

    @kroski
    Meine Position ist ganz einfach!
    Gott ist kein Mensch!
    Aber es gibt Menschen, die “wider ihren Nächsten ein falsches Zeugnis geben” und von sich behaupten, zu sein “wie Gott”!
    So war die Auferstehung nur Gerede! http://www.serpent.blogg.de
    Gott redet nicht mit uns. Wir reden nur mit uns selber! Was über Gott gesagt oder geschrieben wurde, wurde von Menschen gesagt oder geschrieben!
    Der Punkt, um den es mir geht, ist: Nur Gott hat das Recht, über das Leben der Menschen zu entscheiden!
    Dann leben wir hier auf der Erde wieder “wie im Paradies”!
    Wenn wir aber Menschen vergöttern, d.h. Menschen das Recht einräumen, über das Leben anderer Menschen zu entscheiden, dann machen wir diese Erde zur Hölle!
    Soll ich Beispiele nennen? Jeder Nazi durfte jeden an die W…
    Der Irak ist unbewohnbar geworden, l,5 Millionen Menschen auf der Flucht! usw…
    Wenn alle Menschen glauben würden, “nur Gott” darf … und sich einig wären, wenn einer kommt und von sich behauptet zu sein “wie Gott”…

  17. DANKE! Junger blog 5stellig, monatlich deutlichst 4stellig, eine 3fache Freude! « .bewegendes sagt:

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