Zum gottlosen Humanismus in 12 einfachen Schritten

Sokrates in 5 minutes; Islam in 30 Sekunden; Jesus für Anfänger. Wir kennen diese Rezepturen, Kommerzielles ohne den notwendigen background. An dieser Stelle agieren wir im Doppelpack. Zunächst: In 12 Schritten zum Humanismus. Genauer gesagt zum gottlosen Humanismus des Humanistischen Manifest III, das unter anderem von Paul Kurtz, dem Begründer der International Academy of Humanism, und Richard Dawkins, dem Darling der populären Medien, unterzeichnet wurde. Schliesslich: Ausführliche Information, link am Ende des Artikels.
Säkularisten gehen unter anderem gläubigen Christen gegenüber aggressiv zu Werke, indem sie Metaphysik sowie Theologie und Glauben dogmatisch als Aberglauben abqualifizieren. Selten bis gar nicht nehmen sie auf ihre eigenen Bekenntnisse Bezug, die alte Taktik “Angriff ist die beste Verteidigung” genügt offenbar. Dabei hat jeder Christ, Jude, Muslim und weitere Religionsangehörige… alle haben ein Anrecht zu erfahren, nach welchen Leitlinien der in den Medien bestimmende Teil der Nichtgläubigen sein Leben ausrichtet.
Lehnen wir uns zurück und “geniessen” die 12 Leitsätze, geschaffen von einer Riege pragmatisch denkender Individualisten, für die das Leben sinnlos ist - und die dennoch die gesellschaftliche Vorherrschaft reklamieren.
12 Kernsätze des atheistischen Humanismus:
1. Etablierung eines naturalistischen Weltbildes
Die Schaffung eines Weltbildes mit einer aggressiv betriebenen Ausklammerung von Metaphysik und Theologie ist das Ziel des Humanismus. Religionen und Theologie werden beiseite geschoben, und die mehrtausendjährige abend- und morgenländische Geistesgeschichte der Metaphysik wird für bedeutungslos erklärt.
2. Unbegrenzte Forschung schafft künstliches Leben
Eine freie und unbegrenzte Forschung ist das Ziel. Dabei steht nicht die Bewahrung des natürlichen Lebens, sondern die Schaffung künstlichen Lebens im Zentrum der Bemühungen.
3. Die Natur ist auf physikalisch-chemische Grundlagen rückführbar
Die Natur beruht eigentlich auf physikalisch-chemischen Grundlagen, erklärt das Manifest. Dabei bleibt offen, wie und in welcher Form ästhetischen und anderen kulturellen Ausdrucksformen Rechnung getragen werden soll.
4. Respekt vor geistigen Phänomenen erübrigt sich
Aufgrund der im Manifest vertretenen Thesen des nicht reduktiven Materialismus sind mentale Phänomene grossteils auf physikalische Ereignisse rückführbar. Die Geistebene bleibt somit ohne besonderen Stellenwert und ein Respekt vor geistigen und transzendentalen Phänomenen erübrigt sich.
5. Einen „intelligenten Plan“ gibt es nicht
Ausschliesslich nachprüfbares Wissen über die Natur kann für gesellschaftlich relevante Entscheidungen herangezogen werden. Die These eines „intelligenten Plans“ wird aufgrund statistischer “Beweisführungen” ausgeschlossen. Neuere unbewiesene Thesen der Evolutionsbiologie und Kosmologie (Stichwort Multiversum) werden aufgegriffen, um die Gottesthese in ein möglichst unwahrscheinliches Licht zu rücken.
6. Naturwissenschaftliche Eliten entscheiden über Leben und Tod
Laut Manifest müssen bei Entscheidungsträgern naturwissenschaftliche Kenntnisse vorausgesetzt werden. In der Folge haben naturwissenschaftlich gebildete Eliten das Entscheidungsrecht ganz besonders für diejenigen Angelegenheiten, die über Leben und Tod befinden.
7. Das christliche Wertesystem hat sich humanistischen Wertesystemen unterzuordnen
Demokratische Gesellschaften können eine vielzahl alternativer Wertesysteme aufweisen. Das christliche Wertesystem hat, weil es wie andere Religionen auf Aberglauben beruht, keine weitere gesellschaftliche Berechtigung.
8. Humanistische Ethik ersetzt Liebe und Familie durch Glück und Selbstbestimmung
Die humanistische Ethik verwendet die Parameter Glück, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit. Die christlichen Werte Glaube, Hoffnung und Liebe werden als gesellschaftlich irrelevant zurückgewiesen. Die aktive Tätigkeit der Nächstenliebe wird auch nicht annähernd durch die passive Tugend “Wertschätzung” ersetzt.
9. Jederzeit auflösbare Partnerschaften ersetzen die christliche Ehe
Der humanistische Sittenkodex übernimmt eine Reihe von Geboten aus religiösen Wertesystemen, ohne die gesellschaftliche Keimzelle Familie (Hetero-Ehe) ausdrücklich einzubinden. Jederzeit auflösbare zivilrechtliche Partnerschaften einschliesslich Homo-Ehe bilden das erklärte Gegenmodell zur christlichen Ehe.
10. Eltern dürfen christlich-sittliche Grundsätze nicht auf ihre Kinder übertragen
Festgestellt wird, dass Paare hinreichend über die Möglichkeit informiert werden müssen, von der künstlichen Befruchtung und biogenetischer Beratung Gebrauch zu machen. Obwohl von den Eltern vermittelte sittliche Grundsätze von großer Bedeutung sind, dürfen Eltern laut Manifest nicht ihre eigenen religiösen Anschauungen auf ihre Kinder übertragen.
11. Sterbehilfe, Abtreibung und Klonen sind wesentlich für die menschliche Freiheit und Selbstbestimmung
Die Humanisten werden die Debatte über die Sterbehilfe insbesondere in den Wohlstandsgesellschaften verstärkt führen, um unnötiges Leiden zu verkürzen und sogar den Tod schneller herbeizuführen. Aktive Sterbehilfe soll unter Berufung auf die Europäischen Menschenrechte gesellschaftsrechtlich verankert werden. Frauen müssen das Recht haben, über ihren Körper selbst zu bestimmen, d.h. sie können sich für oder gegen Fortpflanzung, Empfängnisverhütung, Abtreibung, Leihmutterschaft und Klonen entscheiden.
12. Einen Sinn des Lebens gibt es nicht
Für atheistische Humanisten gibt es kein Leben nach dem Tod. Das Leben ist dem Wesen nach sinnlos.
Mir ist etwas kalt geworden nach diesen 12 Leitideen. Wer dennoch etwas warm werden will mit dem Hintergrund dieses Programms, der lese die Kritik des Humanistischen Manifest III, woraus die genannten Thesen Schritt für Schritt hervorgehen.








30. April, 2008 um 12:43 Uhr nachmittags
Es ist immer dasselbe. Vor zweihundert Jahren waren die Vordenker des Zeitgeistes der Ansicht, außer Geist wäre gar nichts da. Jetzt erzählen uns ihre Erbe, alles sei Materie. Wer auf solche offensichtlich kontingenten Ansichten sein Leben baut, muss es wohl für sinnlos halten…
Erkenntnistheoretisch vollkommen absurd ist natürlich die Idee, es könne eine neutrale Einstellung zur Religion geben, etwa von Eltern gegenüber den Kindern. Alles in allem isind die Grundsätze der atheistischen Humanisten letztlich sehr ideologisch, fast verblendet. Ein Zusammenleben kann auf ihnen nicht gründen.
30. April, 2008 um 9:53 Uhr nachmittags
@Nikodemus
Ein aktives soziales Gesellschaftsleben wird im naturalistischen Humanismus gänzlich ausser Acht gelassen. Es soll sich aufgrund individueller Selbstbestimmung, sowie ein paar Fragmenten aus den 10 Geboten und unter bewusster Negierung der Keimzelle Familie quasi von alleine ergeben - ein Albtraum.
Das Selbstbewusstsein der Humanisten gründet auf dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand, der laut CERN-Physikern absolut berauschend ist: Derzeit kennt die Naturwissenschaft ganze 4% der Materie, die unseren Kosmos ausmacht… die ganze Überheblichkeit der naturalistischen Humanisten gründet also auf 96% Nichtwissen.
6. Mai, 2008 um 1:10 Uhr nachmittags
Habe kurz nach der Lektüre dieses aufschlußreichen Manifestes einen Abschnitt aus der Enzyklika “Dominum et Vivificantem” aus dem Jahr 1986 gelesen, der -wie mir scheint- eine sehr klare Analyse des komplexen Phänomens “Atheismus” ist, gerade auch aus biblischer u n d philosophisher Sicht. Ich habe ihn als weiterführende Gedanken zu Deinem post hier auf meinem blog zitiert
6. Mai, 2008 um 5:35 Uhr nachmittags
@diego
Danke für den Hinweis, und den link zur Enzyklika von Johannes Paul II. gebe ich gerne weiter:
dominum et vivificantem