benvenuto cellini: erst raub der saliera, jetzt opernspektakel.
13. August, 2007salzburger *film*festspiele, darf für diese inszenierung der berlioz-oper gesagt werden. daraus ergeben sich interessante vergleichsmöglichkeiten. offensichtlich ist es für zeitgemässe opernaufführungen kein problem, jedenfalls nicht im grossen festspielhaus, so cinemascope-artig wie hollywood blockbuster à la titanic rüberzukommen, das ist für leinwandfreaks schon erstaunlich.

das publikum während der aufführung in die beobachtung miteinzubeziehen, ist nicht umsonst, um es vorsichtig auszudrücken: der grösste lacherfolg mit anschliessendem szenenapplaus kommt, als sich cellini und papst sich sportlich abklatschen, sagen wir, zwei Red Bull Salzburg-Spieler hätten gerade ein spektakuläres tor erzielt. einer farce kann ich dieses element gestalterisch selbstverständlich beifügen, kein einwand, aber wie leicht das festspielpublikum zu unterhalten ist, lässt schon tief blicken.
zurück zum thema film/oper. betrachten wir kurz die budgetgrössen: sommer 2007 = 10.000 besucher x 150 euro = 1.5 mio verdoppelt durch 1 weitere saison = 3 mio. euro, also wird mit etwa 1-3% eines hollywoodbudgets natürlich nur ein promill-bruchteil des blockbusterpublikums erreicht, für den 25-fachen preis einer kinokarte. aber mit diesem vergleichsweise mini-budget lässt sich ein ein überlegener (!!) bühneneffekt erzielen. genug der zahlenspielereien: es ist ernüchternd für hollywood, mit den grossen produktionsbudgets nichts opulenteres erzeugen zu können.
“Wenn Stölzl mit seiner Regie die Aussagelosigkeit, die Sinnentleertheit dieser Geschichte betonen wollte, hat er gute Arbeit geleistet. Er, der aus der Pop- und Videobranche kommt, scheint sich tatsächlich in ein Filmarchiv zu flüchten. Was er auf seine eigene Bühne bringt, ist eine Aneinanderreihung von Filmzitaten. Klar erkennbar sind “Der Zauberer von Oz”, “Star Wars”, “Batman”, “Nemo”, “Moulin Rouge”, “Peter Pan”, ja sogar “Titanic”, wenn die Teresa dieser Produktion auf Kate Winslet machen muss, die am Bug von Leo Di Caprio gehalten wird. Dann ist sie wieder Tinkerbell. Oder Nicole Kidman. Und was hat R2D2 mit “Cellini” zu tun?Dabei sind einige der farbenprächtigen und zumeist überfrachteten Tableaux wirklich gelungen und für sich alleine kunstvoll. Aber da permanent und auf jedem Millimeter der Bühne die Pseudo-Handlung peitschend vorangetrieben wird, ermüdet das Auge des Betrachters. Wie bei Werbung oder aggressiven Videos will man wegzappen. Oder sehnt sich nach Zeitlupe. Selbstzweck ohne tieferen Sinn? Wirkt zumindest so. Eine hübsche Bebilderung und Verpackung nicht mehr, aber auch nicht weniger.” (Kurier)
warum diese vergleiche mit dem medium spielfilm? wie eingangs erwähnt, ist die vorliegende inszenierung mit verschiedensten filmzitaten geradezu eine aufforderung, dies zu tun. mit klarem erfolg für den opernregisseur! der vorangegangene ausschnitt aus einer kritik belegt die filmverliebtheit der regie. in einem punkt gebe ich der kritik allerdings gar nicht recht: nicht die von goethe erarbeitete vita des benvenuto cellini ist sinnentleert: immerhin sagt cellini von sich selbst, drei menschen nicht gerade aus hehren motiven getötet zu haben, und erhält vom papst den ablass geradezu nachgeschmissen, freu dich oh moderne christenseele. vielmehr ist das, was berlioz mit seiner bearbeitung und die aktuellen opernmacher mit ihren mitteln daraus fabrizieren, effektvoll, aber über weite strecken ohne jeden sinn.

Verfasst von kroski.meint
Schränke, wenn das Ferienparadies in der Wüste zum wiederholten Mal vor unseren Augen in die Luft gesprengt wird, dann ist auch Karl Marx uns wieder ein bisschen näher gekommen, vermittelt durch die zeitlose Ästhetik des Michelangelo Antonioni.” (filmzentrale.com)






