Archiv für den Monat August 2007

Bernward und Barabara: Es ist Hochzeit!

Aus heiterem Himmel war sie plötzlich da, die Einladung zur Hochzeit. Und einen wunderschönen Himmel gabs auch am 1. Mai…

KAPELLE PODERSDORF

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mügeln und prügeln: europa, ausländer, und weiter?

wieweit kommen wir mit diesen worten? „Es braucht diese Empörung, trotz ihrer begrenzten Wirkung, sonst bricht der Boden der Zivilisation. Er ist dünner, als man denkt“, so lesen wir heute in der SZ im artikel JAGD AUF DAS FREMDE.

MÜGELN

kleinstadt, landwirtschaftliches gebiet, stadtfest, bierzelt, alkoholgetränkte streitereien, mitfeiernde inder schlussendlich als ziel, neonazistische parolen kommen auf, brutale hetzjagd von etwa 50 bewohnern mügelns auf das grüppchen inder, brutale verletzungen… wir haben das gehört, gesehen und gelesen.

nach abklingen aller betroffenheit jetzt die frage, wie geht es weiter? es ist längst an der zeit, die zähen wurzeln und unangenehmen wahrheiten anzusprechen.

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schnecke europa, so flink, überschlag dich nicht!

zitat aus DerStandard: „wie zum beweis dafür, dass eu-politik der inbegriff des tatendrangs, der entschlusskraft und der bürgernähe ist, wird ende september in brüssel das vierte europäische kohäsionsforum stattfinden… im pressetext zum forum heisst es: langfristiges ziel des vierten berichts (…) ist es, überlegungen zur zukunft der europäischen politik anzuregen, um einen besseren wirtschaftlichen, sozialen und territorialen zusammenhalt zu erzielen.

überlegungen anzuregen – das klingt beinahe schon hyperaktiv (wäre es nicht ein langfristiges ziel). die 800 teilnehmer wollen sich aber auch mit der frage befassen, „inwieweit die kohäsionspolitik der union an die neuen herausforderungen angepasst werden sollte“.

schnecke-haufen.jpg

jetzt überstürzt es aber nicht! das wäre doch schliesslich ein gutes thema für  das „fünfte europäische kohäsionsforum“ … nächstes jahr.“

danke dag, mein guter geist aus DerStandard, für diese perle des westens… wäre es nicht so damned-dämlich-dusty-düster-traurig, könnte man sagen: just forget it, schau ma dann lieber die EM 2008, da geht’s wirklich um aktives europa…

schloss laxenburg bei wien, barocke baustelle…

BEAUTY IS IN THE EYE OF THE BEHOLDER

eine radltour zum schloss laxenburg… mehr unter

Holocaust-Archiv für Forschung nur teilweise geöffnet

1955
beginnt die Geschichte des Holocaust-Archivs im hessischen Bad Arolsen. Ein wichtiger Schritt zur Sammlung allen verfügbaren Materials ist getan.

2006
Vorgeschichte, 2. Teil. DIE NEUE EPOCHE ONLINE schreibt im April 2006: „Elf Staaten schlossen 1955 den Vertrag über das Archiv des Internationalen Suchdienstes: Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Israel, Luxemburg, die Niederlande, Polen und die USA. Von ihnen hat Deutschland die strengsten Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre. In Gesprächen mit dem Holocaust-Museum in Washington erklärte sich Bundesjustizministerin Brigitte Zypries aber am 18. April 2006 dazu bereit, das Holocaust-Archiv zu öffnen.

NAZI ARCHIV BAD AROLSEN«Es war, als ob man einen Banktresor öffnet und gesagt bekommt, dass man die Goldbarren nicht berühren darf», sagt der Professor für Völkermordstudien an der Universität Amsterdam. 60 Jahre lang durften die Bestände des Archivs nur für Anfragen der Angehörigen von Holocaust-Opfern genutzt werden. Diese sollten vor der Veröffentlichung von persönlichen Informationen bewahrt werden, darunter Angaben zu Erbkrankheiten, zum Sexualverhalten oder zu pseudo-medizinischen Experimenten. Jetzt (Anm.: das war 2006) entscheidet ein von elf Staaten gebildeter Ausschuss in Luxemburg darüber, ob das Archiv für die historische Forschung geöffnet wird.“

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islam: view from iran, ein blog der seltenen art.

dankenswerterweise konnte ich dem watchblog islamophobie den hinweis auf ein interview in der süddeutschen entnehmen, ein gespräch mit den blogbetreibern von VIEW FROM IRAN in der SZ. die autoren des watchblog islamophobie haben dieses interview bis 17.08.07 15 uhr noch nicht kommentiert. VIEW FROM IRAN kann keinesfalls als beleg für die propaganda des westens gegenüber islamischen staaten dienen. dies wäre grundfalsch, denn die letzten beiden absätze des artikels in der Süddeutschen Zeitung lassen keine zweifel offen, hier erhalten wir eine glasklare einschätzung des gegenwärtigen politisch-religiösen klimas im iran:

see blog VIEW FROM IRANDie einheimische Bevölkerung hingegen beginne, an der Lage zu verzweifeln: „Es ist inzwischen eine Generation herangewachsen, die ein Leben ohne islamische Gesetzgebung nie gekannt hat. Die junge Generation ist zynischer geworden, hat keine Hoffnung auf Veränderung“, sagt sie nachdenklich,
„und das Land hat inzwischen so viel Talent und so viele Ressourcen verschwendet, dass es vielleicht keine Möglichkeit mehr gibt, die Dinge zu wenden.“

Für einen Moment stockt sie, die jüdische Amerikanerin, die im Iran heimisch geworden war: „Es ist furchtbar, so etwas zu sagen, oder? Mir bricht es wirklich das Herz, so pessimistisch über einen Ort zu reden, den ich so sehr zu lieben gelernt habe.“

VIEW FROM IRAN

gerne gebe ich den link weiter: VIEW FROM IRAN nun heisst der blog korrekt view from [outside] iran, da die blogbetreiber in die usa zurückgekehrt sind.

gandhi, die dritte: zivilcourage, gibts das? yes, just watch NGILU!

gibt es, aber öfter muss man über die grenzen hinaus schauen.

CHARITY NGILU hat es mir heute angetan. sie ist kenias gesundheitsministerin, hat 24 stunden haft hinter sich, und teilt gleich wieder kräftig aus.

C. NGILU

mit ihren 55 jahren hat sie sich doch ein quantum lebendigkeit bewahrt (selber bin ich über 40 und -). „sicherheitsminister michukin wollte mir wohl zeigen, dass er macht über mich besitzt“, kommentiert NGILU. durch eine spektakuläre aktion befreit sie eine inhaftierte oppositionelle, die gegen die selbstbedienungsmentalität in kenias parlament demonstriert hatte. im silbernen dienst-mercedes braust NGILU mit ihr von dannen.

als sie deshalb einen tag später selbst ins polizeihauptquartier zitiert wird, gerät der auftritt so schrill, dass der entnervte polizeipräsident NGILU, die sich in ihrem dienstwagen auf dem polizeigelände eingeschlossen hatte, wieder ziehen lassen muss.

seit 15 jahren ist NGILU in der politik aktiv. 1997 trat sie gegen den autoritär regierenden präsidenten daniel arap moi an, und liess sich vor laufenden kameras mit tränengas einnebeln: moi hatte zuvor eine von NGILUs wahlveranstaltungen boikottiert.

C. NGILU

unbeliebt ist NGILU bei ihren kabinettskollegen wegen ihres ernsthaften kampfes gegen die korruption. wie so oft hat NGILU die lage auch diesmal zu ihrem vorteil gewendet, um ihren kampf fortsetzen zu können.

hush-hush… the bush flush, can’t hear enough of it:


lets call it the philosopher’s tape

oder wie man den selbsternannten imperator des krieges gegen das reich des bösen mit einfachen, klaren worten hinunterspült.

uhuhoo – we do viral video… / rated PG 6:

„let’s go for the ultimate video information…“

fetziger einstieg … süsser schluss:
quasitotal ein netter jüx, meint junior.de.luxe.

umberto eco und das nationalspiel der italienischen eliten

gerade am tag nach dem gandhi-film muss ich umberto ecos kapitel „die modi der kulturellen UMBERTO ECOmoden“ lesen. (sind da nicht doch ein paar perfide teufelchen am werk??) es heisst hier: „das beliebte spiel der gebildeten italiener besteht aus drei zügen, die doktor weiss gegen doktor schwarz spielt.

erster zug:
schwarz: „leute wie die u-bahn-attentäter von london müsste man umbringen!“
weiss: „der übliche provinzialismus. in der soziologischen literatur weiss man seit über 10 jahren, dass töten nichts hilft. lesen sie doch mal…“

zweiter zug:
schwarz: „gut, wenn man’s recht bedenkt, sollte man nie einen menschen töten.“
weiss: „scheint mir auch kein origineller ansatz zu sein. hat schon gandhi gesagt.“

dritter zug:
schwarz: „eigentlich hat ghandi recht.“
weiss: „klar, natürlich, dank bush haben wir die aktuelle mode des pazifismus!“

UMBERTO ECOmit dieser immer anwendbaren stategie wird weiss stets gewinnen. 1) für jede irgendwo aufgestellte behauptung findet sich eine früher schon irgendwo anders aufgestellte gegenbehauptung. 2) für jede irgendwann aufgestellte behauptung findet sich ein ansatz eines vorsokratikers, der sie antizipiert. 3) jede einverständniserklärung mit einer these macht, sobald sie von mehr als einer person bekundet wird, die ansichten dieser personen als konform respektive konformistisch definierbar…“

apropos, ging es nicht im letzten blog um ghandi? ja, ich gebe zu, die lektüre von umberto eco „über gott und die welt“ ist mir gerade recht gekommen, mahatma gandhi nicht ganz so dogmatisch im raum stehen zu lassen. wenn der papa jetzt etwas relativistisch mit den grossen des letzten jahrhunderts verfährt, ist es umso erfreulicher, dass juniorjunior (sohn gregor, 11) immerhin einiges vom gandhi-porträt behalten hat, und ganz gut einordnen konnte (passiver widerstand bei der verbrennung der pässe in südafrika, der alte mann mit seinem bericht über die ausbeutung bei der baumwollverarbeitung als initialzündung für die tücher-verbrennung, das erreichen der unabhängigkeit indiens, natürlich die ermordung gandhis), gar nicht so schlecht, juniorjunior! wünschen wir doch der jetzt aufwachsenden generation frieden mit einem starken europa und nicht zuvielen klimawandelproblemen…

indien unabhängig 1947-2007, mahatma ghandi

heute stand GHANDI auf unserem familienprogramm. danke richard attenborough. danke ben kingsley. und vor allem: danke mahatma gandhi. dieser ganz aussergewöhnliche mensch verdient wahrhaftig unser andenken. es lohnt sich einige überlieferte gedanken nachzulesen.
gandhiserve.org

Glaube

„Ich glaube Leuten nicht, die mit anderen über ihren Glauben, besonders in einer Bekehrungsabsicht sprechen. Glauben läßt kein Reden zu. Er muß gelebt werden und spricht dann für sich selber.“

Young India, 20. Oktober 1927

MAHATMA GANDHI

Die Welt von morgen

„Die Welt von morgen wird eine, ja muß eine Gesellschaft sein, die sich auf Gewaltfreiheit gründet. Das ist das erste Gesetz; aus diesem werden alle anderen guten Taten hervorgehen. Dies mag ein entferntes Ziel sein, ein unpraktisches Utopia. Aber es ist nicht im geringsten unerreichbar, da man dafür hier und jetzt arbeiten kann. Ein Einzelner kann den Lebensstil der Zukunft praktizieren – den gewaltfreien Weg -, ohne auf andere warten zu müssen. Und wenn es ein Einzelner kann, können es nicht auch Gruppen, ganze Nationen? Die Menschen zögern oft, einen Anfang zu machen, weil sie fühlen, daß das Ziel nicht vollständig erreicht werden kann. Diese Geisteshaltung ist genau unser größtes Hindernis auf dem Weg zum Fortschritt, ein Hindernis, das jeder Mensch, sofern er nur will, aus dem Weg räumen kann.“

Harijan, 10. Februar 1946

MAHATMA GANDHI

Gott

„Das Endziel des Menschen ist das Erkennen Gottes, und alle seine Aktivitäten, seien sie sozial, politisch, religiös, müssen von diesem Endziel geleitet werden: Der Vision Gottes. Unmittelbarer Dienst am Menschen wird einfach deshalb schon ein notwendiger Bestandteil der Bemühungen, weil der einzige Weg, Gott zu finden, darin besteht, ihn in seiner Schöpfung zu schauen und eins mit ihr zu sein. Dies kann allein durch den Dienst an allen geschehen. Ich bin ein Teil vom Ganzen und kann ihn vom Rest der Menschheit nicht getrennt finden.“

Harijan, 29. August 1936

MAHATMA und NEHRU

mein persönliches ziel soll sein, mit noch wachsameren augen durch die welt und das netz zu surfen, und die „gutartigen geschwüre“ zivilcourage, gewaltfreiheit und nächstenliebe immer wieder auf diese seite zu stellen, ja nach möglichkeit selbst zu praktizieren?!

benvenuto cellini: erst raub der saliera, jetzt opernspektakel.

salzburger *film*festspiele, darf für diese inszenierung der berlioz-oper gesagt werden. daraus ergeben sich interessante vergleichsmöglichkeiten. offensichtlich ist es für zeitgemässe opernaufführungen kein problem, jedenfalls nicht im grossen festspielhaus, so cinemascope-artig wie hollywood blockbuster à la titanic rüberzukommen, das ist für leinwandfreaks schon erstaunlich.

CELLINI IN SALZBURG

das publikum während der aufführung in die beobachtung miteinzubeziehen, ist nicht umsonst, um es vorsichtig auszudrücken: der grösste lacherfolg mit anschliessendem szenenapplaus kommt, als sich cellini und papst sich sportlich abklatschen, sagen wir, zwei Red Bull Salzburg-Spieler hätten gerade ein spektakuläres tor erzielt. einer farce kann ich dieses element gestalterisch selbstverständlich beifügen, kein einwand, aber wie leicht das festspielpublikum zu unterhalten ist, lässt schon tief blicken.  

zurück zum thema film/oper. betrachten wir kurz die budgetgrössen: sommer 2007 = 10.000 besucher x 150 euro = 1.5 mio verdoppelt durch 1 weitere saison = 3 mio. euro, also wird mit etwa 1-3% eines hollywoodbudgets natürlich nur ein promill-bruchteil des blockbusterpublikums erreicht, für den 25-fachen preis einer kinokarte. aber mit diesem vergleichsweise mini-budget lässt sich ein ein überlegener (!!) bühneneffekt erzielen. genug der zahlenspielereien: es ist ernüchternd für hollywood, mit den grossen produktionsbudgets nichts opulenteres erzeugen zu können.

cellini-festspiele.jpg

„Wenn Stölzl mit seiner Regie die Aussagelosigkeit, die Sinnentleertheit dieser Geschichte betonen wollte, hat er gute Arbeit geleistet. Er, der aus der Pop- und Videobranche kommt, scheint sich tatsächlich in ein Filmarchiv zu flüchten. Was er auf seine eigene Bühne bringt, ist eine Aneinanderreihung von Filmzitaten. Klar erkennbar sind „Der Zauberer von Oz“, „Star Wars“, „Batman“, „Nemo“, „Moulin Rouge“, „Peter Pan“, ja sogar „Titanic“, wenn die Teresa dieser Produktion auf Kate Winslet machen muss, die am Bug von Leo Di Caprio gehalten wird. Dann ist sie wieder Tinkerbell. Oder Nicole Kidman. Und was hat R2D2 mit „Cellini“ zu tun?Dabei sind einige der farbenprächtigen und zumeist überfrachteten Tableaux wirklich gelungen und für sich alleine kunstvoll. Aber da permanent und auf jedem Millimeter der Bühne die Pseudo-Handlung peitschend vorangetrieben wird, ermüdet das Auge des Betrachters. Wie bei Werbung oder aggressiven Videos will man wegzappen. Oder sehnt sich nach Zeitlupe. Selbstzweck ohne tieferen Sinn? Wirkt zumindest so. Eine hübsche Bebilderung und Verpackung nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ (Kurier)

warum diese vergleiche mit dem medium spielfilm? wie eingangs erwähnt, ist die vorliegende inszenierung mit verschiedensten filmzitaten geradezu eine aufforderung, dies zu tun. mit klarem erfolg für den opernregisseur! der vorangegangene ausschnitt aus einer kritik belegt die filmverliebtheit der regie. in einem punkt gebe ich der kritik allerdings gar nicht recht: nicht die von goethe erarbeitete vita des benvenuto cellini ist sinnentleert: immerhin sagt cellini von sich selbst, drei menschen nicht gerade aus hehren motiven getötet zu haben, und erhält vom papst den ablass geradezu nachgeschmissen, freu dich oh moderne christenseele. vielmehr ist das, was berlioz mit seiner bearbeitung und die aktuellen opernmacher mit ihren mitteln daraus fabrizieren, effektvoll, aber über weite strecken ohne jeden sinn.