gut mit sich selbst umgehen – anselm grün

ANSELM GRÜNeinige büchlein von ANSELM GRÜN habe ich bereits mit mehr oder weniger interesse gelesen, beim obengenannten titel hat es schliesslich gefunkt (allerdings erst ab kapitel 4). wie gehe ich tatsächlich mit mir und mit anderen um? hier eine zusammenfassung dieses kapitels:


(kapitel 4) der christliche umgang mit sich selbst

seelsorge und spirituelle begleitung führen zur aussöhnung: aussöhnung vor gott – mit mir und meinem leben. was mutet und traut mir gott durch meine geschichte zu? schliesslich erkenne ich meinen weg, meine einzigartige gestalt, die gott nur mir zugedacht hat. das heisst auch, gut mit mir umzugehen, nicht gegen meine natur zu leben, sondern meinem wesen zu folgen, damit in allem und durch alles, was in mir ist, gott verherrlicht werde, somit mein samen zu einem wirklichen teil der schöpfung reifen kann.

(4a) askese:
bedeutet nicht zucht und verzicht, sondern training in meiner menschwerdung, das erlangen von sozialen fertigkeiten, einübung in offenheit und bereitschaft zur gotteserfahrung. askese als gestaltung meiner talente, als lebensbejahung und lebensformung.

(4b) aussöhnen mit sich selbst:
den streit zwischen den verschiedenen sich bekämpfenden gedanken und wünschen schlichten, die aufgebrachte seele beruhigen, liebevoll mit sich umgehen. das widerstrebende in mir kommt zum schweigen. es entsteht innerer friede. es braucht jahrelange einübung in die auch mit sich selbst aussöhnende barmherzigkeit. wenn ich schliesslich wieder versage, hilft das jesusgebet: „jesus christus, sohn gottes, erbarme dich meiner!“ mir hilft es, mit den gedanken zu sprechen, sie vor gott anzuschauen, zu fragen, was er mir damit sagen möchte. und/oder ich spreche das jesusgebet in diese gedanken und gefühle hinein.

(4c) frommsein = gut zu sich sein:
frömmigkeit ist kein regel- und zwangssystem. sie ist vielmehr antwort auf die liebe gottes, wie sie in jesus christus offenbar geworden ist. antwort in form von gebeten, gottesdiensten, ritualen, stiller zeit, meditation. nicht in einem höchstmass an erfüllung. vielmehr in einem mass, welches der aussöhnung mit mir selbst und den menschen meiner umgebung gut tut, welches dem leben mit familie, freunden und umgebender welt gut tut. entscheidend für meine frömmigkeit ist vor allem mein gottesbild, von dem auch mein selbstbild abhängt. „die gottesimago ist der geheimste mittelpunkt der menschlichen existenz, denn nach diesem bild scheint der mensch geschaffen zu sein…“ ein krankes gottesbild macht mich krank, zum beispiel in form von verkrampfung und verhärtung vor einem „leistungsgott“. nur der barmherzige gott lässt mich meine wahre lebensspur finden.

(4d) den nächsten lieben:
die nächstenliebe soll ich nicht zu sehr nach motiven und risiken hinterfragen. vor lauter problematisieren, wegschauen und zaudern vergessen wir ansonsten das helfen. eine gute mahnung ist auch der hebräerbrief: „vergesst die gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, engel beherbergt.“

(4e) arbeit als selbstverwirklichung:
unser broterwerb als aufgabe mit sozialem imperativ. die hingabe an die arbeit ist die voraussetzung für echte menschwerdung (schellenbaum): „tiefgreifende veränderungen der persönlichkeit geschehen nur in der hingabe an einen menschen oder ein werk… sich ganz einer tätigkeit hinzugeben… heisst zu einer einzigen strömenden bewegung zu werden. das selbst befindet sich immer am punkt der intensivsten hingabe.“

(4f) gut mit den dingen umgehen:
der umgang mit den dingen ist auch ein test für die innere haltung des menschen. da drückt sich seine seele aus: wer achtsam mit den dingen umgeht, wird auch behutsamer mit sich selbst umgehen. umgekehrt lerne ich durch den behutsamen umgang mit den dingen eine innere achtsamkeit. sobald ich keinen blick mehr für die einfachen dinge habe, wird sich auch mein blick für die feinen regungen des herzens verdunkeln.

(4g) selbstannahme auch bei fehlern und schuld:
unsere schwierigste aufgabe besteht wohl darin, gut mit uns umzugehen, auch wenn wir versagt haben und schuldig geworden sind. gut mit sich umgehen heisst nicht, seine fehler vor sich und vor den anderen zu entschuldigen. zuviel entschuldigen oder beschuldigen hilft nicht weiter. nicolas herman (1608-1691) zeigt uns, wie wir gut mit uns umgehen können, wenn wir schuldig geworden sind: „habe ich fehler begangen, so mache ich nichts anderes, als dass ich sie eingestehe und zu gott sage: ich werde nie anders handeln, wenn du mich mir selbst überlässt. du allein kannst verhindern, das ich falle, und in ordnung bringen, was anders sein sollte. danach beunruhige ich mich nicht mehr über das, was ich falsch gemacht habe.“

gut mit sich umgehen entspricht dem, was die bibel mit barmherzig sein beschreibt: die barmherzigkeit gottes, die uns in jesus christus offenbart wird. jesus ist das antlitz der göttlichen barmherzigkeit. er hat sie verkündet und vorgelebt. jesus hat den menschen immer wieder barmherzigkeit erwiesen, und seine jünger aufgerufen: „seid barmherzig, wie es auch euer vater ist.“ barmherziger umgang untereinander, liebe zu den feinden, und schliesslich barmherzigkeit sich selbst gegenüber.

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Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 25. September, 2007 in Bücher, Christen, Christentum, Gesellschaft, Glaube, Kultur, Leben, Menschen, Römisch-Katholische Kirche, Religion und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Feiner Hinweis. Da winkt Lebensqualität. Anselm Grün, auf den kann das komische Europa fast ein bischen stolz sein. Ich werd`s mir “denkend einverleiben“.

    jacques auvergne
    http://saegefisch.wordpress.com/

  2. danke, jacques, für dein feedback. anselm grün hat schön herausgearbeitet, dass barmherzigkeit nicht nur „von oben kommt“. wir können und sollen auch barmherzig sein mit unseren mitmenschen. aber zuvor brauchen wir barmherzigkeit auch gegenüber unseren eigenen schwächen. festgehalten habe ich die wichtigsten gedanken von anselm grün vor allem für menschen, die zu streng sind zu sich selbst. also lass uns sündigen, mein freund! ok, ein kleiner scherz ist doch erlaubt… jetzt aber: grüsse nach düsseldorf!

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