Mutter Teresa der Flüchtlinge, Tag für Tag

sonnenblume_joujou-2.jpgWas mich – und ganz sicher nicht nur mich – immer wieder nachdenklich macht, ist, wie wenig Vorbilder wir tatsächlich wahrnehmen. Oder sehen wir sie einfach nicht? Schauen wir da genauso weg, wie bei den Vorfällen, wo unser Einsatz tatsächlich und genau dann gefragt ist?

Oder ist es vielleicht so, dass wir sie manchmal kaum sehen können, weil sie so klein sind? „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten…“ (Mt 18,10). Manchmal entsteht dann doch eine ganz besondere Geschichte, und „Kleine“ werden für uns richtig gross und sichtbar, wie im Falle Maria Loley.

Poysdorf, Niederösterreich. Niemandsland, nahe der tschechischen Grenze. 22. November 1924, Maria wird als ältestes von 5 Kindern geboren. – Szenenwechsel: September 1994, Maria Loley erhält den erstmals ausgeschriebenen Preis des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlingshilfe UNHCR. – Und dazwischen: 70 Jahre eines kleinen, und doch so grossen Lebens, berufen zur Liebe.

Die Verachteten, Geringgeschätzten wurden meine Lieblinge, erzählt Maria Loley, und berichtet von einer Ferialbeschäftigung in einem Kinderheim. Der Leiter machte sie auf einen Burschen in ihrer Gruppe aufmerksam, den er als besonders schlimm bezeichnete. Das veranlasste sie spontan, diesem Kind mehr Zuwendung zu schenken. Und wirklich, der Junge entwickelte eine so liebe Art, dass vom „schlimmen Kind“ nichts mehr zu bemerken war. Vertrauen hat sie geschenkt, und Vertrauen hat sie erhalten. Als Schlüsselerlebnis bezeichnet sie die Erfahrung, als sie vor vielen Jahren bei einer befreundeten Familie eingeladen war: Der Mann stellte ihr eine Frage, sie weiss nicht mehr, zu welchem Thema, aber sie war erschrocken über die Frage, denn sie wusste keine Antwort. Dem Mann aber war die Angelegenheit sehr wichtig. Was jetzt? Sie warf dem Heiligen Geist im Herzen eine bittenden Blick zu. Und dann war es so: Nach einer kurzen Pause begann sie zu reden, wie von einer unsichtbaren Hand geführt. Sie hat langsam gesprochen, und die Antwort hat sich aufgebaut. Dieser Verlauf hat sie gepackt und ihr ihren geistigen Weg gezeigt. Ohne dass ihr Gegenüber merken konnte, was in ihr vorging, hat ihm die Antwort Klarheit verschafft. Sie erkannte: So also „nimmt sich der Geist meiner Schwachheit an„. (Paulus an die Römer 8,26)

Es ist ein scheinbar armes, kleines Leben, das Maria Loley im Namen der von ihr betreuten Flüchtlinge führt. Mit Höhen, und auch Tiefen. Nach der Auszeichnung durch das UNO-Hochkommisariat beginnen Anfeindungen: anonyme Briefe, Beschimpfungen, Drohungen – auch gegen ihre Mitarbeiter. Am 16. Oktober 1995 ist es soweit: Maria Loley nimmt die Post aus ihrem Schliessfach, und vernimmt innerlich eine klare Stimme: „Öffne die Post hier.“ (Meist machte sie dies zu Hause.) Diese Stimme rettete ihr das Leben: Zu Hause, am Tisch, allein, und die Briefbombe hätte ihr das Gesicht zerfetzt. Dank schneller Hilfe vor Ort wird Maria Loley die Verletzungen schliesslich überleben. Höhen und Tiefen. So spricht so auch sehr konkret vom „Bösen“. Sie war beruflich oft stark unter Druck, und an ein Erlebnis erinnert sie sich ganz besonders. Sie weiss noch die Tageszeit und den Ort in der Wohnung, wo sie gestanden ist. Es war eine unheimliche Stimme, die sie im Inneren vernahm. Sie wusste, das ist der Böse, der sagte, sie habe keine Chance, aufhängen solle sie sich, auf was warte sie noch. Es war unheimlich, und sie war wie gelähmt. Im Nachhinein ist sie davon überzeugt, dass sie mit einem sicheren Schutz umgeben war, obwohl sie die Nähe Gottes nicht spürte. Aus vielen Erfahrungen erwächst Maria Loley die Gewissheit, keine Angst mehr zu haben, sich mit Gott so stark zu fühlen. Die Kraft in uns wächst, und mit der Kraft die Freude. Es ist herrlich, am Sieg des Herrn Anteil zu haben, sagt sie.

Von der Freude kann Maria Loley auch viel erzählen. Immer wieder denkt sie daran, dass Jesus kurz vor seiner Verhaftung oft von der Freude spricht, von seiner Freude. „Dies habe ich euch gesagt, dass meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird„. (Joh 15,11) Doch wie können wir zu dieser Freude gelangen? Durch unsere Bitten an Gott, da ist sich Maria Loley sicher. So war sie während ihrer vierjährigen Arbeit im psychiatrischen Krankenhaus von Gugging oft mit Menschen konfrontiert, die unter Depressionen litten, jener unsäglichen Traurigkeit. Da bewegte es sie einmal, den Herrn zu bitten, ihr seine Freude zu geben. Und die Freude wurde ihr gegeben. Sie war überwältigt, erzählt sie! Ihr wurde bewusst, dass wir die Worte unseres Schöpfers viel ernster nehmen müssen. Seine Freude hat die Kraft ihrer Seele durchdrungen.

Heute morgen bin ich, nach unangenehmen Albträumen, aufgewacht, und habe zu einem kleinen Büchlein gegriffen, das wie von lenkender Hand am Nachtkästchen bereit lag: Maria Loley, Zur Liebe berufen, Ein Lebenszeugnis Tyrolia-Verlag, 2007, ISBN 978-3-7022-2862-0. Es gibt sie also, die Vorbilder, die wir so dringend brauchen. Manchmal liegen sie sogar griffbereit neben uns.

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 5. Januar, 2008 in Österreich, Bücher, Christen, Christentum, Glaube, Heilige, Inspiration, Menschen, Religion und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. kann es sein, weil alle Vorbilder „nur“ Menschen sind und nicht Gott? zumindest soll es so sein, aus christlicher sicht -oder?

  2. @dragos
    gleich vorneweg: vorbilder s i n d menschen, und gerade deshalb sind sie so wichtig: als mann/frau sehen wir beispiele, wie „vorbildlich“ gehandelt wurde, und können uns unsere eigene authentische (also echte) art überlegen, auf situationen und menschen zu reagieren, zu antworten.

    es wird nicht so klar, was du mit deiner frage ansprichst. jedenfalls neigen wir dazu, menschen unserer umgebung, weil wir vielleicht auch ihre schwächen kennen, nicht so ernst, nicht so sehr als vorbild zu akzeptieren. doch genau da liegt das problem: nicht die schwächen sind interessant, sind wir denn richter;

    sondern gerade die taten , bei denen wir sagen: das hätte ich aber nicht geschafft! das war aber toll, wie er/sie „über sich hinaus gegangen ist“, das war aber „selbstlos“ – „uneigennützig“ – „bewundernswert“, die worte für „vorbildliches“ verhalten haben wir ja!

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