serie kleine werkstätte: Einkehrtag zum Thema Hoffnung

Heiligenkreuz im Wienerwald

Stift Heiligenkreuz

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Hoffnung, wie wichtig ist sie uns?

Was bedeutet Hoffnung genaugenommen?

Hoffnung ist weniger Prinzip, als vielmehr Person – so lautet eine der klärenden Antworten…


Einkehrtag am 24. Februar 2008, Kirchberg am Wagram

mit dem Pfarrer von Heiligenkreuz, P. Bernhard Johann Vošicky OCist

pater bernhard

P. Bernhard Vošicky


HOFFNUNG, eine Reise durch die Enzyklika spe salvi
(2007)

Was ist Hoffnung?
Eine Haltung,  ein Prinzip, eine Tröstung?
Für Christen ist Hoffnung eine Person!
Im Kreuz Jesu Christi liegt unsere Hoffnung.

Hoffnung leben – Hoffnung geben, so lautete der Leitgedanke des Papstbesuchs 1983. Ein Zitat aus der Ansprache von Johannes Paul II. am Heldenplatz:

„Unter dieses Kreuz stellen wir Österreich; unter dieses Kreuz stellen wir Europa. Denn allein im Kreuz ist Hoffnung! An ihm hat das Leben den Tod besiegt. Das Kreuz ist Zeichen der versöhnenden, Leid und Tod überwindenden Liebe Gottes zu uns Menschen, Verheißung der Brüderlichkeit aller Menschen und Völker, göttlicher Kraftquell für die beginnende Erneuerung der ganzen Schöpfung.“

Philosophen des Materialismus haben Hoffnung als Prinzip definiert. sogar als lebenswichtiges Prinzip (Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung). Doch letztlich ist Hoffnung im Marxismus und in der Philosophie des Materialismus ein ausschliesslich diesseitiges Prinzip. Pater Bernhard schildert die Begräbnisformel eines DDR-Funktionärs: „..und so kehrst du als Baustein des Arbeiter- und Bauernstaaates, der politischen Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, in die Erde zurück.“

Wie sieht der Islam Hoffnung? Wir können bestenfalls sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Hoffnung wahrnehmen, denn durch das Prinzip „Kismet“ ist das Schicksal jedes Muslimen (Paradies oder Verdammnis) bereits vorbestimmt. Darüber hinaus ist das muslimische Paradies ein Schlaraffenland mit irdischen Bausteinen. Pater Bernhard schildert das Erlebnis einer „christlichen Botschaft“, anlässlich seiner Türkeireise 2007. Bei einer Führung durch die Hagia Sophia erläutert der liberale türkische Führer: „Im Islam ist das Lebensschicksal vorbestimmt. Wir haben keinen „hölzernen Kasten“, wo wir auf Vergebung hoffen können, das gibt es nur bei den Christen!“

Hoffnung leben – Hoffnung geben, so dürfen wir Christen unseren Lebensweg gehen.

Geduld ist für uns Christen gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Geduld mit den Mitmenschen ist oftmals schwer, noch wichtiger ist die Geduld mit sich selbst:
Die große Geduld auf dem Weg des Lernens und Wachsens in der Nachfolge Christi.

Als Leitfaden der christlichen Bewährung führt Pater Bernhard folgende Stufen an, von der niedrigsten bis zur höchsten:

– unser Mitwirken in der Kirche

– für andere beten

– in Liebe handeln, im Namen Christi und der Kirche leiden

Pater Bernhard erzählt von Schwester Zdenka, einer Verwandten aus der Slowakei, die 2003 seliggesprochen wurde. Anfang der 50er Jahre hatte sie römisch-katholischen Priestern zur Flucht durch den eisernen Vorhang nach Österreich verholfen.

«Für arme Christen, wie wir im Grunde genommen alle sind, sind Märtyrer eine Ermutigung, das Evangelium mit Ernst und in seiner Gesamtheit zu leben, indem wir die kleinen und großen Opfer mutig angehen, die das in Treue zum Wort und zum Vorbild Jesu gelebte christliche Leben mit sich bringt. Die Märtyrer sind die wahrhaftigsten Nachahmer Jesu in seinem Leiden und in seinem Tod», sagte Kardinal Saraiva Martins (29. Oktober 2003). Die selige Schwester Zdenka Schelling ist eine Märtyrerin, die uns Papst Johannes-Paul II. als «leuchtendes Vorbild der Treue in Zeiten harter und erbarmungsloser religiöser Verfolgung» vorgestellt hat (14. September 2003).

In einem Rundschreiben der Abtei St.-Joseph de Clairval anlässlich der Seligsprechung von Schwester Zdenka heisst es:

Schwester Zdenka

Sr. Zdenka

„Die Haltung Schwester Zdenkas führte zu immer heftigeren Konfrontationen mit den Behörden. Im Jahre 1951 wurde ein sehr aktiver Priester, Stefan Kostial, wegen Fluchtversuchs verhaftet und gefoltert. Er wurde völlig entkräftet ins Krankenhaus von Bratislava eingeliefert, wo ihn Schwester Zdenka unter ihre Fittiche nahm. Als er wieder einigermaßen zu Kräften gekommen war, sollte er am 20. Februar 1952 vor Gericht erscheinen, um abgeurteilt zu werden. Schwester Zdenka nahm daraufhin Kontakt zu Personen auf, die ihm zur Flucht verhelfen konnten. Am Abend des 19. Februar kochte sie einen Tee für die diensthabende Wache und tat ein Schlafmittel hinein. Stefan Kostial konnte entkommen, doch einige Tage später scheiterte ein Fluchtversuch anderer Priester.“

Wenig später wurde sie festgenommen, und ein jahrelanges Leiden aus grausamer Folter, verschiedenen Haftstrafen und schweren Krankheiten folgte. 1955 wurde sie als Schwerkranke aus der Haft entlassen: der slowakische Staat wollte keine Märtyrerin schaffen. Das Rundschreiben führt weiter aus:

„Als Schwester Zdenka den Tod nahen fühlte, betete sie: «Mein Gott, ich komme zu Dir mit demütigem und reuigem Herzen. Meine kalten und steifen Füße mahnen mich daran, dass meine Pilgerschaft auf Erden zu Ende geht. Wenn meine Seele von trügerischen Gespenstern belästigt, vom Todeskampf geängstigt und durch die Erinnerung an alles getrübt wird, was ich versäumt oder schlecht erledigt habe, wenn ich gegen den Engel der Finsternis kämpfen muss, der Deine Güte verdeckt und meine Seele mit Entsetzen füllt, dann hab Erbarmen mit mir, und wenn ich weine, nimm meine Tränen als Zeichen der Versöhnung hin. Und auch wenn schließlich meine Seele vor Dir steht, hab Erbarmen mit mir.»

Am frühen Morgen des 31. Juli 1955 gab Schwester Zdenka ihre Seele an Gott zurück, nachdem sie die heilige Kommunion empfangen hatte. Ihr Leichnam ruht heute auf dem Friedhof von Podunajské-Biskupice, in der Gruft der Schwestern vom Heiligen Kreuz.“

In der Messe zur Seligsprechung von Schwester Zdenka sprach Papst Johannes Paul II. einleitend:

„O Crux, ave spes unica! Heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung, sei gegrüßt!

In dieser sonntäglichen Liturgiefeier, liebe Brüder und Schwestern, werden wir eingeladen, auf das Kreuz zu schauen. Es ist der »bevorzugte Ort«, an dem sich uns die Liebe Gottes offenbart. Auf das Kreuz haben mit unerschütterlichem Glauben Bischof Vasiľ Hopko und Schwester Zdenka Schelingová geschaut, die ich heute zu meiner Freude in das Verzeichnis der Seligen einschreiben konnte.

Am Kreuz begegnen einander die Erbärmlichkeit des Menschen und die Barmherzigkeit Gottes. Dieses grenzenlose Erbarmen anzubeten ist für den Menschen der einzige Weg, um sich dem Geheimnis zu öffnen, das durch das Kreuz offenbar wird.

Das Kreuz ist in den Boden eingepflanzt, und es hat den Anschein, daß es in der menschlichen Bosheit wurzelt, aber es strebt nach oben wie ein zum Himmel erhobener Zeigefinger, ein Finger, der auf die Güte Gottes weist. Durch das Kreuz Christi wird der Teufel besiegt, ist der Tod überwunden, wird uns das Leben gegeben, die Hoffnung wiedergeschenkt und das Licht mitgeteilt. O Crux, ave spes unica!“

Auf seinem Weg durch die päpstliche Enzyklika spe salvi kommt Pater Bernhard abschließend auf unseren letzten Weg zu sprechen, den Tod und das letzte Gericht: Das Feuer der Liebe Christi wird uns freibrennen, umbrennen, zu dem Wesen, zu dem wir von Anfang an bestimmt waren.

Der heilende Blick auf Christus, und letzter Trost in der Not wird uns durch die Jungfrau Maria ermöglicht. Pater Bernhard zitiert den Gründer der Zisterzienser, Bernhard de Clairvaux:

stella maris

Haifa, Konvent Stella Maris

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„Mitten in Gefahren, Nöten und Unsicherheiten denke an Maria, rufe Maria an. Ihr Name weiche nicht aus deinem Mund, weiche nicht aus deinem Herzen … Folge ihr, dann wirst du dich nicht verirren, rufe sie an, dann kannst du nicht verzweifeln, denk an sie, dann irrst du nicht. Hält sie dich fest, kannst du nicht fallen; schützt sie dich, dann fürchte nichts; führt sie dich, wirst du nicht müde; ist sie dir gnädig, dann kommst du sicher ans Ziel.“

Frater Luigi Poggi: „Verherrlichung Mariens im Himmel inmitten der Heiligen des Karmelitenordens“.

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 26. Februar, 2008 in Österreich, Christen, Christentum, Glaube, Inspiration, Menschen, Römisch-Katholische Kirche und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. sehr informativ und übersichtlich geschrieben, Danke.

  2. pater bernhard ist eine beeindruckende persönlichkeit, und diese zusammenfassung des einkehrtages habe ich mit freude geschrieben.
    danke für deinen kommentar :-) !

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