serie kleine werkstätte: In der Nachfolge Jesu – mit Paulus

Paulus

Paulus von Tarsus: Beeindruckend wie kaum ein zweites Schicksal, dass uns die Schrift erzählt.

Alles hat sich geändert für Paulus, mit der einzigartigen Wende seines Lebens, vom gesetzestreuen Verfolger zum liebenden Christusnachfolger. Nur sein Name hat sich nicht wirklich geändert: Für die Römer hiess er Paulus, für die Juden Saulus.

Kann man Paulus überhaupt konkret erfassen? Man kann es jedenfalls versuchen, hier der Entwurf eines Paulus-Ratgebers…

…wobei das ausserordentlich frech formuliert ist, wenn man weiss, dass ich bis vor kurzem grössere Schwierigkeiten mit dem Apostel Paulus hatte! Genauer gesagt haben mich zwei Punkte beschäftigt:

1. Ausgerechnet ein Mann, der zeitgleich (etwa 7 vor Christus geboren, im Jahr 60 gestorben) mit Jesus lebt, ihn aber nie persönlich kennengelernt hat, ist der wichtigste Apostel für uns europäische Christen?

2. Gerade der Mann, der die Urchristen erbarmungslos verfolgt hat, sagt in seinen Briefen, dass er die grosse Gnade der Offenbarung empfangen durfte, aber gar nicht wusste, was er gegen die Christen getan hatte?

Zu letzterem Punkt habe ich kürzlich in einer Paulus-Biographie (Stephen Tomkins, Herder 2004) anschaulich vermittelt bekommen, mit welchem Background und mit welchem Motiv Paulus gegen Urchristen vorgegangen ist. Als gläubiger Jude, der durch die Schule der Pharisäer das Leben in Gesetzestreue als höchstes Gut erfahren hatte, gab es an der Christenverfolgung – also nachdem Christen plötzlich und für viele nicht nachvollziehbar völlig andere Wege gingen – nicht den geringsten Zweifel. in diesem Sinne kann man es verstehen, wenn Paulus sagt, „er wusste nicht“, was er getan hatte, und dann folgerichtig seine Berufung als besondere Gnade erlebt.

Zurück zum ersten Punkt: Ein wenig sonderbar empfinde ich die Stellung des Paulus als „indirekter Apostel“, aber ist es nicht gerade die wunderbare Geschichte seines Damaskuserlebnisses, die seinen Weg so einzigartig macht? Ist nicht genau die von Paulus erfahrene Gnade der Bekehrung ein besonderes Zeichen Gottes, eine ganz grosse Hoffnung für jeden von uns?

Übrigens kommt bei keinem Apostel oder Evangelisten das Wort und das Thema Gnade so oft vor wie bei Paulus – damit ist er in meiner Erfahrung zum Apostel der Gnade geworden.

(Apg 9) 3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst. 7 Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. 8 Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.

15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 16 Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss. 17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. 18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.

Nun zu meinem Versuch, Paulus in 10 Punkten zu erarbeiten, die uns – so hoffe ich – anschaulich machen, dass der Apostel zu allen grossen Themen des Christseins kraftvolle Worte gefunden hat.

1. DIE EINE GROSSE ÜBERZEUGUNG MIT ALLEN TEILEN

1.Korinther 15 (EU)

3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden,

44 Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. 54 Wenn sich aber dieses Vergängliche mit Unvergänglichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg.

2. MEINE FREIHEIT ERKENNEN

Galater 5 (EU)

1 Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!

4 Wenn ihr also durch das Gesetz gerecht werden wollt, dann habt ihr mit Christus nichts mehr zu tun; ihr seid aus der Gnade herausgefallen.

13 Ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!

3. MEINE LIEBE ÜBEN UND DIESE LIEBE LEBEN

Galater 5 (EU)

14 Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!

1.Korinther 13 (EU)

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. 3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. 4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. 5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. 6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. 7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. 8 Die Liebe hört niemals auf.

4. DAS GESETZ IM GEIST JESU CHRISTI VERSTEHEN

2.Korinther 3 (EU)

6 Er hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes.

Bis zum heutigen Tag liegt die gleiche Hülle auf dem Alten Bund, wenn daraus vorgelesen wird, und es bleibt verhüllt, dass er in Christus ein Ende nimmt. 15 Bis heute liegt die Hülle auf ihrem Herzen, wenn Mose vorgelesen wird. 16 Sobald sich aber einer dem Herrn zuwendet, wird die Hülle entfernt. 17 Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.

1.Korinther 11 (EU)

23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, 24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! 26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

5. DIE EIGENE BERUFUNG ANNEHMEN

1.Korinther 12 (EU)

4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. 5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. 6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.

7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, 9 dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, 10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten. 11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will. 12 Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus.

6. IN MEINER BERUFUNG DIENEN

2.Korinther 6 (EU)

2 Denn es heißt: Zur Zeit der Gnade erhöre ich dich, am Tag der Rettung helfe ich dir. Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung. 3 Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.

4 In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, 5 unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten, 6 durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, 7 durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes.

7. DIE GERECHTIGKEIT AUS DEM GLAUBEN ERFAHREN

Philipper 3 (EU)

7 Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. 8 Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen 9 und in ihm zu sein.

Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt.

8. MUT ZU MEINER SCHWÄCHE ZEIGEN

2.Korinther 12 (EU)

8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. 9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.

Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. 10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

9. MUT ZU MEINEM LEIDEN ENTWICKELN

Philipper 1 (EU)

27 …ich möchte hören, dass ihr in dem einen Geist feststeht, einmütig für den Glauben an das Evangelium kämpft 28 und euch in keinem Fall von euren Gegnern einschüchtern lasst. Das wird für sie ein Zeichen dafür sein, dass sie verloren sind und ihr gerettet werdet, ein Zeichen, das von Gott kommt.

29 Denn euch wurde die Gnade zuteil, für Christus da zu sein, also nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch seinetwegen zu leiden.

10. MUT ZU MEINER ERNEUERUNG BEWEISEN

2.Korinther 13 (EU)

8 Denn wir können unsere Kraft nicht gegen die Wahrheit einsetzen, nur für die Wahrheit. 9 So ist es uns eine Freude, wenn wir schwach dastehen, ihr aber euch als stark erweist.

Das ist es, was wir erflehen: eure vollständige Erneuerung.

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 4. April, 2008 in Christen, Christentum, Glaube, Inspiration, Römisch-Katholische Kirche, Theismus und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. @ „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Zucht gegeben „!
    …so irrt der Mensch allezeit in seinem Irrtum, weil er nicht sucht, und nicht glaubt, dass Gott uns seit der Auferstehung… das Pfingstfest, den Heiligen Geist bereit hält, um IHN den Menschen zu geben, die guten Willens sind… Christus in ihr Herz und Gewissen, d,h, in ihr Leben aufzunehmen… und wer so dem Herrn Jesus Christus gehört sein Leben lang, der ist ein Geist mit IHM und wird teilhaben am Erbe Christi… Alles Gute Dir und allen Deinen Lesern in dem Herrn, der Geist ist! Peter Sem.

  2. Danke für die guten Wünsche,
    auch für das Pauluszitat, in der Einheitsübersetzung heisst es sinngemäss:

    Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ 2.Tim 1,7

    bitte um Verständnis, dass dein ausführlicher Gruss ein wenig gekürzt wurde, wobei wir uns ganz einig sind in dem einen Punkt:
    Es könnten noch viel mehr Menschen auf die Suche gehen nach Jesus Christus in ihrem Leben, und dafür wollen wir uns einsetzen!
    Alles Gute und den Segen des einen gnadenreichen Gottes wünscht ich dir!

  3. Danke kroski für Deine aufrichtigen Zeilen,DENN,
    Wer in dem Geist des Herrn Jesus Christus lebt, und das über viele Jahre hinaus in der Stille und freiwilliger Einsamkeit,
    Streiten nicht über den Buchstaben der irdisch- weltlich und menschlicher Auslegung der Bibel, die noch dazu, von nichtberufene und nichtwiedergeborene Gottes und Christusmenschen übersertzt wurde.
    In dem Geist Gottes und Christi zu leben und zu wandeln auf der Erde, nach der erfahrenen Wiedergeburt durch den Samen Gottes, verpflichtet mit allen Menschen in Frieden zu leben, besonders mit den Gottes und Christenmenschen auf der Welt, gleich welcher Hautfarbe und gleich welcher Nationalität.
    Die, die in dem Geist Gottes leben und wandeln, sind mit allen wahren Wiedergeburts -christen auf der Welt einig, auch wenn sie, diese einzelne Apologeten, aus verschiedenen und von Gott abgefallenen Religionen, Kirchen, Tempeln, Sekten und Gemeinschaften kommen.
    Alles Gute Dir und allen die Dir zuhören Kroski!
    Des lebendigen Gottes seine Religion und seine Theologie/Gotteslehre, die mit Christus aus dem Schoss des Vaters und Himmel, auf die Erde und zu den Menschen kam mit dem Heiligen Geist, ist die einzige Religion und verkündigte Theologie des Geistes, doch nicht des Menschengeistes und, auch nicht des Weltgeistes, SONDERN,
    Des Heiligen Geistes, welcher ist der Geist der Wahrheit und der Gewissheit!
    In diesem Geist lasst uns leben und wandeln vor Gott, damit wird uns und alle Menschen selig machen, die zu diesem Geist Gottes finden, der ihre erlösten, gereinigten und geheiligten Leiber, zu einem Tempel des Heiligen Geistes zubereitet nach dem Willen Gottes und Jesu Christi.

  4. Autor Peter Semenczuk

    Wohl hat Apostel Paulus Christus gesehen und erfahren in seiner Unterweisung zu ihm,
    1. Einmal bei seiner Bekehrung vor Damaskus, Apg.Kap. 9,
    dann,
    2. Apostelgeschichte Kapitel 22, 18-21
    Suchet den Geist der Wahrheit spricht Christus, denn nur wer den Geist der Wahrheit hat und ihm folgt, in dessen Mund ist das Wort Gottes>Wahrheit<
    spricht der Herr! Peter Semenczuk

  1. Pingback: serie kleine werkstätte: Sind Christen frei? « .kroski

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