Den neuen Atheismus nicht verharmlosen…

…das ist doch eine gar köstliche headline. Hat der Kulturwissenschaftler und Publizist Alexander Kissler sie in irgendeiner Weise verdient?

Vielleicht ist die ganze Sache auch etwas verzerrt wiedergegeben worden, jedenfalls lauten die hehren Worte des selbsternannten Weltapostels laut idea.de:

„Diese Bewegung, zu deren berühmtesten Vertretern der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins („Der Gotteswahn“) gehört, sei keine philosophische Richtung, sondern eine politische Bewegung, die eine globale Ethik anstrebe, sagte Kissler am 1. Juli in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in München. Zu den gemeinsamen ethischen Positionen der neuen Atheisten gehöre das Eintreten für aktive Sterbehilfe, die Möglichkeit der Abtreibung bis zur Geburt sowie Klon- und Genexperimente mit menschlichen Zellen. Ethik orientiere sich nur noch an den tatsächlichen oder mutmaßlichen „Interessen“, die ein Mensch habe, weshalb die Tötung von schwerstbehinderten Kindern oder Wachkomapatienten, die sich nicht äußern können, ethisch als weniger bedenklich betrachtet werde.“

Das ist übel, wirklich übel – aber der Reihe nach. In meinem Artikel ‚Atheismus und der gottlose Humanismus‚ habe ich 12 aus dem Humanistischen  Manifest III hevorgehende Thesen genannt, die mich doch ein wenig beunruhigen. Möglicherweise habe ich es zu überzeugend getan, wie sonst könnte dieser Artikel eine plakative Zitierung von Evil under the Sun erfahren, gar als Beispiel für Diffamierung von „Atheisten als Pack fanatischer Eiferer“. Die Autorin macht es sich sehr einfach, den betreffenden Artikel in eine Reihe mit geschmacklos-tendenziösen Äusserungen à la Kissler einzuordnen. Mittlerweile kann ich eine ganze Reihe atheistisch bloggender Zeitgenossen aufzählen, die kroski gerne zitieren, verlinken oder erwähnen, aber in der Sache (beispielsweise Humanismus) einfach nichts zu sagen haben.

Meister Kissler gehört – meinem gefestigten Eindruck nach – zu jenen populistischen Pseudowissenschaftlern, die aus dem Biologieroman „Der Gotteswahn“ billiges Kapital schlagen wollen.

„…Abtreibung bis zur Geburt…“

A b s u r d .

„…weshalb die Tötung von schwerstbehinderten Kindern oder Wachkomapatienten, die sich nicht äußern können, ethisch als weniger bedenklich betrachtet werde…“

K r a n k .

Diese Art der „christlich auftretenden Propaganda“ lehne ich schärfstens ab.

Aber die Geschichte hat ja ganz viele Facetten, von denen ich nur eine ganz kleine herausgreifen möchte.  In Wikipedia (eine Art „vernunftorientierte Bibel des 21. Jahrhunderts“) wird Herr Kissler mit seinem Buch „Der aufgeklärte Gott“ unter „Neo-Modernismus“ referenziert.

In der Diskussion dieses Artikels heisst es nun in der korrigierten Version der (von „aufgeklärten“ Wikipedianern) beanstandeten Passage:

„Die Kirche wird noch sorgfältiger erklären müssen, welche Art von Autorität sie weiterhin in Anspruch nehmen will und inwieweit sie vor diesem Hintergrund die offene Gesellschaft der Moderne akzeptieren will.“

Die einzige heute wahrgenommene und legitime „Autorität“ der Kirche ist diejenige, im Dienste der Wahrheit Gottes bzw. Mohammeds bzw. Jesu Christi zu stehen. Damit richtet sich „Kirche“ vorrangig an gläubige Menschen im Sinne der „Gemeinschaft der Gläubigen“, und danach an alle Menschen, und zwar mit folgenden Prioritäten laut NT:

Da heisst es zunächst, die Frohe Botschaft überallhin zu tragen; es heisst aber auch es vor allem dort zu tun, wo wenigstens die Chance gegeben ist, Gehör zu finden, und andererseits die Orte zu verlassen, wo definitiv nur taube Ohren anzutreffen sind. Die „offene Gesellschaft der Moderne“ ist also nur insofern betroffen, als sie offene Ohren besitzt…

Ist das für Biologen und Atheisten so schwer auszuhalten?

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 19. Juli, 2008 in Atheismus, Christen, Christentum, Ethik, Gesellschaft, Glaube, Religion und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 14 Kommentare.

  1. Es ist für sie schwer auszuhalten. Die Kirche -durch ihre Existenz – ist ein Störfaktor in einer Weltsicht, die rein immanent ansetzt. Dadurch, dass Kirchen in Städten stehen bleibt immer die Mahnung präsent, von der der jetztige Papst einmal gesagt hat, dass sie auch der Atheist nicht los wird: „Es könnte aber d o c h wahr sein.“ Einem angeblich so vernunftmäßigen und durchdachten System erscheint diese grundsätzliche Infragestellung unerträglich. Schon im Jubel der aufkommt, wenn der Papst beim Weltjugendtag erscheint, sieht der Atheist sich im Innersten angegriffen. Und vielleicht muss er das auch.

  2. Die „frohe Botschaft“ ist eine Drohbotschaft und so was will i.d.R. nur der hören, der schon von klein auf dazu konditioniert wurde.

    @Nikodemus
    Was B16 macht ist „dem Atheisten“ herzlich egal. Nur nicht, mit wessen Geld er das macht. In .de (und vermutlich auch in .at) zahlen nämlich die Atheisten kräftig mit, an allem was da an religiösen Veranstaltungen herumwuselt. Anstatt hier dann ein bisschen Dankbarkeit und Demut zu zeigen, darf sich „der Atheist“ dann noch von dahergelaufenen Prälaten beschimpfen lassen, er würde den Untergang des Abendlandes einläuten und die Gottlosigkeit wäre das größte Übel überhaupt.
    Btw, was sollte denn genau „doch wahr“ sein? Welche der unzähligen Unglaublichkeiten des christlichen Glaubens sollte man denn als wahr vermuten und v.a. auf Grund welcher Belege?

  3. @Po8
    Drohbotschaft? Merkwürdig.
    Gut, historisch gesehen gabs doch dunkle Zeiten, unser kürzlich erfolgter Familienausflug auf die Riegersburg in der „steirischen Toskana“ hat mit einer kundigen Ausstellung über Hexenprozesse ein solch schlimmes Kapitel beleuchtet, aber dein Einwand war ja nicht historisch sondern spielt im 21.Jhdt., wo wir es eindeutig mit einer FROHbotschaft zu tun haben.

    Belege?
    Da muss ich in erster Linie an meinen Steuerberater denken. Der braucht das, und dann kriegt er das auch.

    Du brauchst keine Belege, dass meine Glaube „naturalistisch abgesichert“ ist. Wenn schon, dann bräuchte doch der Gläubige Gewissheit – und auf diese verzichten gläubige Menschen ganz einfach. Wir sind überzeugt, nur eben nicht auf „naturwissenschaftliche Art“.

    Sondern auf natürliche, menschliche und göttliche Weise.

    Dass ihr damit nicht klarkommt…

  4. @kroski
    Die Drohbotschaft lautet:
    Endliche Vergehen im Diesseits werden mit unendlichen Strafen im Jenseits vergolten (was daran gerecht sein soll konnte mir noch keiner erklären und dafür muss man auch gar nicht bis ins Mittelalter zurückgehen, das steht schon im NT).

    Ebenso unverständlich ist für mich, wie man eine 24/7/365 Überwachung durch einen willkürlichen Despoten begrüßen kann, während man andererseits aufatmete als die weit weniger effizienten irdischen Überwachungsvereine (z.B. Stasi) aufgelöst wurden.

  5. Hartmut Slomski

    Den Kirchen geht es doch in erster Linie um Macht und Geld! Der Glaube ist denen doch nur Mittel zum Zweck! Und wenn der Glaube fehlt, so ist denen das doch auch egal, solange die Geldstöme fließen. Bestes Beispiel hierfür ist doch die Kirchensteuer. Die Mehrheit der Arbeitnehmer im Westen ist Mitglied einer Kirche, hat eine diesbezügliche Eintragung auf der Lohnsteuerkarte und zahlt demzurfolge Kirchensteuer. Im Osten hingegen sind diese Leute in der Minderheit, die meisten sind als DDR-Bürger aufgewachsen und waren niemals Mitglied einer Kirche.
    Doch was machen die Kirchen?
    Im Westen sind zwar viele Leute in Wahrheit überzeugte Atheisten, trauen sich jedoch nicht, aus der Kirche auszutreten, weil sie dadurch berufliche Nachteile befürchten, da ja jeder Arbeitgeber anhand der Lohnsteuerkarte ersehen kann, wer Kirchenmitglied ist! Und diese Befürchtungen sind natürlich gerechtfertigt, vor allem für diejenigen, die einen Arbeitsplatz bei der Kirche oder einer kirchlichen Institution (z.B. Caritas oder Diakonie) gefunden haben. Ein Kirchenaustritt bedeutet dann zwangsläufig den verlust des Arbeitsplatzes. Aber das gilt auch für andere Einrichtungen, in welche die Kirchen ihre Hand im Spiel haben, z.B. in Kindergärten. Und wer möchte in der heutigen Zeit schon seinen Arbeitsplatz verlieren?
    Arbeitslose zahlen zwar keine Kirchensteuern, doch viele wollen sich natürlich nicht durch einen Kirchenaustritt von vornherein die Möglichkeit verbauen, bei der Jobsuche eventuell einen Arbeitsplatz bei der Kirche oder einer kirchlichen Einrichtung zu finden. Und da für den Kirchenaustritt sogar noch Gebühren erhoben werden, hält dies natürlich besonders HartzIV-Opfer davon ab, aus der Kirche auszutreten.
    Doch was ist mit den Leuten im Osten? Oder die es vom Osten in den Westen verschlägt? Die niemals Mitglied einer Kirche waren, demzurfolge auch keine diesbezügliche Eintragung auf der Lohnsteuerkarte haben?
    Was ist, wenn sich diese Leute bei der Jobsuche um einen Arbeitsplatz bewerben, wo die Kirche oder eine kirchliche Einrichtung der Arbeitgeber ist? (Und das ist doch, vor allem im Westen, in manchen Bereichen, z.B. im medizinischen oder pädagogischen Bereich fast durchgehend der Fall!).
    Dann wird die Einstellung von einem vorherigen Kircheneintritt abhängig gemacht!
    Doch wird deshalb zwangsläufig gläubig, weil man sich, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, gezwungen sieht in die Kirche einzutreten? Doch wohl kaum! Also geht es doch hierbei eindeutig nicht um den Glauben, sondern ausschließlich ums Geld.
    Und was ist mit den vielen HartzIV-Opfern, die als billige Arbeitssklaven in Form von Ein-Euro-Jobbern bei Kirchen und kirchlichen Institutionen zwangsweise eingesetzt werden? Von denen ist doch noch keiner wegen fehlender Kirchenmitgliedschaft zurückgewiesen worden!
    Und gerade da doch ständig von angeblich erforderlichen Sparmaßnahmen die Rede ist: es ließen sich doch bereits allein 2,5 Milliarden Euro jählich durch die Abschaffung des Religionsunterrichts an den Schulen einsparen! Sogar weitere 14 Milliarden Euro jährlich durch Streichung sämtlicher Subventionen der Kirchen durch den Staat. Weitere 620 Millionen Euro jährlich durch Wegfall des Unterhalts theologischer Fakultäten mit diversen Lehrstühlen. Und es ist doch durch nichts einzusehen, weshalb Erzbischöfe und Kardinäle bis zu 11.000 Euro (also 22.000 DM alter Währung) monatlich vom Staat (!), also nicht etwa von deren Kirche, erhalten, während gleichzeitig viele Millionen Arbeitslose an HartzIV verrecken!
    Doch diese Rechnung wird nicht nur von den sich mit dem Attribut „christlich“ selbst beweihräuchernden Parteien (also CDU, CSU, CM, PBC, etc.!) mit einem Tabu belegt!

  6. @Hartmut
    „Alles so schön bunt hier“ sang Nina Hagen vor geraumer Zeit (als sie in den Westen umzog, als „Gesamterlebnis“ habe ich sie immer geschätzt, aber eine politische Diskussion mit ihr wäre mir nicht in den Sinn gekommen… Wie sieht es nun mit deiner bunten Palette aus –

    1. „Der Kirche geht es nur um Macht und Geld.“
    Der Hut ist schon so alt … und gewinnt höchstens Altersschwere und Fäulnizulage.
    Seelsorge rund um die Uhr, kirchlich organisierte Altenpflege, Kirche als Oase auch für „cultural christians“, Kirche als Schutzraum in Notzeiten… und jetzt willst du an die Vatikanbank ran: Wenn es dir ein Anliegen ist, dann ran an die Fleischlaberl (Puletten)!

    2. „Kirchenaustritt bedeutet dann zwangsläufig den verlust des Arbeitsplatzes… Was ist, wenn sich diese Leute bei der Jobsuche um einen Arbeitsplatz bewerben, wo die Kirche oder eine kirchliche Einrichtung der Arbeitgeber ist? “
    Als da will doch einer bei der Gwerkschaft arbeiten, weigert sich aber beizutreten und zu zahlen… das ist doch empörend!

    3. „Und da für den Kirchenaustritt sogar noch Gebühren erhoben werden, hält dies natürlich besonders HartzIV-Opfer davon ab, aus der Kirche auszutreten.“
    Der Deutsche Staat hat den Kirchen 1.1.1876 die Personenstandsverwaltung abgenommen – und seitdem zahlt man jeden Furz am Standesamt, Meldeamt usw.: Verwaltung kostet, dieses System ist der modernen säkularen und kirchlichen Gesellschaft eigen. Und jetzt sehen wir unds die Sache konkret an meinem eigenen Beispiel an:
    Ich hatte vor Jahren einmal einen wirtschaftlichen Crash. Deswegen wollte ich aber nicht aus der Kirche austreten, nicht wegen der Jobangst, sondern weil es mir wichtig war. Also habe ich mit meiner Ösi-Kirchenbeitragsstelle geredet. Abgesehen davon, dass ich längere Zeit nichts eingezahlt hatte, hat man mir auch noch ein sehr faires Angebot gemacht, die Altlasten zu streichen, und einen sehr sehr moderaten monatlichen Beitrag von Euro 11,38 einzuheben, bis die Zeiten wieder besser waren. Das nenne ich fair und gut.

    4. „Religionsunterricht einsparen.“ Grossartige Idee! Dann wandert die religiöse Tradierung in den Untergrund, jedenfalls in die nicht mehr einzusehende private Sphäre: Und davor sollten sich Halbmast- und Ganzatheisten am meisten fürchten!
    Ich persönlich müsste nicht einmal ein Problem damit haben, denn auf den halbseidenen „Religionsunterricht“ an seiner öffentlichen Schule könnte mein 12-jähriger Sohn locker verzichten… Zurück zum Ernst der Sache, meine kleine subjektive Welt ist natürlich kein Massstab für gesellschaftspolitische Veränderungen.

    Ich freue mich auf baldige headlines: Hartmut S. sprengt VatikanbankParteivorsitzender Hartmut S. will Kirchensteuer abschaffenBundeskanzler Hartmut S. streicht Religionsunterricht.
    O du schöne neue Welt!

  7. @Po8

    „Die Drohbotschaft lautet: Endliche Vergehen im Diesseits werden mit unendlichen Strafen im Jenseits vergolten (was daran gerecht sein soll konnte mir noch keiner erklären und dafür muss man auch gar nicht bis ins Mittelalter zurückgehen, das steht schon im NT).“

    Eine Antwort auf diese (entschuldige!) Drei-Groschen-These findest Du in meiner aktuellen Antwort zu Deinen Kommentaren hier.

    „Ebenso unverständlich ist für mich, wie man eine 24/7/365 Überwachung durch einen willkürlichen Despoten begrüßen kann, während man andererseits aufatmete als die weit weniger effizienten irdischen Überwachungsvereine (z.B. Stasi) aufgelöst wurden.“

    Wie ich jetzt zur Ehre eines Kommentars zur Stasi komme, weiss ich zwar nicht…

    Ein Schöpfer, wie man ihn vielleicht ein ganz klein wenig erahnen kann, nachdem Lebens- und Bibelerfahrung gesammelt hat, ist mit tiefer Überzeugung als SchöpferGEIST denkbar, der das Universum oder auch Multiversum erfüllt. So ist 24/7/365 die Normalität, allerdings nicht als Überwachung – sondern einfach als Gegenwart, als unvergängliches Angebot, für alle, für dich und für mich.

    Zudem könnte ein Schöpfer, der nicht omnipräsent ist, wohl kaum gerecht sein…

    Der Schöpfer ist Gegenwart und Angebot. Wir leben in absoluter Freiheit, uns zu äussern wie wir wollen. Da fällt auch der „grosse“ Evolutionsbiologe Dawkins hinein, der, wie er bekannte, folgenden Absatz aus reiner Freude an der Materie geschrieben hat:

    “Gott… ist eifersüchtig, und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger, ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder- und Völker mordender, ekliger, grössenwahnsinniger, sadomsochistischer, launisch-boshafter Tyrann.” (Der Gotteswahn, S.45)

    Mir fällt eigentlich niemand ein, der mit einem derart bewundernswerten ;-) Niveau seiner eigenen Sache so nachhaltig Schaden zugefügt hat, wenn wir allein an die Philosophen und Naturwissenschaftler denken, die sich davon distanziert haben.

    Weder ich noch sonst ein Mensch ist Richter des Herrn Dawkins. Wir leben in der Freiheit, zu denken und zu äussern und zu tun was wir wollen. Am Ende steht die (nach menschlichem Ermessen: unverdiente, von Gott gesehen: verdiente) Gnade. Wer weiss, ob Richard Dawkins nicht gerade diese Gnade erfahren wird?

  8. Hartmut Slomski

    Der Vergleich zwischen einem Job bei der Kirche und einem bei der Gewerkschaft ist zwar im Prinzip richtig, doch er hinkt etwas. Denn die Gewerkschaften machen zur Einstellungsvoraussetzung, daß man schon vor der Bewerbung Mitglied ist. Man kann also nicht einfach hingehen und sagen: „Stellt mich ein, dann trete ich auch gerne bei Euch ein! Doch wenn Ihr mich nicht einstellt, dann lasse ich es bleiben“!
    Und bei den Parteien ist es ebenso!
    Man erwartet also, daß die Bewerber sich mit deren Vorstellungen und Zielen identifizieren, nicht nur wegen dem Job beitreten.
    Das Problem ist natürlich, daß es im Westen Deutschlands in vielen Bereichen zuwenig Einrichtungen gibt, bei denen die Kirchen nicht ihre Hände im Spiel haben, z.B. bei Kindergärten und Altersheimen.
    Und im Osten, bei ehemaligen DDR-Bürgern, ist es doch mehrheitlich der Fall, daß die Mehrheit nie Mitglied einer Kirche waren , da bereits ihre Eltern oder Großeltern aus der Kirche ausgetreten waren. Und demzurfolge ist doch auch davon auszugehen, daß sie, auch nachdem sie nur wegen des Jobs eingetreten sind, sich weiterhin nicht mit dieser Kirche identifizieren. Anderenfalls wären sie dochj wohl schon vorher längst eingetreten.
    Und Mitglied wird man im Westen Deutschlands doch normalerweise, weil die eigenen Eltern ihr Neugeborenes zur Taufe schleppen; man bleibt danach solange Mitglied, bis man eventuell irgendwann austritt. Doch ein Neugeborener, der noch in den Windeln liegt, dürfte ja wohl kaum verstehen, worum es bei der Taufe geht, was man da mit ihm anstellt. In der Schule wird er dann zwar einer Gehirnwäsche in Form des Religionsunterrichts unterzogen, doch die wirkt ja nicht bei jedem. Doch tritt jemand deshalb dann gleich aus, sobald er aufgrund seines Alters diese Entscheidung selbst fällen darf?
    Erstmal wird doch in diesem Fall von seinem Umfeld Druck ausgeübt, es nicht zu tun. Es kommen solche Einwände wie: „Was ist, wenn Du mal heiratest? Vielleicht möchte Deine zukünftige Frau ja gerne kirchlich heiraten, das gehört doch dazu, sonst ist das doch keine richtige Hochzeit! Und denk doch mal darüber nach, was dann die Leute sagen! Hier auf dem Dorf spricht sich das doch rum, die Leute reden dann über Dich. Und was ist, wenn Du später einen Job suchst? Dann stellt Dich vielleicht niemand ein, weil Du nicht in der Kirche bist!“. Und so wird das dann im Laufe der Jahre immer mehr hinausgeschoben!
    Es ist ja ohnehin ein Unding, daß man bereits als Säugling Kirchenmitglied wird, nur weil die Eltern es wollen. Obwohl die selbst nur deshalb noch nicht aus der Kirche ausgetreten sind, weil sie dadurch berufliche Nachteile und soziale Ausgrenzung befürchten.
    Mitglied einer Partei oder einer Gewerkschaft kann man doch auch nicht werden, weil der frischgebackene Vater, welcher dort Mitglied ist, hingeht, voller Stolz seinen Stammhalter präsentiert und sagt: „Nun nehmt ihn mal gleich auf! Dann haben wir gleich ein weiteres Mitglied. Seine Beiträge zahle ich erstmal. Wenn er dann groß ist und sein eigenes Geld verdient, kann er dann selbst weiterzahlen.“.
    So funktioniert das weder bei Parteien, noch bei Gewerkschaften; jedoch bei den Kirchen!
    Den Weg zu einer Partei oder einer Gewerkschaft muß jeder selbst finden! Und dafür gibt es an den Schulen auch keinen Partei- bzw. Gewerkschaftsunterricht!
    Was wäre, wenn dies bei den Kirchen genauso wäre? Wenn man erst ab einem gewissen Alter, z.B. der Volljährigkeit, in die Kirche eintreten könnte? Die wenigsten würden es doch wohl dann tun. Und diese wenigen würden doch auch dann umgekehrt den Kircheneintritt erstmal immer weiter hinausschieben. Und würden auch erstmal hin- und herüberlegen, in welche Kirche sie denn eintreten wollen.
    Das zeigt sich doch bei den ehemaligen DDR-Bürgern, die ohne Kirche und Religionsunterricht aufgewachsen sind! Hat es denn etwa nach der Wiedervereinigung im Osten Masseneintritte in die Kirchen gegeben?
    Und der Religionsunterricht an den Schulen ist doch sowieso eine Diskriminierung, denn wenn dort Schüler aus christlichem Elterhaus christlichen Religionsunterricht erhalten, dann müßten doch nicht nur Juden und Moslems ebenfalls Unterricht in ihrer Konfession erhalten, sondern auch Scientologen, Wicca-Anhänger, Neopaganisten (z.B. Anhänger von Asatru oder anderer neuheidnischer Bewegungen. Und Atheisten müßten doch dann atheistischen Unterricht erhalten, z.B. gemäß Dawkins. Und Kinder praktizierender Satanisten müßten doch dann an öfentlichen Schulen demzurfolge auch satanistischen Unterricht erthalten, z.B. gemäß der Lehren der Church of Satan! Oder wo bleibt da die Gleichberechtigung?

  9. „Der Vergleich zwischen einem Job bei der Kirche und einem bei der Gewerkschaft ist zwar im Prinzip richtig, doch er hinkt etwas. Denn die Gewerkschaften machen zur Einstellungsvoraussetzung, daß man schon vor der Bewerbung Mitglied ist. Man kann also nicht einfach hingehen und sagen: “Stellt mich ein, dann trete ich auch gerne bei Euch ein! Doch wenn Ihr mich nicht einstellt, dann lasse ich es bleiben”!“

    Meine persönlich erfahrene Kirche ist nicht so armselig, dass sie Leute aufnimmt, die nicht vor dem Beitritt ihr Glaubensbekenntnis ablegen.

    Und die, die getauft werden, können jederzeit wieder austreten.

    Die christlichen Kirchen sind keine Zwangsbeglücker.

    Die atheistischen Freunde dagegen, denken wir nur an Richard Dawkins, wollen uns mir verbaler Gewalt von ihren Halbthesen überzeugen. Dabei zählen sie sich zur Zunft der Wissenschaftler, wobei Forschung heisst bereit zu sein für die Überraschungen eines völlig offenen Systems.

    Und im übrigen sollten Wissenschaftler im Grunde genommen die demütigsten Menschen dieses Planeten sein, denn sie haben in den letzten 2000 Jahren auf dramatische Weise immer wieder erfahren, wie oft wissenschaftliche Kehrtwendungen zu vollziehen sind.

  10. Hartmut Slomski

    Doch die Atheisten betätigen sich nicht als Arbeitgeber, z.B. indem sie Kindergärten , Krankenhäuser oder Altersheime betreiben, und machen eine Einstellung der Bewerber von einem Kirchenaustritt abhängig!
    Die die Atheisten fordern auch für atheistische Schüler keinen atheistischen Unterricht anstelle des Religionsunterrichts, um dort z.B. im Sinne von Richard Dawkins zu lehren!
    Und die Atheisten betreiben auch keine Kindergärten, um den Kindern schon vor der Einschulung mit den Ausführungen von Richard Dawkins zu konfrontieren!
    Die Atheisten betreiben keine diesbezügliche Beeinflussung, sie missionieren auch nicht, sondern sie überlassen es jedem selbst sich völlig unbeeinflußt eine eigene Meinung zu bilden!

  11. „Doch die Atheisten betätigen sich nicht als Arbeitgeber, z.B. indem sie Kindergärten , Krankenhäuser oder Altersheime betreiben, und machen eine Einstellung der Bewerber von einem Kirchenaustritt abhängig!“

    Das kommt ganz sicher genau so.

    Im übrigen empfinde ich Organisationen durchaus als glaubwürdig (christliche und atheistische), wenn sie ihren Mitarbeitern etwas abverlangen. Wir wollen doch keine Halbheiten, oder?

    „Die die Atheisten fordern auch für atheistische Schüler keinen atheistischen Unterricht anstelle des Religionsunterrichts, um dort z.B. im Sinne von Richard Dawkins zu lehren!“

    Das ist schlicht falsch. Dawkins ist Mitunterzeichner des „Manifest für Humanismus III“, und diese „Humanisten“ möchten genau dieses.

    „Die Atheisten betreiben keine diesbezügliche Beeinflussung, sie missionieren auch nicht, sondern sie überlassen es jedem selbst sich völlig unbeeinflußt eine eigene Meinung zu bilden!“

    Das ist, mit Verlaub, total naiv. Wie kann ein Mensch das auch nur im entferntesten annehmen, wenn er genau weiss, mit welcher Aggression die neuen „Humanisten“ gegen Religionen vorgehen. Dabei ist das beste, was die Wissenschaft anzubieten hat, dass die Existenz Gottes aus Sicht der Evolutionstheorie unwahrscheinlich ist. Und das soll ein hinreichender Grund sein, heute im 21. Jahrhundert die theoretische Grundlage für künftige Progrome gegen christliche Kindererzieher zu schaffen?

  12. Wieso künftige Progrome gegen christliche Kindererzieher? Es sind doch gerade Christen, denen doch so sehr daran gelegen ist, Kindern auch außerhalb des Elternhauses, nicht nur in Schulen, sondern bereits in Kindergärten, durch eine christliche Erziehung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Und die jedliche dazu im Widerspruch stehende Erziehung verhindern möchten, nicht nur eine atheistische! Und es sind doch die Kirchen, die nach einem diesbezüglichen Einfluß streben!
    Angenommen, die „neuen Atheisten“ würden einen atheistischen Kindergarten eröffnen, dabei nicht nur von ihren Mitarbeitern den Kirchenaustritt zur Einstellungsvorraussetzung machen, sondern die Kinder im Sinne Dawkins beeinflussen: welcher Widerstand würde dem wohl nicht nur seitens der Kirchen, sondern auch seitens der Medien und der Politik entgegengebracht werden?
    Doch es müssen ja nicht unbedingt Atheisten sein! Was wäre, wenn z.B. Anhänger von Asatru einen neopaganistischen Kindergarten errichten und den Kindern statt vom lieben Gott von Wotan oder Odin erzählen und junge Neuheiden heranzüchten würden?
    Oder noch schlimmer: was wäre, wenn praktizierende Satanisten einen satanistischen Kindergarten errichten würden? Wenn sie nicht nur den Kirchenaustritt, sondern auch noch den Eintritt in die Church of Satan zur Einstellungsvoraussetzung für ihre Mitarbeiter machen würden? Und wenn sie dann all die ihnen anvertrauten Kinder bereits vor der Einschulung zu kleinen Satanisten erziehen würden? Dann wäre ja wohl daraufhin in Medien und Politik „der Teufel los“!

  13. @Hartmut

    „Angenommen, die “neuen Atheisten” würden einen atheistischen Kindergarten eröffnen, dabei nicht nur von ihren Mitarbeitern den Kirchenaustritt zur Einstellungsvorraussetzung machen, sondern die Kinder im Sinne Dawkins beeinflussen: welcher Widerstand würde dem wohl nicht nur seitens der Kirchen, sondern auch seitens der Medien und der Politik entgegengebracht werden?“

    Kannst du mir beispielsweise christliche Aggressionsakte gegen Rudolf Steiner -Kindergärten und -Schulen nennen? Gegen diese anthropologischen Irrlehren gab es intellektuelle Einwände, aber es war nicht die Rede von einem Kulturkampf.

    Unter anderem von M. Schmidt-Salomon („Evolutionärer Humanismus“ ) gibt es eine klare Kampfansage: Der Humanismus habe eine zunehmend wichtigere und schärfere Rolle im Kulturkampf Abend- gegen Morgenland, der also in Wahrheit ein Dreierkampf ist, zu spielen.

    Da wird es nicht mehr so lange dauern, bis die ersten Funken fliegen. Denn nur mit ihren schmalen Bändchen und Manifesten werden selbsternannte Humanisten nicht besonders weit kommen.

    Macht mal flächendeckend humanistische Kindergärten, finanziert humanistische Kult- und Kulturstätten, Schulen, Krankenhäuser und Selbsttötungsgesellschaften, dann sehen wir weiter:

    Eine christliche Alkaida wird nicht aufgestellt werden, wohl aber wird ein verschärfter Kulturkampf, der realistischerweise ein ordentliches Aggressionspotential in sich trägt, geführt werden, der beiden Seiten (humanistisch und christlich) nicht gut anstehen wird.

    Aber statt Dialog gibts von humanistischer Seite in erster Linie Häme und naturalistisch begründete Diskursverweigerung.

  14. Hartmut Slomski

    Auch wenn es damals keine christlichen Aggressionsakte gegen Rudolf Steiner gab, so sollte man doch heutzutage die Aufstellung einer „christlichen Alkaida“ nicht unbedingt ausschließen. Denn zu Steiners Zeit gab es ja auch noch keine islamische Alkaida, die Anschläge in Europa und Amerika ausführte. Doch innerhalb weniger Jahre hat sich doch ein weltweites islamisches Aggressionspotential gebildet.Obwohl längst nicht jeder Moslem ein gewaltbereiter fanatischer Fundamentalist ist! Trotzdem finden seitdem Alkaida, Taliban und andere diesbezügliche Organisationen einen immer stäörkeren Zulauf! Inzwischen sogar von zum Islam konvertierten ehemaligen Nicht-Moslems!
    Wer sagt denn, daß sich etwas Vergleichbares nicht auch bei einigen Christen bildet? Vor allem in den USA gibt es doch schon seit langem christlich-fundamentalistische Sektierer, die durchaus bereit sind sich für die Durchsetzung ihrer Vorstellungen über das Recht ihrer Mitmenschen auf Leben und Freiheit hinwegzusetzen. Und inzwischen gibt es doch auch in anderen Ländern ausgeprägte christlich-fundamentalistische Bewegungen. Sogar in Rußland, wo man dies doch nach einer jahrzehntelangen kommunistisch-atheistisch geprägten Vergangenheit nicht erwarten sollte.
    Und auch Deutschland bleibt vom neuen christlichen Fundamentalismus nicht verschont. Auch hier wimmelt es inzwischen von christlichen Fanatikern, die z.B. die Evolutionslehre aus den Schulen verbannen, an den Schulen gemeinsame Gebete zu Unterrichtsbeginn einführen, alle öffentlichen Gebäude mit Kruzifixen vollhängen, eine strafrechtliche Verfolgung von „Gotteslästerern“ und „Ketzern“ sowie vieles mehr wollen! Wer sagt denn, daß dies nicht erst der Anfang, die Spitze des Eisbergs, ist?
    Schließlich war doch das Christentum jahrhundertelang alles andere als eine friedfertige, tolerante und gewaltfreie Religion. Was ja wohl durch Kreuzzüge, Zwangstaufen, Inquisition, Hexenverbrennungen auf Scheiterhaufen, Religionskriege und vieles mehr eindeutig belegt wird!
    Und es wird doch schon wieder von christlicher Seite eine ausgeprägte Polemik gegen Andersdenkende betrieben. Vor allem gegen Atheisten, Neopaganisten, Esoteriker , Scientologen und Satanisten! Aber auch eine ausgeprägte Polemik gegen Dinge, die einigen Christen ein Dorn im Auge sind, z.B. bestimmte Musikrichtungen, vor allem Heavy Metal, besonders Black Metal und Pagan Metal , aber auch Gothic Metal, Symphonic Metal, Epic Metal, Dark Metal, Dark Wave, und vieles mehr!
    Und es gibt auch in Deutschland inzwischen schon evangelikal-fundamentalistische Fanatiker, die ihre Kinder mit religiösen Begründungen vom Schulunterricht fernhalten.
    Es hat sich doch nicht nur im Islam, sondern inzwischen auch im Christentum ein religiöser Fundamentalismus und Fanatismus ausgebreitet, dessen Gewaltbereitschaft man nicht unterschätzen sollte!
    Doch bei Atheisten sind solche Entwicklungen bisher noch nicht festzustellen. Ebensowenig bei den verschiedenen neopaganistischen und esoterischen Vereinigungen. Und selbst die praktizierenden Satanisten verhalten sich doch in der Regel ihren andersdenkenden Mitmenschen gegenüber friedfertig.

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