Ich bin ein Schöpfer (Hiroshi Ishiguro)

Berührt ihn jemand vorsichtig, wendet er sich um und lächelt. Schlägt jedoch jemand zu, schreit Robovie auf und untersucht die Stelle, an der er vom Schlag getroffen wurde. Sein Platin-Silikon-Überzug taugt sogar dazu, Mimik wirklichkeitsnah nachzustellen.

Aussehen und Wirkung

So wirklichkeitsnah lässt sich Hiroshi Ishiguros neuester Roboter beschreiben. Dem Professor geht es hier nicht um künstliche Intelligenz, sondern darum, wie Menschen Roboter wahrnehmen und mit ihnen umgehen, wenn die Maschinen aussehen wie die Menschen selbst.

Mittlerweile können Roboter auch sehen, riechen und hören. Kameras, wie sie die University of Tokio vorgestellt hat, nehmen mehr als 1000 Bilder pro Sekunde auf. Das sind 30-mal mehr als das nicht wahrnehmbare Flackern bei Computerspielen oder Spielfilmen. Die Software erkennt die gesamte Situation, wie es auch Menschen können. Das erleichtert es den Maschinen, sich zu orientieren.

Auch bei den künstlichen Ohren geht es weniger um die Aufnahmetechnik als vielmehr um die Software, die äußere Reize verarbeitet und klassifiziert. In dem Roboter SIG2 zum Beispiel kann das Programm Umgebungslärm herausfiltern und sich auf einen von drei Gesprächspartnern konzentrieren. Eine ähnlich scharfe Auswahl können auch elektrische Nasen treffen.

Damit Roboter auch menschlich aussehen, haben Wissenschaftler ihnen sogar eine Haut verpasst, zum Beispiel David Hanson, Forscher an der University of Texas. Sein Platin-Silikon-Überzug taugt sogar dazu, Mimik wirklichkeitsnah nachzustellen. Die Oberfläche des Robovie IIS ist elektrisch aufgeladen. Er registriert Berührungen und reagiert wie eingangs geschildert.

Bald wird es auch Maschinen geben, die lernen wie der Roboter der Yale University. „Nico“ hat das geistige Niveau eines neun Monate alten Kindes. Das ist im Robotervergleich wenig. Doch die Maschine speichert alle Begegnungen mit Menschen und kann daraus lernen. In einigen Jahren dürfte er zur Einschulung bereit sein.

Menschen interagieren mit Robotern

Dazu Ishiguro: „Nehmen Sie mich. Wegen meines grimmigen Gesichtsausdrück fürchten sich viele Studenten vor mir, Sie denken, ich sei wütend. Aber ich bin nicht wütend. Es ist wirklich schwer, mich wütend zu machen. Das stärkt mich in der Annahme, dass Gefühle im Auge des Betrachters entstehen.

Das Geheimnis für mich ist jedoch, warum die Menschen an die Existenz von Gefühlen und Intelligenz glauben können, obwohl es keinen Beweis dafür gibt: Wir sind uns noch nicht sicher über den Mechanismus von Gefühlen, wir glauben nur. Das ist ein Grund dafür, warum ich meinen Doppelgänger-Roboter entwickelt habe. Ich will dieses grundsätzliche Phänomen untersuchen.

Mein Hypothese ist, dass ab einer bestimmten Grenze des Roboterverhaltens jeder Mensch Gefühle, Bewusstsein und Intelligenz bei der Maschine empfinden kann. Wo die Grenze ist, weiss ich nicht. Nur mit der Hirnforschung oder der kognitiven Wissenschaften können wir dieses Problem nicht lösen. Aber wir versuchen, an diesen Punkt zu gelangen, in dem wir ganz einfach die Roboter weiterentwickeln und verbessern.“

Einsatzgebiete und Partnerroboter

In Japan gibt es bereits Partnerroboter. Ishiguro führt Feldversuche mit Robovie und Wakamura in Einkaufszentren durch. Wichtig ist, viele Möglichkeiten auszutesten. Dann wird man vielleicht irgendjemand die Killeranwendung finden, die unser Leben verändert, meit Ishiguro. Es ist eine ähnlich Stimmung wie vor einer Generation im Silicon Valley. Da gab es auch viele Unternehmen, aber nur wenige wurden zum grossen Erfolg.

In Japan gibt es keine religiöse Grenzen, die eine Entwicklung menschenähnlicher Maschinen hinterfragen könnten. In Interviews spricht Ishiguro offen über die Situation in seinem Land: Japaner können zu jeder Maschine, ja jedem Objekt, selbst Steinen oder Stühlen, eine gefühlsmässige Bindung aufnehmen. Besonders für Japan ist das Konzept nicht fremd, weil Japaner von ihrer Religion her auch in Gegenständen eine Seele sehen. Dabei sei der Roboter wegen seiner Menschenähnlichkeit einzigartig.

Bisher haben wir mit dem Internet eine virtuelle Welt, der die reale Welt gegenüber steht. Ishiguro betont, dass ein Roboter dazwischensteht, er ist etwas virtuelles und reales zugleich. Er glaubt daher, dass ein Roboter die Kluft zwischen virtueller und realer Welt überbrücken kann.

Projekte, die vorgestellt wurden, beinhalten Robotereinsätze in Krankenhäusern („Menschen sprechen lieber mit einer Maschine, der sie vertrauen können“), auf Bahnhöfen und Flughäfen („Menschen gehen gern auf Maschinen zu“) und die Pflege alter Menschen („Wer will denn heute schon alte Menschen pflegen“). Diese, in einem ARD-Weltspiegel vorgestellten Projekte, sind nicht mit den Arbeiten Professor Ishiguros zu verwechseln, wie der enge Mitarbeiter von Hiroshi Ishiguro, Dr. Christian Werner Becker-Asano, im anschließenden Kommentarteil betont.

Offene Fragen?

Diese Projekte sollten direkt in diverse Humanismus-Manifeste eingearbeitet werden. Stichwort „Manifest des evolutionären Humanismus“ von Schmidt Salomon. Diese Robo-Konzepte sind geradezu maßgeschneidert für Naturalisten und Atheisten. In den Humanismus-Deklarationen der N/A geht es um maximales Glück in Selbstbestimmung, natürlich hier und jetzt auf unserem Planeten:

Die neuen Robos betreuen Kinder (A/N zeugen ohnhin wenig Nachwuchs), leisten Singles und Einsamen Gesellschaft als Partnerroboter („da werden sie auch geholfen“), und pflegen Oma und Opa in Herford (das typische Einzelkind ist gerade mit seiner Glückserfüllung beschäftigt, die nicht vorhandenen Kinder vieler heterosexueller und homosexueller Partnerschaften fehlen der Gesellschaft).

Der Schöpfer heisst Hiroshi Ishiguro.

Noch irgenwelche Fragen offen?

Artikel in WELT online

Interview in HEISE online

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 1. August, 2008 in Atheismus, Christen, Christentum, Gesellschaft, Glaube, Humanismus, Naturalismus, Wissenschaft und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 19 Kommentare.

  1. Was haben Roboter mit Humanismus zu tun? Oder ist das nur wieder ein Versuch die üblichen Strohmänner abzufackeln? Oder ist es wieder der religiös-chauvinistische Ansatz, dass nur wer eine Gotteswahnvorstellung hat im Besitz einer Moral ist?

    Btw, weil Du immer betonst, wie wenig Kinder Atheisten in die Welt setzen. Wer mal ein bisschen drüber nachdenkt, der wird feststellen, dass wir schon bei weitem zu viele auf diesem Planeten sind. Ein paar nichtgezeugte Kinder sind hier absolut kein Verlust. Wer sich aber sklavisch an das „seid fruchtbar und mehret euch“ halten muss, der wird solch altruistisches Handeln immer fehlinterpretieren.

  2. Hallo Po8, heute war der Tag der Sachlichkeit an der Reihe, wie ich sehe.

    1. Die von Ishiguro vorgestellten Roboter können vielleicht eines Tages politisch Verantwortlichen, die sich dem Humanismus verpflichtet sehen, behilflich sein, ihre Ziele der „Glücksrente für jedes Individuum der Gesellschaft“ umzusetzen. Dann nämlich, wenn Robovie & co Kinder-, Kranken- und Sterbepflege übernehmen, und so die Gesellschaft von diesen altruistischen Tätigkeiten befreien… das ist keine von mir erfundene Utopie, sondern diese Einsatzgebiete der Ishiguro-Roboter wurden im öffentlichrechtlichen ARD letzte Woche präsentiert.

    2. Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass Dir der bereits aufgelöste Generationenvertrag egal ist und Du es begrüsst, wenn Kinder heute zur Hälfte ohne Geschwister und/oder ohne Cousin/Cousine aufwachsen;
    eine Eltergeneration muss mittlerweile Kinder und Enkelkinder (so vorhanden) plus Grosseltern versorgen: Diese Versorgungsaufgabe ist ohne staatliche Hilfe unmöglich zu leisten – und wird so nicht über längere Zeit finanzierbar sein.
    Es ist also ein rein evolutionäres Überlebensgen, dass sich in Form meiner Stimme im Namen meines Sohnes, meiner Nichten und Neffen deutlich zu Wort meldet.

  3. Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass Dir der bereits aufgelöste Generationenvertrag egal ist

    Der „Generationenvertrag“ war damals ein Schritt in die falsche Richtung, getätigt aus Unwissen und/oder Unkenntnis. Sich auf diesen zu berufen und damit zu begründen, dass westliche Industrienationen mehr Kinder bräuchten, halte ich für ein äußerst schwaches Argument. So in etwa wie: wir brauchen mehr Autos, denn sonst werden alle in der Automobilindustrie arbeitslos.

  4. „Der “Generationenvertrag” war damals ein Schritt in die falsche Richtung, getätigt aus Unwissen und/oder Unkenntnis. Sich auf diesen zu berufen und damit zu begründen, dass westliche Industrienationen mehr Kinder bräuchten, halte ich für ein äußerst schwaches Argument.“

    Das ist DEINE Meinung.

    Ich empfehle zum Beispiel Frank Schirrmacher „Minimum“ zu lesen. Der Herausgeber der FAZ hat die aktuellen Daten und Studien zum Thema „Familienstrukturen“ über den Zeitraum 1840 bis 2006 in einem anregenden Buch verarbeitet.

    Natürlich gibt es auch Kritik an dem Buch des Topjournalisten. Ein Bespiel sei angeführt:

    „Seine [Anm. die Kritik vergleicht an dieser Stelle mit dem Autor Mersch („Familie als Beruf“)] klare Aussage: Beruflich erfolgreichen und gebildeten Menschen sind heute größere Familien nicht mehr zumutbar, obwohl die Gesellschaft sie dringend braucht. Solche Familien werden unter der Gleichberechtigung der Geschlechter systematisch benachteiligt. Sie können praktisch nur in Armut entstehen, was die Kinder automatisch auch arm macht. Mersch folgert daraus: Es muss unter der Gleichberechtigung der Geschlechter einen neuen Beruf für Familienarbeit mit eigenen Kindern geben, sonst zerstört sich die Gesellschaft selbst. Auch wenn man solchen Schlüssen nicht folgt: Glasklare Analysen dieser Art sind in Schirrmachers Buch komplette Fehlanzeige.“

    Das zeigt, wie genau man Bücher liest. Genau das geht unter anderem aus Schirrmachers Buch hervor.

    Und Deine Beurteilung der bestehenden Familienstrukturen im Europa des 21. Jhdts. ist dann wohl nicht mehr haltbar.

  5. Und Deine Beurteilung der bestehenden Familienstrukturen im Europa des 21. Jhdts. ist dann wohl nicht mehr haltbar.

    Wo habe ich die Familienstruktur beurteilt?

    Wie sieht jetzt Dein Argument aus? Weil wir ein Sozialsystem haben, dass darauf beruht, dass die junge Generation die ältere subventioniert, müssen wir mehr Kinder bekommen, sonst bricht das System zusammen. Ist das so richtig dargestellt?

    Btw, nachdem ich mir einige Rezensionen auf amazon.de durchgelesen habe, hättest Du mir auch gleich Eva Herrmans Bücher empfehlen können. „Zurück zur Familie und vermehrt euch wie die Karnickel“ ist angesichts der Umweltkatastrophe Mensch keine vernünftige Strategie.

  6. Wie durchdacht viele der amazon.de Bewertungen sind, habe ich ja schon am obigen Beispiel gezeigt.

    Bevor man zu Argumenten und Thesen kommt, ist Information angesagt; meine Sache ist es nicht, so mir nichts dir nichts zu abenteuerlichen Behauptungen zu kommen.

    Das letzte Drittel des Schirrmacher-Buchs und weitere Quellen werde ich in aller Ruhe fertig lesen – und dann ohnehin an dieser Stelle darüber berichten.

    Würden wir das à la Anne Will abfackeln, wären wir schnell am Ende; Generationenvertrag hält nicht mehr, Geld bald alle, was nun?

    Wenn wir’s doch ein wenig tiefergehend wollen, ist sowohl der Blick ein paar Generationen zurück , wie auf die Gegenwart interessant, und daraus folgend Hypothesen für die nächsten 1-2 Generationen.

    „Beruhigung im Übermass ist der Menschheit grösster Schatz ;-) “ sagen wir in unserer Familie, wenn zu sehr gedrängelt wird.

  7. Hartmut Slomski

    Doch wie sieht die Realität aus? Einerseits erfolgt, besonders aus politischen und kirchlichen Kreisen, die Forderung noch mehr Kinder in die Welt zu setzen, doch anderseits ist dieser Planet nicht nur bereits überbevölkert, sondern für immer weniger Kinder gibt es eine Zukunft. Die Neugeborenen von heute sind doch die Langzeitarbeitslosen von morgen!
    Und was die Roboter betrifft, so könnte deren diesbezügliche Weiterentwicklung zum Wohle der ganzen Menschheit sein. Denn die Roboter könnten den Menschen viele Arbeiten, besonders die schweren und gefährlichen, abnehmen, ihnen zu mehr Lebensstandard verhelfen. (Natürlich dürfte man sie dazu nicht so weit weiterentwickeln, daß sie nicht nur zu denkenden, sondern auch fühlenden Wesen würden. Denn dann wäre das ja Sklaverei an einer anderen, wenn auch künstlichen, Spezies!).
    Doch wahrscheinlich wird die Weiterentwicklung von Robotern wohl ins Gegenteil hinauslaufen: die Roboter werden zwar die Arbeit übernehmen, jedoch um lediglich wenigen Superreichen einen noch besseren Lebensstandard zu bescheren, da diese dann für ihre Fabriken und Betriebe keine menschlichen bezahlten Arbeitskräfte mehr benötigen. Der Rest der Menschheit kann dann erst recht verrecken, weil er keinen Weg findet seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und sich natürlich auch keine Roboter leisten kann, die ihm zu einem besseren Leben verhelfen.
    Der Weiterentwicklung von Robotern müßte also parallel eine Überwindung des Kapitalismus erfolgen!

  8. 1. Überbevölkerung, aber wo?

    In meinen Kommentaren und Artikeln nehme ich auf die westliche Welt – insbesondere Europa – Bezug.

    Mehr Kinder in Europa sind die conditio sine qua non für unseren Kontinent.

    2. Roboter, aber Kapitalismus überwinden?

    Robotersklaven, das ist schon ganz gut erkannt. Ich würde noch eher sagen: Erfüllungsgehilfen, die atheistischen Glückssuchern das Engagement ersparen, die dringend notwendigen Pfleger/innenberufe zu ergreifen, die unglücklicherweise bedeuten, Menschen ihre alten Hintern abzuwischen.

    Dann und nur dann haben möglichst viele atheistische Menschen beispielsweise des kinderarmen Europas die Möglichkeit, sich ohne altruistisches Handeln ihrer individuellen Glückserfüllung hinzugeben.

    Roboter, die einer Gesellschaft diese Arbeiten abnehmen, sind die Beschleunigung des Kapitalismus schlechthin. Und der ist realistischerweise nicht umzubringen.

  9. Robotersklaven, das ist schon ganz gut erkannt. Ich würde noch eher sagen: Erfüllungsgehilfen, die atheistischen Glückssuchern das Engagement ersparen, die dringend notwendigen Pfleger/innenberufe zu ergreifen, die unglücklicherweise bedeuten, Menschen ihre alten Hintern abzuwischen.

    Vielleicht weist Du auch mal (… ) darauf hin, dass es auf Grund der starken Präsenz kirchlicher Träger bei Sozialberufen notwendig ist Krichenmitglied zu sein, so man ohne Probleme einen Job finden und behalten will. Aus dieser Situation heraus dann zu konstruieren, dass Atheisten das nicht wollten, ist eine perverse Verdrehung der Tatsachen. Diese Träger unterminieren als „Tendenzbetriebe“ das deutsche Arbeitsrecht und das Gleichberechtigungsprinzip.

    Apropos, wo bleibt eigentlich die Empörung darüber, was z.B. kirchliche Träger ihren Angestellten für Hungerlöhne zahlen (die teilweise noch unter denen säkularer Dienste liegen, da man als „Tendenzbetrieb“ den Betriebsrat verhindert hat)?
    http://publik.verdi.de/2008/ausgabe_04/gewerkschaft/schwerpunkt/seite_4/A0

    Die Richter ließen keinen Zweifel: Wie die diakonische Einrichtung Bremen Friedehorst mit Mitarbeitern umging, war illegal. Wer dort ab 2005 eingestellt wurde, bekam nur noch einen Vertrag bei einer kircheneigenen Leiharbeitsfirma – und bis zu 30 Prozent weniger Geld als die Kollegen. Das geht nicht, so das Urteil. Für gleiche Arbeit müsse gleicher Lohn gezahlt werden, alles andere widerspreche der Idee der christlichen Dienstgemeinschaft.

    Schweinereien im Namen des Herrn Gott… hypothetische Roboterpfleger ist wohl das kleinste Problem, das auf uns zukommen könnte.

  10. @Po8

    1. Unsachliche Beiträge sowie Einschübe, die unter die Gürtellinie zielen, werden in diesem Blog gelöscht, entweder teilweise oder ganz.

    2. In den mir bekannten Pfarren in Wien / Salzburg kenne ich das Problem der Zwangsmitgliedschaft nicht. Dort, wo diese Vorgangsweise praktiziert wird, stehe ich selbstverständlich nicht an, diese zu verurteilen.

    In anderem Licht ist dabei zu sehen, wenn Organisationen (christliche oder atheistische) ihren Mitarbeitern eine gewisse Glaubwürdigkeit abverlangen. Das muss man sich im Einzelfall genauer ansehen.

    3. Bremen Friedehorst – hmm, wir wollen also jetzt jede einzelne Ungerechtigkeit dieser Welt behandeln? Ich kenne den Fall nicht, also was kann ich dazu sagen? Wenn es so ist, ist es zu verurteilen, Punkt.

    Schön, dich glücklich gemacht zu haben ;-)

  11. Guten Tag!

    ich moechte die Gelegenheit nutzen, als enger Mitarbeiter von Prof. Ishiguro Ihren obigen Beitrag ein wenig zu korrigieren:

    Die Androiden (Geminoid HI-1, Repliee-Q2, etc.) verfuegen ueber grundsaetzlich komplett andere technische Merkmale/Moeglichkeiten als die humanoiden Roboter der Robovie-Reihe.
    Im Klartext: Die Robovies sind _humanoide_ Roboter, die im mobilen Einsatz z.B. zur Erforschung der Mensch-Maschine Interaktion in sogenannten Feldversuchen (im Supermarkt, in einer Grundschule, im Museum) eingesetzt wurden und werden. Auch im Labor am ATR (Advanced Telecommunication Research Institut International) werden diese fuer verschiedene Experimente verwendet. Sie verfuegen (in ihren verschiedenen Versionen) ueber diverse Sensoren (Kameras, Mikrofone, Beruehrungssensoren), die detailliert in verschiedenen Publikationen beschrieben werden. (Bei Interesse schicke ich Ihnen gerne entsprechende Referenzen.)

    Bei den Adroiden hingegen handelt es sich um stationaere Forschungsprototypen, bei deren Entwicklung ein besonders menschenaehnliches Aeusseres im Vordergrund stand/steht. Ihre Interaktionsfaehigkeit und besonders im Falle von Prof. Ishiguros „Doppelgaenger“ (Geminoid HI-1) auch dessen Autonomie sind bisher aeusserst eingeschraenkt. Soll heissen, Geminoid HI-1 wird zur Zeit komplett ferngesteuert – auf technisch sehr ausgefeilte Weise allerdings. Es ist im uebrigen auch nicht in Planung an dieser Tatsache in naher Zukunft etwas zu aendern. Lediglich sein Augenblinzeln und ein simulaiertes Atmen laufen autonom.

    Insofern geht bei Ihrem scheinbar auf Sekundaerliteratur beruhenden Beitrag einiges durcheinander und wie ich den anderen Kommentaren (und besonders der Ueberschrift „dialogversuche zu zeitgeist und christsein“ ) entnehme, sind die wohl durchdachten Forschungsinteressen eines international anerkannten Wissenschaftlers (und „Genies“, was man auch immer darueber denken mag) fuer Sie lediglich ein Aufhaenger, die Japanische Lebensweise und eigentlich sehr vielfaeltige und weltoffene Einstellung zur Religion aufs Korn zu nehmen. Schade eigentlich..

    Mit freundlichen Gruessen aus Kyoto,
    Christian Becker-Asano

    PS: Ich moechte Ihnen trotz meiner zum Teil recht negativen Kritik fuer Ihren Beitrag danken, denn er spricht im Grundsatz ein wichtiges gesellschaftliches Problem an, mit dem wir uns (als Entwickler, Ingeneure und Wissenschaftler) fruehzeitig auseinandersetzen muessen.

  12. @Becker-Asano
    Danke für Ihren Beitrag!
    Ihre Richtigstellungen nehme ich gerne an, und darf Klarstellungen von meiner Seite anschliessen.

    Zum einen geht es in diesem Blog um Informationen, und diese sollten so nah an der Wirklichkeit sein, wie nur möglich. Als Nicht-Experte in punkto „Robotertechnologie“ bin ich auf Sekundärliteratur angewiesen, nichts anderes wurde hier zitiert. Welt-online und Heise sollten bei Beanstandungen an erster Stelle von Ihnen benachrichtigt werden.

    Zum anderen ist ein Anliegen dieses Blogs, WIE führende Wissenschaftler und ihre wissenschaftlichen Ziele von Humanisten (im Sinne von Michael Schmidt-Salomon, Giordano-Bruno-Stiftung, also nichtgläubig und naturalistisch orientiert) eingeordnet werden, und mehr noch, WAS mit Ihren Entdeckungen, Forschungsergebnissen und -entwicklungen gesellschaftlich umgesetzt werden soll.

    Dieses zweite Anliegen erscheint mir also besonders interessant und diskussionswürdig. In einem Diskurs, der den Fragen mit wachen Augen und Ohren, und mit offenem Herzen begegnet.

    Welchen Sinn würde eine Kritik an der weltoffenen Haltung Japans machen? Die Einschätzungen japanischer Weltanschauungen entstammen dem (hoffentlich autorisierten! ) Heise-online Interview mit Prof. Ishiguro !

    Mein Anliegen ist in erster Linie Europa, natürlich in Wechselwirkung mit dem Rest der Welt. Kürzlich wurden die neuen Robotergeneration aus der F&E Prof. Ishiguros in der ARD mit dem Aufhänger präsentiert, dass wir die Probleme der Altenpflege schon bald mit Robotern bewältigen werden.*

    Finden Sie das o.k. für die Berichterstattung eines öffentlich-rechtlichen TV-Senders??? Ich sehe hier eine populistische Bedürfnisbefriedigung einer Gesellschaft, die zunehmend säkular orientiert ist, und offensichtlich auf ganz bestimmte Nachrichten wartet:

    News mit Inhalten, die einer immer weniger sozial orientierten und vornehmlich am individuellen Wohlergehen interessierten Öffentlichkeit versichern, dass die Wissenschaft ohnehin alles unternimmt, um lästiges und beschwerliches soziales Engagement (z.B. Altenpflege) durch Maschinenarbeit zu ersetzen.

    Ist das in ihrem Sinne?

    Mit freundlichen Grüßen,
    kroski

    *Übrigens war diese Berichterstattung der ausschlaggebende Impuls für meinen Artikel!

  13. Vielen Dank fuer Ihre schnelle Stellungnahme.

    Vorab: Beziehen Sie sich auf diesen (http://www.daserste.de/weltspiegel/beitrag.asp?uid=fazbsxzuwvq5qat4&cm.asp) Beitrag der ARD?
    Falls ja, so scheinen Sie diesen nicht aufmerksam genug angeschaut zu haben, denn Prof. Ishiguros Doppelgaenger spielt darin zwar eine zentrale Rolle, aber der Bezug zur Altenpflege wird durch die Babyroboterrobbe PARO hergestellt, die nichts mit Prof. Ishiguros Arbeiten zu tun hat.

    Allerdings haben Sie durchaus Recht: Ich sollte weniger Ihre Darstellungen als vielmehr die Darstellungen von Welt Online kritisieren, aus denen Sie woertlich zitiert haben, ohne dies in fuer meine Begriffe ausreichendem Masse kenntlich gemacht zu haben.

    Nun kurz zu Ihrer eigenen Stellungnahme:
    Zitat:

    „Zum anderen ist ein Anliegen dieses Blogs, WIE führende Wissenschaftler und ihre wissenschaftlichen Ziele von Humanisten (im Sinne von Michael Schmidt-Salomon, Giordano-Bruno-Stiftung, also nichtgläubig und naturalistisch orientiert) eingeordnet werden, und mehr noch, WAS mit Ihren Entdeckungen, Forschungsergebnissen und -entwicklungen gesellschaftlich umgesetzt werden soll.“

    Dies ist ein durchaus berechtigtes Anliegen, das mir ehrlich gesagt auch immer wieder Kopfschmerzen bereitet (so ich denn Ihre obige Aussage richtig interpretiere). Hat das nicht mit der altbekannten Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaftlern im Hinblick auf die Verwertung Ihrer Erkenntnisse/Entwicklungen zu tun? Ich wurde aufgrund meiner eigenen Arbeiten (Stichwort: Simulation von Emotionen) oft gefragt, ob das nicht eine sehr gefaehrliche Entwicklung sei.
    Eine leicht philosophisch angehauchte Folge logischer Schluesse laesst mich allerdings daran zweifeln, dass ich prinzipiell und grundlegend echt verschieden von Dingen bin, die ich (wenn auch vielleicht nur theoretisch) selbst zu bauen in der Lage bin:

    1. Ich in fuer mich selbst zu der Ansicht gelangt, dass meine Faehigkeit Emotionen zu empfinden zwar schon ausserordentlich zentral fuer mein Selbst ist, aber ich dennoch aus wissenschaftlicher (rationaler) Sicht bisher keinen Grund finden konnte, warum sich diese Faehigkeit zwangslaeufig nur aus irgendetwas uebernatuerlichem, unergruendlichem ergeben koennen sollte.

    2. Solange ich diesen Grund nicht finde, muss ich zwangslaeufig von der theoretischen Moeglichkeit ausgehen, dass solch eine „komplexe“ Maschine konstruierbar ist, die in derselben Weise subjektiv empfindet, wie ich selbst es tue.

    3. Sollte man diese Maschine eines Tages erdacht oder sogar erbaut haben, so waeren zwei Alternativen moeglich:
    3a. Meine eigene Funktionsweise gleicht der Funktionsweise der empfindenden Maschine in so hohem Masse (ich habe hier leider kein sz), dass ich mich selbst als (deterministische) Maschine anerkennen muss, mit der eventuellen Konsequenz, dass es so etwas wie freien Willen nicht gibt.
    3b. Trotz der aeusserlichen und der funtktionalen Gleichheit zwischen Maschine und mir sind wir irgendwie begruendbar so grundsaetzlich verschieden, dass die Maschine zwar eine funktional gleichwertige Faehigkeit zur Empfindung besitzt, diese aber nicht gleichzusetzen ist mit menschlicher Empfindungsfaehigkeit.

    Alternative 3b scheint mir momentan weniger wahrscheinlich begruendbar als 3a.

    Ist obiger Gedankengang mit der Einstellung eines Naturalisten/Humanisten vergleichbar?

    In jedem Falle sind diese Fragen von weitreichenderer Bedeutung fuer mich als die Frage, ob ich irgendwann einmal von einem Roboter gepflegt werde, oder nicht. Man moege ueber mich nun denken, wie man will.

    Mit freundlichen Gruessen,
    Christian Becker-Asano

    PS: Wieso findet man hier eigentlich kein Impressum? Mit wem bitte rede ich hier denn?

  14. Danke, dass sie sich die Zeit nehmen, ausführlich zu antworten!
    Ich will gerne versuchen, ihre Fragen entsprechend zu beantworten.

    „…denn Prof. Ishiguros Doppelgaenger spielt darin zwar eine zentrale Rolle, aber der Bezug zur Altenpflege wird durch die Babyroboterrobbe PARO hergestellt, die nichts mit Prof. Ishiguros Arbeiten zu tun hat.“

    Ich nehme ihren Hinweis gerne auf und werde ihre Richtigstellung entsprechend in meinen Artikel einarbeiten.

    „Wieso findet man hier eigentlich kein Impressum? Mit wem bitte rede ich hier denn?“

    Ein Impressum (wie es bei Websites üblich ist) werden Sie bei Bloggern selten oder gar nicht finden. Meine Web-Identität ist Stefan Kroski, und über die buttons „wer bewegt hier“ und „was wird bewegt“ erfahren Sie eine ganze Menge über meinen Werdegang; über die dort angeführte E-mail-Adresse haben Sie auch den direkten Draht zu mir… andererseits habe ich auch kein Problem mit meiner Identität: Meine Name ist Stefan Ehrhardt, Absolvent der Hochschule St.Gallen, Schweiz, BWL-Studium.

    ““Zum anderen ist ein Anliegen dieses Blogs, WIE führende Wissenschaftler und ihre wissenschaftlichen Ziele von Humanisten … eingeordnet werden, und mehr noch, WAS mit Ihren Entdeckungen, Forschungsergebnissen und -entwicklungen gesellschaftlich umgesetzt werden soll.” Dies ist ein durchaus berechtigtes Anliegen, das mir ehrlich gesagt auch immer wieder Kopfschmerzen bereitet (so ich denn Ihre obige Aussage richtig interpretiere).“

    Ja, mein Anliegen ist ernst gemeint, und ihre Interpretation ist zutreffend.

    „Hat das nicht mit der altbekannten Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaftlern im Hinblick auf die Verwertung Ihrer Erkenntnisse/Entwicklungen zu tun? Ich wurde aufgrund meiner eigenen Arbeiten (Stichwort: Simulation von Emotionen) oft gefragt, ob das nicht eine sehr gefaehrliche Entwicklung sei.

    Zum einen berührt es „die altbekannte Frage“.

    Andererseits sehe ich mich als Anhänger einer möglichst unbegrenzten Forschung. (Problematisch in meinen Augen wird es dort, wo z.B. Molekularbiologen wie Craig Venter – ausgestattet mit nahezu unbeschränkten Mitteln – erklären, sie seien einzig an der künstlichen Schaffung von Leben interessiert, und die Erhaltung des Lebens berühre sie eigentlich nicht – hier werden aus meiner Sicht ethische Grenzen vielleicht noch nicht überschritten, aber so gut wie erreicht.)

    Zu Ihrem Thema: „Simulation von Emotionen“. Ohne das Gebiet im einzelnen zu kennen, meine ich, darin eine Chance zu erkennen: Entweder Emotionen lassen sich tatsächlich „real“ (wohl besser: realistisch) erzeugen, dann gibt es immer noch den zweiten Schritt, was wir damit anfangen. Oder wir erkennen, dass simulierte Emotionen für den Menschen als eben artifiziell erzeugte Emotionen erkennbar (definierbar) bleiben, dann stellen sich weniger Fragen, jedenfalls im gesellschaftlich relevanten Sinn.

    Fazit: Forschung soll nach Möglichkeit unbegrenzt erfolgen, hier sehe ich (noch) kein grundsätzliches Problem mit meiner christlichen Position.

    „1. Ich in fuer mich selbst zu der Ansicht gelangt, dass meine Faehigkeit Emotionen zu empfinden zwar schon ausserordentlich zentral fuer mein Selbst ist, aber ich dennoch aus wissenschaftlicher (rationaler) Sicht bisher keinen Grund finden konnte, warum sich diese Faehigkeit zwangslaeufig nur aus irgendetwas uebernatuerlichem, unergruendlichem ergeben koennen sollte.“

    Das ist eine mögliche Position, warum auch nicht?
    Aus einer christlichen Sicht ergeben sich verständlicherweise Fragen, sagen wir Anmerkungen.

    Es ist noch nicht besonders lange her, dass ich mich in der Lage sehe, zu meiner christlichen Sicht (ich muss hier subjektiv weitersprechen, schließlich wäre es anmassend, „die“ christliche Position vertreten zu wollen) deutlich Stellung zu beziehen; ich darf behaupten, nicht mit einem robusten „christlichen Gen“ herangewachsen zu sein, sondern meine Position erarbeitet, auch in gewisser Weise geschenkt bekommen zu haben.

    Meine Erfahrung mit Christen (innerhalb und außerhalb meiner Familie) hat mir immer wieder ganz außerordentliche Erlebnisse geschenkt. Meinen Vater betreffend, den ich nach tiefsten Zerwürfnissen wieder lieben gelernt habe, in Bezug auf meine Frau, die mich in ihrem Glauben immer wieder erstaunt und beschämt hat, Freunde betreffend, die mich in ihrer selbstlosen und liebevollen Weise überrascht und beeindruckt haben. Das will andererseits nicht heißen, dass diese Erlebnisse mit Nicht-Christen nicht möglich gewesen wären! Aber wie gesagt, auf authentische Weise kann ich nur aus meiner Erfahrungswelt berichten.

    Dann gibt es die Geschichten der vielen (von der kath. Kirche) heilig gesprochenen Menschen, deren Leben mir nahe geht. Dabei war der erste, der mir wirklich unter die Haut gegangen ist, Mahatma Gandhi, also kein Christ. Andererseits habe ich gerade durch Gandhi besser verstehen können, dass es Sinn macht, dass Andenken an besondere Menschen zu erhalten. Vor ein paar Tagen war der Gedenktag des Maximilian Kolbe. Kennen sie seine Geschichte? Er ist im KZ Auschwitz für den Häftling Franciszek Gajowniczek, der um seine Familie laut klagte, in den Hungerbunker gegangen, wohlwissend, dass er dort den Tod finden würde. Es muss nicht immer so dramatisch sein, es gibt natürlich auch viele andere Geschichten.

    Ich sehe mich und mein Leben in großer (geistiger) Freiheit, bin ohne kirchliche oder sonstige Zwänge zu gläubigen Positionen gekommen, und sehe mich (nicht immer in der Geschichte und der Positionen der Amtskirche, aber in den authentischen Leben vieler Christen) bestätigt, und empfinde große Lebensfreude auch darin, diesen Glauben zu bekennen.

    Und jetzt stelle ich mir die Frage, wie Emotionen (die beispielsweise in den Lebensgeschichten der vorangegangenen Absätze angesprochen wurden) auch nur annähernd „real“ – also erschütternd / überzeugend / tiefgehend – erzeugt werden könnten?

    „2. Solange ich diesen Grund nicht finde, muss ich zwangslaeufig von der theoretischen Moeglichkeit ausgehen, dass solch eine “komplexe” Maschine konstruierbar ist, die in derselben Weise subjektiv empfindet, wie ich selbst es tue.“

    In der beruflichen Situation des Wissenschaftlers, und in ihrem Forschungs – und Entwicklungsbereich: Wie sollten Sie die Frage auch anders stellen?

    Ich weiss nicht, ob Sie Kinder haben oder wünschen. Ich habe das große Glück, ein Kind (inzwischen ein 12-jähriger Sohn) erleben zu dürfen. Das Gefühl vor zwölf Jahren, dieses Wesen zum ersten Mal im Arm halten zu können, ist tief in mir eingegraben, und gleichzeitig so präsent, als wäre es gerade geschehen.

    Nochmals, ich möchte Sie in Ihrer „forschenden Ausrichtung“ keineswegs in Frage stellen (wie könnte ich das auch!, außerdem habe ich mich zur unbegrenzten Forschung bekannt), andererseits möchte ich nicht versäumen, meine subjektive, christliche Position zu vertreten.

    „3a. Meine eigene Funktionsweise gleicht der Funktionsweise der empfindenden Maschine in so hohem Masse (ich habe hier leider kein sz), dass ich mich selbst als (deterministische) Maschine anerkennen muss, mit der eventuellen Konsequenz, dass es so etwas wie freien Willen nicht gibt.
    3b. Trotz der aeusserlichen und der funktionalen Gleichheit zwischen Maschine und mir sind wir irgendwie begruendbar so grundsaetzlich verschieden, dass die Maschine zwar eine funktional gleichwertige Faehigkeit zur Empfindung besitzt, diese aber nicht gleichzusetzen ist mit menschlicher Empfindungsfaehigkeit.
    Alternative 3b scheint mir momentan weniger wahrscheinlich begruendbar als 3a.
    Ist obiger Gedankengang mit der Einstellung eines Naturalisten/Humanisten vergleichbar?“

    Ja, diese Gedankengänge treffen die Positionen von Naturalisten/Humanisten sehr gut. Naturalisten schließen jegliche metaphysischen Phänomene prinzipiell aus, und gehen vielfach von deterministischen Positionen aus. Humanisten – jetzt gehen wir zum ethischen Bereich über – verneinen auch eine umfassende Willensfreiheit, wie sie beispielsweise die katholische Theologie und christlich geprägte Philosophie behauptet.

    Inzwischen ist es für mich kaum mehr vorstellbar, mein Leben in den Bedingungsrahmen deterministischer (für mich real einengender) Anschauungen zu führen. Es wird für Sie nicht überraschend sein, wenn ich mich bei Alternative 3b beheimatet sehe. Das hindert mich nicht daran, in ihrem Forschungsgebiet eine spannende Frage und Herausforderung zu erkennen. Der Mensch ist immer wieder an seine Grenzen gegangen, und in ihrem Bereich wird es hochinteressant sein, reale und artifizielle Emotionen immer wieder zu vergleichen – halten Sie uns am Laufenden!

    Die Frage der gesellschaftlichen Umsetzung von Forschungsergebnissen will ich nicht in erster Linie der Wissenschaft aufgebürdet wissen. Hier haben Medien, Politik und Gesellschaft (Wähler, Blogger, Schulen, Unis….) ein grosses Wort mitzureden. Diese Verantwortung gilt es auch bei einer (aus meiner Wahrnehmung zunehmend „emotional reduzierten“ und rational-wissenschaftlich orientierten) Jugend anzusprechen.

    „In jedem Falle sind diese Fragen von weitreichenderer Bedeutung fuer mich als die Frage, ob ich irgendwann einmal von einem Roboter gepflegt werde, oder nicht. Man moege ueber mich nun denken, wie man will.“

    Es tut mir Leid, wenn ich die Arbeit von Professor Ishiguro teilweise nicht richtig interpretiert und den „Aufhänger Altenpflege“ nicht korrekt zugeordnet habe. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass Sie mein Anliegen inzwischen besser verstehen konnten. Ich möchte Diskussionen wie oben angesprochen auslösen und führen, und ab und zu gelingt das auch ganz gut.

    Danke auch für Ihren Mut zu präzisen und persönlichen Stellungnahmen!

    Mit besten Grüßen
    „Stefan Kroski“/ Stefan Ehrhardt

  15. Vielen Dank fuer Ihre ausfuehrliche Stellungnahme, Herr Ehrhardt, und auch fuer die Bekanntgabe Ihrer echten Identitaet. Ich bin mir durchaus im Klaren, dass die nicht-anonyme Veroeffentlichung von Texten im Internet auch gewisse Risiken birgt, aber diese uebersteigen nicht die Gefahr, dass die „freie Meinungsaeusserung im Internet“ wegen allzu grosser Anonymitaetswahrung zu sinnlosem Gerede verkommt. Finden Sie nicht auch?

    Das bedeutet fuer mich aber auch, dass ich nur sehr ungern Details meines persoenlichen Lebens in eine Diskussion mit einbringe, da diese auch immer die Privatssphaere meiner Mitmenschen beruehren, die sich berechtigter Weise darueber beschweren koennten, dass ich sie so blossstelle.

    Bezueglich Ihrer Ausfuehrungen bin ich doch sehr verwirrt, muss ich sagen. Was meinen sie bitte mit (Zitat):
    „Inzwischen ist es für mich kaum mehr vorstellbar, mein Leben in den Bedingungsrahmen deterministischer (für mich real einengender) Anschauungen zu führen.“

    Von Determinismus als Basis der Verhaltenssteuerung von Lebewesen auszugehen hat doch nichts mit „Einengung“ zu tun. Waere es in letzter Konsequenz nicht viel enttaeuschender, wenn ich mein ganzes Leben lang davon ausgegangen sein sollte, dass ich etwas wie freien Willen besaesse, obwohl sich am Ende herausstellt, dass es diesen doch nicht gibt? Sollte ich mir selbst hingegen eingestehen, dass meine eigenen Handlungen von Determinismus getrieben werden, so bedeutet das ja nicht sogleich, dass ich das Leben nicht mehr geniessen und fuer andere (deterministische) Mitmenschen Liebe empfinden koennte. Ich koennte vielleicht sogar gluecklich gerade darueber sein, dass ich in der Lage bin meine eigene Determiniertheit zu erkennen.

    Im uebrigen braucht es fuer mich keinerlei Religion, um meinen Mitmenschen aufmekrsam, moralisch gut und verzeihend zu begegnen, denn ich habe fuer mich erkannt, dass mir gegenteiliges Verhalten zum Glueck (meistens) schwer faellt.

    Falls Sie Interesse an meiner Forschung haben, so schauen Sie doch einmal auf meiner Webseite vorbei. Dort finden Sie Demovideos von Systemen, in denen Emotionen simuliert werden, sowie diverse Paper, in denen die Details der Implementierung im Bezug zu psychologischer und neuro-biologischer Literatur diskutiert werden.

    Auch Ihnen wuensche ich viel Erfolg!

    Mit besten Gruessen,
    Christian Becker-Asano

  16. @Becker-Asano

    „…die nicht-anonyme Veroeffentlichung von Texten im Internet auch gewisse Risiken birgt, aber diese uebersteigen nicht die Gefahr, dass die “freie Meinungsaeusserung im Internet” wegen allzu grosser Anonymitaetswahrung zu sinnlosem Gerede verkommt. Finden Sie nicht auch?“

    Ganz einverstanden, mein Bemühen liegt ganz sicher darin, kein sinnentleertes Gerede zu führen…

    Nun zu ihrer Antwort auf meine Positionierung, ein Leben unter den Grundannahmen des Determinismus nicht führen zu wollen.

    Ich darf eine Definition voranstellen:

    „Dem Determinismus liegt die Annahme zugrunde, dass alle Ereignisse, die geschehen, eine zwangsläufige und eindeutige Folge aus vorangegangenen Ereignissen sind. Wenn der gesamte Zustand eines Systems zu einem beliebigen Zeitpunkt definiert ist und die darin geltenden Gesetze eindeutig sind – d. h. dass sie bei identischen Anfangsbedingungen immer das gleiche Ergebnis hervorbringen –, so ist der Zustand des Systems zu jedem zukünftigen Zeitpunkt festgelegt.“

    Hier und jetzt halte ich mit Entschiedenheit fest: Ein Leben im Rahmen eines deterministischen Weltbildes zu führen, das in Wirklichkeit Willensfreiheit bereithält, ist mir eine der grauenhaftesten Vorstellungen überhaupt.

    Das würde bedeuten, ein Leben geführt zu haben, das unter voller Inanspruchnahme der gegebenen Handlungs- und Entscheidungsfreiheit unendlich mehr Möglichkeiten bereitgehalten hätte.

    Herr Becker-Asano, jetzt ist es an mir zu sagen: Ich bin einigermaßen erstaunt und ratlos….

  17. Vielen Dank fuer Ihre Erlaeuterungen. Nun verstehe ich erheblich besser, was Sie denken.
    Ich glaube man kann unsere Einstellungen auf folgende Weise strukturiert darstellen:
    1. Falls die reale Welt in Wirklichkeit (auch wenn dies vielleicht niemals beweisbar ist) ausschliesslich deterministisch beschreibbar ist, so ist es (fuer mich) eine angenehmere Vorstellung, niemals der Illusion von Willensfreiheit erlegen zu sein.
    2. Falls die reale Welt in Wirklichkeit (und auch dies laesst sich vielleicht niemals beweisen) NICHT rein desterministisch beschreibar ist, so ist es (fuer Sie) eine angenehmere Vorstellung, a priori von der damit (theoretisch) verbundenen Moeglichkeit echter Willensfreiheit ausgegangen zu sein.

    Zu der obigen Definition:
    Besonders wichtig ist wohl der Teilsatz (Zitat)

    „[..] und die darin geltenden Gesetze eindeutig sind [..]“.

    Um den Determinismus eines solchen Systems zu beschreiben, muessten vermutlich alle diese Gesetze bekannt und beschreibbar sein. Meines Wissens gibt es aber physikalische (Stichwort „Heisenbergsche Unschärferelation“), informationstheoretische (Stichwort „Halteproblem“ ) und wohl auch jede Menge philosophischer Argumente, die die allumfassende Beschreibbarkeit deterministischer Systeme fraglich erscheinen lassen (ich druecke mich hier extra so vage aus, da ich auf diesen Gebieten kein Experte bin).

    Trotzdem:
    1. Unsere menschliche Unfaehigkeit einen eventuell vorhandenen Determinismus vollstaendig zu erfassen und
    2. die gleichzeitige Unfaehigkeit, eine alternative Erklaerung zu finden
    lassen mich konservativ (pessimistisch?) davon ausgehen, das unsere Welt determiniert ist.

    Und dabei macht es mir Freude, ueber all diese Dinge intensiv nachzudenken – ohne dass ich erklaeren kann warum. Komisch! :-)

    Mit freundlichen Gruessen aus Asien,
    Christian Becker-Asano

  18. Ich habe erst jetzt diese interessante Diskussion entdeckt. Dazu fallen mir zwei Sachen ein.
    1. ein Witz den mir mein Onkel mal erzählte:
    Zwei baltische Grafen treffen sich nach dem 1. Weltkrieg in Berlin wieder. Sagt der Eine zum Anderen:
    „Oh, wie geht es dir mein Liabar?“
    „Oh danke schlecht! Ich arbeite!“
    „Oh Du arbeitest?“
    „Ja und das gegen Geld. Ich komm mir vor wie eine Hure.“

    2. ein Satz von Martin Luther King:
    „Wir haben gelernt wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen, doch wir haben die einfache Kunst verlernt: wie Geschwister zu leben“

    Ich kann nicht verhindern, seit dem es Messer gibt, dass die auch dazu benutzt werden anderen Menschen die Kehle damit durchzuschneiden.
    Ich kann aber in meiner nächsten Umgebung ein Klima schaffen, dass keiner auf die Idee kommt so etwas idiotisches zu tun. Dies geschieht dadurch, dass jeder Mensch das erhält was er braucht und lernt Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen.

  19. Guten Abend rotegraefin,

    obwohl ich mir ehrlich gesagt nicht ganz im Klaren bin, wie Ihr Kommentar in die „interessante Diskussion“ hinein passt, so finde ich es dennoch nett, dass Sie sich die Zeit genommen haben, hierzu beizutragen.
    Wollen Sie vielleicht Kroski und mir nahelegen, sich weniger um die (abstrakteren und entfernteren) Probleme der Welt zu kuemmern? Sollen wir uns besser um die direkte Umgebung und die darin befindlichen Mitmenschen in positiver Weise kuemmern? Insbesondere verstehe ich nicht ganz, was der Witz Ihres Onkels mir sagen soll? Vielleicht soll ich mich aber auch nur darauf besinnen, wie gluecklich ich sein kann, dafuer entlohnt zu werden, mir Gendanken ueber diese Themen machen zu koennen. Richtig?

    Zu Ihrem Messer-Beispiel: Sie haben Recht! Sie und ich koennen (jetzt) nicht mehr verhindern, dass es Messer gibt. Ich koennte aber vielleicht aufhoeren, Roboter mitzuentwickeln, die den Menschen (vielleicht) irgendwann Emotionen vorspielen – und dann (vielleicht) von meinen lieben Mitmenschen zu Dingen missbraucht werden, die ich nicht intendiert habe. Finden Sie nicht?

    Viele Gruesse,
    Christian Becker-Asano

    PS: Ich faende es zudem sehr nett, wenn Sie, rotegraefin, sich zu Ihrer (wahren) Identitaet bekennen wuerden, so wie Kroski und ich das hier auch tun, danke.

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