Umweltbewusstein: Weder Humanisten noch Religiöse zeichnen sich aus

arm und ökologisch harmoniert

arm und ökologisch harmoniert

Umweltbewusstsein muss man sich leisten können. Der US-Soziologe Riley Dunlap widerspricht dieser Einschätzung. Wie  sind wohlhabende Humanisten (Nichtgläubige) und Gläubige in dieser Frage einzuordnen?

Biolebensmittel, Solarzellen und Hybridautos kaufen eben nur Wohlhabende, lautet die gängige Überzeugung. Ökologisches Engagement setze Freizeit und Bildung voraus. Unter Soziologen wird diese These etwas feiner formuliert:

»Übergeordneten postmateriellen Werten« könne erst nachgegangen werden, wenn die existenziellen Bedürfnisse befriedigt seien. Umweltschützer gelten als Teil einer sozialen Bewegung, deren Mitglieder angetrieben werden durch ein Wertekonstrukt, das sie sich mit Bildung aufgebaut haben und mit Geld befriedigen – ähnlich wie Friedensaktivisten, Frauenrechtler und Antiatomkämpfer. Das erklärt auch, warum in armen Ländern Wälder abgeholzt, Gewässer verseucht und Fabrikschlote nicht mit Filtern ausgestattet werden.

Riley E. Dunlap hält das für blanken Unfug. Der Professor für Soziologie an der Oklahoma State University ist seit vielen Jahren damit beschäftigt, mit diesem »neoklassizistischen Mainstream«, wie er es nennt, aufzuräumen. Zusammen mit Richard York von der University of Oregon hat er dazu nun eine Studie in The Sociological Quarterly veröffentlicht. Fazit der Forscher: Umweltbewusstsein hängt weder von Reichtum ab noch von besonderen Wertvorstellungen, die dieser hervorruft.

Zu diesem Ergebnis war Dunlap schon einmal gekommen. In einer Untersuchung von 1993 ließ er Menschen aus 24 Ländern zu ihrem Umweltbewusstsein befragen. Bewohner ärmerer Länder zeigten damals sogar ein stärkeres Bewusstsein für lokale Umweltschäden und deren gesundheitliche Folgen als die reicher Nationen. Dunlap war damals so überrascht, dass er das Ergebnis jetzt überprüfte. Dazu nutzte er Daten des World Values Survey, der größten internationalen Erhebung zur Erfassung kultureller Werte. In über 50 Ländern befragen Sozialwissenschaftler dafür seit 1991 Menschen zu ihren Einstellungen. Das Ergebnis war erneut erstaunlich: Diesmal bekundeten die Befragten ärmerer Länder obendrein ihre Bereitschaft, für den Umweltschutz zu zahlen. Auf die Frage, ob sie einen Teil ihres Einkommens opfern würden, antworteten sie genauso oft, teilweise sogar öfter mit »Ja« als Befragte aus reichen Ländern. Dunlap folgert daraus, man müsse sich jetzt von dem Glauben verabschieden, Umweltbewusstsein entstehe nur durch postmaterielles Gedankengut. Manchmal sei genau das Gegenteil der Antrieb: materielle Not. Verseuchtes Wasser, dreckige Luft – die Folgen von Verschmutzung seien in Entwicklungsländern oft viel direkter zu spüren.

Solches Wissen – so Dunlap – schlage sich allerdings nicht immer in umweltschonendem Handeln nieder, sondern bleibe folgenlos. Aber das ist in vermeintlich umweltfreundlichen reichen Ländern oft auch nicht anders.

Das hat auch Konsequenzen für den gegenwärtigen Streit der Weltanschauungen. Weder Ideologien (naturalistischer Humanismus) noch Religionen dürfen Anspruch erheben, ihre Schäflein würden in punkto Umweltbewusstsein ganz besonders mit Taten glänzen. Das sollten insbesondere auch „Humanisten“ zur Kenntnis nehmen, die so sehr davon überzeugt sind, dass Bildungsqualität und Naturalismus (1) zu einem aufgeklärten und sozialen Leben in der Gesellschaft führen:

Die These, der Mensch – als zufällig entstandener und geringfügig weiterentwickelter Primat – würde sich mit zunehmender Aufklärung seiner Umwelt besonders freundlich annehmen, hat damit einen kaum zu übersehenden Riss erhalten.

(1) Naturalismus: An dieser Stelle als Einstellung „Ich glaube nur was auch empirisch bewiesen ist“ angesprochen

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siehe Artikel in ZEIT ONLINE:  „Arm und öko“

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Bild: flickr.com, GD images, frei für Blogveröffentlichungen

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 14. August, 2008 in Atheismus, Ethik, Glaube, Humanismus, Menschen, Umwelt und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Die These, der Mensch – als zufällig entstandener und geringfügig weiterentwickelter Primat – würde sich mit zunehmender Aufklärung seiner Umwelt besonders freundlich annehmen, hat damit einen kaum zu übersehenden Riss erhalten.

    Vielleicht liegt das auch daran, dass man den Menschen zulange erzählt hat sie seien etwas ganz besonderes und dürften sich die Erde untertan machen. Schon mal darüber nachgedacht?

  2. Alles, was auf Erden und im Meer und in den Lüften lebt, ist ihm unterworfen mit zwei wichtigen Präzisierungen:
    Alle Menschen gemeinsam, nicht nur einige wenige, haben von Gott die Aufgabe, die Schöpfung zu verwalten, zu gestalten und über sie zu verfügen, anvertraut bekommen. Daraus leitet sich das grundlegende Prinzip der Katholischen Soziallehre ab: „Die Güter der Schöpfung sind für das gesamte Menschengeschlecht bestimmt“ (KKK 2402).
    Dem Menschen ist die Herrschaft über die gesamte außermenschliche Schöpfung anvertraut, nicht die über die anderen Menschen.

    Schon mal über die gemeinsame Schöpfungsverantwortung aller Menschen nachgedacht?

    Vorweg sei klargestellt, was jedem einsichtig sein muss: vor 2.500 Jahren, als der Text des Buches Genesis fixiert wurde, war Überbevölkerung „noch so weit außerhalb des Gesichtskreises, dass (die Autoren) keinen Anlass hatten, davor zu warnen“ (J. Schubert, Genesis 1-11, Würzburg 4/1997, S. 46). Die Sorgen um genügend Nachwuchs und um eine lebbare, bewohnbare Umwelt standen im Vordergrund.

    Schon mal über die andauernde Bibelexegese und die Konsequenzen aus einer sinngerechten (der Evolution entsprechenden) Darlegung der Schöpfungslehre nachgedacht?

    Der evangelische Exeget Ludwig Köhler hat sehr anschaulich zu formulieren versucht, was Genesis 1,28 im Sinne der frühen menschlichen Kulturentwicklung und bis in das heutige kulturelle Bemühen bedeutet:

    Der Schöpfungsauftrag „ist der Auftrag zur Kultur. Er geht an alle Menschen; er umfasst alle Zeiten; kein menschliches Tun, das nicht ihm unterstellt ist. Jener erste Mensch, der, mit den Seinen auf schutzloser Steppe eisigem Winde ausgesetzt ein paar Steine aufeinander legte und so die Mauer, die Grundlage aller Architektur erfand, erfüllte diesen Auftrag. Jene erste Frau, die einen harten Dorn oder eine Fischgräte durchbohrte und ein Stück Tiersehne hindurch zog, um ein paar Fetzen Fell aneinanderfügen zu können, und die so die Nadel, das Nähen, den Anfang aller Kleiderkunst, erfand, erfüllte diesen Auftrag. Bis heute ist jede Unterweisung eines Kindes, jede Art von Schule, jede Schrift, jedes Buch, alle Technik, Forschung und Wissenschaft und Lehre mit ihren Methoden, Instrumenten und Institutionen nichts anderes als die Erfüllung dieses Auftrags. Die ganze Geschichte, alles menschliche Streben steht unter diesem Zeichen, unter diesem Bibelwort.

    Das ist seine objektive Seite. Es gibt auch eine subjektive Seite. Jeder Mensch muss, das liegt unverlierbar in seiner Natur, mit dem Leben fertig werden. Er muss zu dem, was ihm widerfährt, sei es, dass ihm ein Stäubchen ins Auge weht, sei es, dass eine Wasserflut ihn und die Seinen am Leben bedräut, nichts ist zu klein und nichts ist zu groß, der Mensch muss mit ihm innerlich fertig zu werden suchen … An der Art, wie ein Mensch mit den Dingen innerlich fertig wird, wird sein Wesen erkannt“ (L. Köhler, Der hebräische Mensch (1953), S. 112f, zit. nach H.W. Wolff, op. cit., S. 238f.).

    „Macht euch die Erde untertan“ ist also der Kulturauftrag des Menschen von Anfang an. Beendet ist er noch nicht. Er bleibt zu jeder Zeit, für jede Generation ein „Dauerauftrag“. Er ist immer neu bedroht von Pervertierungen des Schöpferauftrags, vor allem gefährdet durch das Vergessen, dass es sich um einen Auftrag handelt und nicht um ein eigenwilliges und eigenmächtiges Herrschenwollen, nicht um einen Freibrief zur maßlosen Ausbeutung der Schöpfung.

    Schon mal über den zeitlosen Kulturauftrag, der sich aus der Schöpfungslehre ableitet und nicht missbraucht werden sollte, nachgedacht?

    „Wie ist es dann zu den Auswüchsen der Mentalität des Machens und des Herrschens gekommen, die uns heute alle bedroht? Ein erstes Wetterleuchten einer neuen Gesinnung zeigt sich in der Renaissance etwa bei Galilei, wenn er sinngemäß sagt: Falls die Natur nicht freiwillig auf unsere Fragen antwortet und ihre Geheimnisse enthüllt, werden wir sie auf die Folter spannen und im peinlichen Verhör ihr die Antworten entreißen, die sie nicht gutwillig gibt. Die Konstruktion der Instrumente der Naturwissenschaft ist für ihn gleichsam die Bereitung dieser Foltermittel, in der der Mensch als der absolute Herr sich die Antworten holt, die er von diesem Angeklagten wissen will‘ (J. Ratzinger, op. cit., S. 42).

    Eine neue Art des Wissens war gefragt: nicht was die Dinge sind, was ihr Wesen, ihr eigenes, ihre ‚Natur‘ ausmacht, oder, anders gesagt, was ihr ‚Logos‘ ist, die göttliche Idee, der göttliche Schöpferwille, der sich in ihnen ausdrückt, sondern was wir für uns daraus machen können. ‚Machtwissen‚, nannte man zu Recht diesen neuen Zugang zur Wirklichkeit.

    Das Machtwisen, das wir der naturalistischen Weltsicht verdanken, will also von den selbsternannten Humanisten ausgeblendet werden: Schon mal drüber nachgedacht?

    Um dieses ‚Machtwissen‘ durchzusetzen, musste vor allem der Gedanke an einen Schöpfer beseitigt werden. Er musste als ‚Hypothese‘ entbehrlich gemacht werden. Die Sprache der Schöpfung, die Botschaft vom Schöpfer, der sie uns zuträgt, gilt es zu eliminieren, damit die reine Machbarkeit ohne Begrenzung und Vorgaben zum alles bestimmenden Muster wird. Es galt daher, die Frage nach dem Schöpfer und nach seiner Sprache (und seinem Auftrag) in der Schöpfung als sinnlos und unsinnig zu erklären und stattdessen einen anderen Grundauftrag des Menschen zu formulieren als den der Schöpfungsverantwortung: „Daher ist das Verändern der Grundauftrag des Menschen, darum der Fortschritt die eigentliche Wahrheit und die Materie das Material, aus dem der Mensch die Welt schafft, die es wert sein wird, dass man in ihr lebt“ (J. Ratzinger, op.cit., S. 42).

    Die Epoche der Ideologien könnte zu Ende sein, nicht aber die Epoche des „Machtwissens“ und seiner Loslösung vom Schöpfungsglauben und der von ihm getragenen Schöpfungsverantwortung.

    Nach wie vor dominiert ein Denken, das die Welt als Produkt von Zufall und Notwendigkeit, nicht aber als Sprache und Anspruch des Schöpfers sieht. Nach wie vor fällt es extrem schwer, in den großen ethischen Fragen unserer Zeit, auf eine Weisung der Naturordnung und ihres Schöpfers Bezug zu nehmen. Nach wie vor beherrscht der Gedanken der Machbarkeit weithin auch die ethische Debatte um die Erlaubtheit des Machbaren.

    „Nur kein Gott!“, Naturalisten brauchen diesen Zugang zur Welt wie den täglichen Bissen Brot: Schon mal drüber nachgedacht?

    „Heute will ich mit einem Text des großen jüdischen Philosophen Hans Jonas schließen. In seinem späten Werk „Das Prinzip Verantwortung“, das er einen „Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“ nennt, geht er der entscheidenden Frage nach, ob aus dem Sein ein Sollen folgt, ob, in theologischen Worten gesagt, ob die Schöpfung eine Sprache hat, die uns Weisung gibt. Wenn alles nur Produkt von Zufall und Notwendigkeit ist, geht von diesem Produkt keine Weisung aus, und es hat auch kein eigenes Recht. Wenn es aber ein eigenes Sein, ein vom Schöpfer gegebenes, gewolltes Sein hat, dann gibt es auch diesem gegenüber eine verbindliche Verantwortung. Nur unter dieser Bedingung gibt es „Schöpfungsverantwortung“.

    Hans Jonas verwendet dafür ein einfaches Beispiel, er nennt es den „Urgegenstand der Verantwortung“: das Kind. Wir fragen ja nach der „Schöpfungsverantwortung“. Diese gibt es nur, wenn sich vom Sein der Schöpfung ein Sollen an uns richtet. Viele bezweifeln theoretisch, dass es einen solchen Zusammenhang von Sein und Sollen gebe. Hans Jonas verweist auf einen Fall, in dem ein Zweifel nicht möglich ist: „das Neugeborene, dessen bloßes Atmen unwidersprechlich ein Soll an die Umwelt richtet, nämlich: sich seiner anzunehmen. Sieh hin und du weißt“ (Tb-Ausgabe Suhrkamp 1984, S. 235).

    Was gibt es Größeres, Kostbareres in der Schöpfung als ein neues Menschenkind? Was ist heute (zumindest in Europa) gefährdeter als ein ungeborenes Kind? Es ist schwer begreiflich, wieso der Einsatz für den Umweltschutz sich nicht vorrangig den Schutz der Kinder vornimmt, denn was fördert den Respekt vor der Schöpfung mehr als die Sorge um ihr Kostbarstes: das Kind, das dieser Welt geschenkt wurde, um sie zu erkennen, zu achten und zu pflegen?

    So ist es zur Pflicht der humanistischen Programmatiker geworden, die Themen Familie und Kind und Schöpfungsverantwortung totzuschweigen: Schon mal drüber nachgedacht?

    PS: Perfidie hat immer System. Gnadenlos.

    Die gesamte Katechese zum Thema Schöpfungsverantworung (Schönborn, Ratzinger) ist hier zu finden.

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