PAPST ist Organspender. Und wir?

„Darf man sich um Benedikts Seele bewerben? Ich meine, bevor sie vielleicht der Teufel holt“, ist in einem Kommentar zu diesem Artikel in der ZEIT zu lesen. Zitat:

„Die italienische Zeitung Il Messagero enthüllte vergangene Woche, dass der Heilige Vater…

schon seit 1980 einen Organspendeausweis mit sich herumträgt und die Weitergabe der eigenen Organe nach dem Tod als einen »Akt der Liebe, der Zuneigung und der Bereitschaft« begreift.

Man muss sich nun gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn der päpstliche Ernstfall eintreten sollte. Dass Benedikt mit gutem Beispiel vorangeht, ist ein deutliches Signal – an seine Kirche, in der der Hirntod als Kriterium fürs Lebensende noch immer umstritten ist, und an seine deutschen Landsleute, von denen im europäischen Vergleich noch immer viel zu wenige den Spenderausweis haben.

Neben irrationalen Ängsten und der Weigerung, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen, spielen bei vielen Menschen gewiss auch diffuse religiöse Motive eine Rolle. Da ist es gut, wenn der Papst klarstellt, dass auch ein Mensch ohne Herz oder Niere komplett im Himmel ankommt.“

Der Papst als Organspender setzt einen Akt der Liebe zu den Menschen, keine Frage. Andererseits darf man Organspender auch als durch und durch rationale Menschen unserer Zeit verstehen. Von keinerlei diffusen und irrationalen religiösen Haltungen bedrängt, überantwortet der freie Mensch seine Organe der Nachwelt.

Die rational-atheistische Diktion „von keinerlei religiösen Haltungen bedrängt“ steht hier ganz bewußt: Diese Haltung des Papstes passt nicht so recht in die antireligiösen Schemata naturalistisch und atheistisch denkender Zeitgenossen.

Aber zurück zu den Kommentaren, die der kurze Artikel in der ZEIT hervorgerufen hat; sie machen die rationale und  ökonomische Seite des Themas fest, durchaus überzeugend, hier nun einige Auszüge:

5. („selko“: ) Sorgfältige Abwägung

Na gut. Niemand weiss mit absoluter Gewissheit, ob wir nach dem Tod für fehlende Organe bestraft werden, ob wir für gespendete Organe belohnt werden, oder ob diesbezüglich gar nichts weiter passiert.

Was wir hingegen mit absoluter Gewissheit wissen, ist, dass die Spende von Organen lebenden Menschen helfen kann.

Rational betrachtet ist eine Organspende daher sinnvoll, sofern man bereit ist, einen möglichen Verlust zugunsten eines sicheren Gewinns in Kauf zu nehmen.

Selbst der möglicherweise entstehende Nachteil wäre menschheitsübergreifend aber kein solcher, da sich im Falle einer späteren Bestrafung lediglich deren Zielperson ändern würde.

Und mal ehrlich: Wenn wir nach dem Tod wirklich in eine Welt übergehen, in der man für die Verlängerung anderer Menschen Leben bestraft wird – sollte das alleine nicht schon Grund genug sein, jeden Lebenden so lange wie möglich von dieser Welt fernzuhalten?

11. („QUOTE“: ) Die von mir verlinkten Artikel…

…dokumentieren, daß das Gesundheitswesen von Korruption durchsetzt ist.

Als potentieller Organspender bin ich für Leute, wie sie in diesen Artikeln beschrieben werden, lediglich ein Stück Fleisch, das man, sobald man den Schalter umgelegt hat, nach den Regeln der Kunst zerteilen und meistbietend verhökern kann…ich habe TOT für sie einen WERT.

Als NICHT-Organspender bin ich hingegen für diese Leute tot WERTLOS…man kann nur solange etwas aus mir herausschlagen, wie ich am Leben bin, also wird man sich genau überlegen, wann man die Wiederbelebungsversuche aufgibt, und die Geräte ausschaltet. Je länger die Maschinen laufen, umso mehr Chancen habe ich, doch noch aufzuwachen…

12. („selko“: ) Ich spinne Ihre Gedanken mal weiter:

Wenn lebende Nicht-Spender dem korrupten Gesundheitssystem einen wirtschaftlichen Nutzen bieten, dann tun es lebende Spender auch. Der Bonus, der Ihrer Meinung nach beim Tod des Organspenders eintritt, verschwindet damit aber nicht, denn nach aktuellem Stand der Wissenschaft stirbt ein jeder irgendwann. Haelt sich das korrupte Gesundheitssystem seine Organspender moeglichst lange am Leben, verdient es folglich gleich doppelt. Und welcher zutiefst korrupte Kapitalist wird sich so etwas schon entgehen lassen?

14. („QUOTE“: ) Im übrigen…

Die Organ’Spende‘ ist nichts anderes als die letzte Konsequenz des Kapitalismus: nachdem der lebende Körper verwertet wurde, bis der letzte Cent Wertschöpfung und Zinseszins aus ihm herausgequetscht wurde, soll das gleiche mit dem toten Körper geschehen…das System haßt Verschwendung.

Wohin wandern denn die geernteten Organe? Von den Armen zu den Reichen! In den Transplantationsrichtlinien ist klar nachzulesen, daß der Patient, mit besserer medizinischer Prognose – die ja in immer stärkerem Maße von der Qualität der medizinischen Versorgung und damit von GELD und sozialem Status abhängt – Vorrang hat. Warum waren für den Fürsten von Tut und Tatnix (Thurn und Taxis) seinerzeit nicht nur eins, sondern gleich ZWEI Spenderherzen verfügbar?

Auf der anderen Seite ging ebenfalls vor ein paar Jahren ein Fall durch die Presse, wo eine Türkin, die in Deutschland lebte, KEIN Spenderherz erhalten sollte – weil sie kein Deutsch sprach, was als Nachweis mangelnder sozialer Integration und niedrigen sozialen Status gesehen wurde, der auch die allgemeine medizinische Prognose verschlechtert.

15. („selko“: )  Ich habe kein Problem damit,

wenn Sie hier um Aufmerksamkeit fuer Ihren antikapitalistischen Glaubensfeldzug heischen, wie Sie dies durch Mehrfachbeitraege und insbesondere Beitrag Nr. 9 tun… Ja, ein 30-jaehriger, der 60 Jahre am Leben bleibt, bringt „dem Gesundheitssystem“ langfristig tatsaechlich mehr Geld, als mit Ableben und Organentnahme zu verdienen ist. Gerade im hoeheren Alter werden Lebende diesbezueglich profitabel.

Im Uebrigen bezweifle ich ja gar nicht, dass es hier wie ueberall korrupte Menschen und korrupte Strukturen gibt. Welche Konsequenzen man daraus zieht, muss aber ein jeder fuer sich selbst entscheiden und ist keineswegs so eindeutig, wie Sie es hier darstellen.

Ich halte es beispielsweise fuer ebenso falsch, Reiche aufgrund ihres Reichtums zu diskriminieren, wie Arme aufgrund ihrer Armut. Die Verweigerung einer Organspende, nur weil diese einem eigentlich nicht empfangsberechtigten Reichen zugeschoben werden koennte, ist fuer mich daher schlicht nicht nachvollziehbar.

Unterm Strich wird deutlich, dass uns sowohl ein Akt der Liebe als auch die hochbewertete Ratio zum Organspender machen kann. Worauf warten Noch-Nicht-Spender eigentlich?

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Bild: .kroski, Foto des Buchcovers „Die Kirchenväter – frühe Lehrer der Christenheit“ (Verlag Pustet, Regensburg)

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 20. September, 2008 in Atheismus, Christen, Christentum, Gesellschaft, Glaube, Menschen, Naturalismus und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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