KUNST ma an Zehner beten?

Warhol Selbstportrait, negativ

Warhol Selbstportrait, negativ

Vermutlich habe ich zuletzt zuviel über Kunst gehört oder an Kunst erlebt. Jedenfalls wurde ich an einen Schulfreund erinnert, der sich in idiomatisch geprägten, kryptischen Aussagen versuchte, beispielsweise zum Begriff Kunst:

Kunst ma an Zwanzger borgen? – was hochdeutsch soviel bedeutet wie: Kannst du mir zwanzig Euro borgen? Das ist jedenfalls die wörtliche Übersetzung, scheinbar ein Zitat ohne Sinn.

Das einzig sinnvolle an der Aussage meines Freundes ist wohl, das Kunst auch etwas mit Können zu tun hat.* Was kann also dieser Artikel? Bis jetzt wenig. Er beginnt mit einer Jugenderinnerung, und macht jetzt – halleluja – einen totalen Schwenk:

Kunst ma an Zehner beten? – ist die Frage, die mich heute beschäftigt. Kannst du mir ein zehnzeiliges Gebet sagen… ist die wörtliche Übersetzung, und diese macht definitiv Sinn, wenn wir an die bekannten Grundgebete denken. So gestellt ist die Frage gar nicht schwierig zu beantworten…

Ganz richtig, das Vaterunser ist gemeint. Der eigentliche Sinn der Frage ist nun, ob dieses wohl bekannteste Gebet für jeden Leser wirklich Sinn macht, ob es heute auch wirklich verstanden wird.

Wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche allein 40 Seiten seines letzten Buches nur über dieses Gebet schreibt, dann hat selbst die Kirche Zweifel daran, dass dieses wahrscheinlich bedeutsamste aller bekannten Gebete für uns tatsächlich verständlich ist.

Wer unter den Lesern kommt denn wirklich mit jeder Zeile des Vaterunser zurecht?

Hier ein Übersetzungsversuch, den ich an anderer Stelle erarbeitet hatte.

Vater unser, der Du uns alle von Anfang an gedacht und gewollt hast,

durch das Geschenk Deiner Liebe, Jesus Christus, dürfen wir dieses Gebet zu Dir sprechen, und Deinen Namen ehren,

komm Heiliger Geist, und wirke in uns allen, lass uns die Worte des Vaters und des Sohnes hören,

Dein Wille geschehe, immer und überall, unsere Freiheit und Berufung lass uns erkennen,

unser tägliches Brot gib uns heute, und öffne uns ohne Zukunftsängste jeden Tag für Dich, für die Nachfolge Jesu Christi, und die Gemeinschaft aller Menschen,

vergib uns unser tägliches Schuldigwerden, und stärke unsere Liebe zu Dir, sodass wir mit Deiner Hilfe unseren Nächsten vergeben,

prüfe uns, soweit wir bestehen können, am Kreuz unseres Lebens, damit unsere Seele rein wird,

und nimm uns auf in Deine Mitte, denn Du bist die Liebe, die Hoffnung und die Gnade,
in Ewigkeit,
Amen.

Aus dem Zehnzeiler ist jetzt ein  Zwanzigzeiler geworden, wobei das Mehr an Worten vielleicht eine Verständnishilfe darstellt. Wo doch um alles und jedes viele Worte gemacht werden, passt es vielleicht in unsere Zeit…

———————————————————————————————————————–

* Für mich machte das Zitat als Student in Wien noch zusätzlich Sinn, da es mich sofort das Zwanzger Haus, das Museum der Kunst des 20. Jahrhunderts erinnert…

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 1. Januar, 2009 in Aktuelles, Christentum, Gebete, Gesellschaft, Glaube, Kirche, Kultur, Kunst und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Erst mal ein gutes Neues Jahr.
    Eine nette Wort-und Zahlenspielerei.
    Bei dem Vater unser fehlt die Mutter und deswegen kann es auch keine gesunden Kinder geben. Vater-Mutter-Kind sind ohne einander in der Natur nicht denkbar.
    Also muss die neue Definition der Trinität lauten die Liebe zwischen Mann und Frau ist so groß, dass daraus eine eigene Person wird, wenn wir Frieden auf dieser Welt erweitern möchten, beginnt der zunächst einmal zwischen Mann und Frau.

    • Ebenfalls ein gutes Neues Jahr für Dich!

      „Vater-Mutter-Kind sind ohne einander in der Natur nicht denkbar.
      Also muss die neue Definition der Trinität lauten die Liebe zwischen Mann und Frau ist so groß, dass daraus eine eigene Person wird, wenn wir Frieden auf dieser Welt erweitern möchten, beginnt der zunächst einmal zwischen Mann und Frau.“

      Vor einigen Jahren habe ich mich noch gefragt – wozu eigentlich Gegrüßet seist du Maria beten?! Inzwischen kann ich und will ich dieses Gebet beten – und tue es mit Freude.

      Man kann Katholiken Vorwürfe machen (wer ist schon frei von Schuld) aber diese Frau steht ganz oben: Maria.

      Einerseits eine Frau ohne Sünde (kirchliche Definition), andererseits hat dieselbe Kirche heute kein großes Problem damit, sollte Maria ausser Jesus noch andere Kinder auf die Welt gebracht haben (was natürlich keine Sünde wäre, aber ein anderes Marienbild einschließt).

      Maria und Josef (der heilige Josef wird gerne ausgespart) sind das große Vorbild schlechthin, dass also Mann und Frau als Paar auch „höchsten Anforderungen“ gewachsen sind…

      Grüße, Stefan.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: