Harvard-Forscher Green unterstützt Papst in der Kondom-Frage

HIV-positiver Junge

HIV-positiver Junge

Die Kommentare von Benedikt XVI. in Bezug auf den Kondomgebrauch waren Teil einer Erläuterung des doppelten Ansatzes der Kirche in der AIDS-Bekämpfung. In seiner Antwort betonte der Papst, daß man AIDS nicht mit Werbeslogans und Kondomverteilung überwinden kann und argumentierte, dass sie das Problem verschärfen.


Die Medien antworteten mit einer Lawine von über 4.000 Artikeln zum Thema, nannten den Papst eine „Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ und sagten, die Kirche solle in „das 21ste Jahrhundert eintreten“.

Der Senior Harvard Forscher im Bereich AIDS-Verhütung, Dr. Edward Green – Autor von fünf Büchern, unter amderem „AIDS-Verhütung neu denken: Von den Erfolgen in Entwicklungsländern lernen“ – erklärte CNA (Catholic News Agency) seine Unterstützung für den Papst.

Dr. Green sagt, die Wissenschaft findet zunehmend, dass die Medien sich auf der falschen Seite der Argumentationskette befinden. Tatsache ist, dass Kondome nicht nur nicht funktionieren, sondern dass sie das Problem in Afrika verschlimmern. „Theoretisch sollten Kondome funktionieren und ein gewisser Kondomgebrauch ist besser als gar kein Kondomgebrauch. Aber dies ist nur Theorie.“

Kondom-Befürworter ziehen oft den Mangel an Kondom-Erziehung als Hauptfaktor für die hohen AIDS-Raten in Afrika heran.

Nachdem er 25 Jahre damit verbracht hat, Kondomgebrauch zum Zweck der Familienplanung in Afrika zu unterstützen, sieht Green sich mit der Förderung von Kondomen durchaus vertraut. Er sagt aber, dass „jedermann, der in der Familienplanung gearbeitet hat, weiß, dass man, wenn man einer Schwangerschaft vorbeugen muß (z.B. weil die Mutter sterben wird), kein Kondom empfiehlt.“

Green erinnert sich, dass zum Zeitpunkt als die AIDS-Epedemie Afrika traf, die Industrie AIDS als Marketingstrategie mit „dualem Zweck“ benutzte, um mehr Fonds für Kondomverteilung zu bekommen. So nahm man ein zweitrangiges Hifsmittel zur Verhinderung ungewünschter Schwangerschaften und verwandelte es in ‚die beste Waffe die wir gegen AIDS haben‘.

Allgemein anerkannt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sei, so Green, dass Kondome die HIV-Infektionsrate senken, aber nach vielfältigen Studien haben Forscher herausgefunden, dass das Gegenteil der Fall ist. „Wir können [in Afrika] einfach keinen Zusammenhang zwischen erhöhtem Kondomgebrauch und reduzierten HIV-Raten finden„.

Teil der unzuverlässigen Folgerungen ist ein Phänomen, welches sich Risiko-Kompensation oder Verhaltensenthemmung nennt: „Risiko-Kompensation ist die Idee, dass, wenn jemand eine bestimmte Technologie nutzt, um ein Risiko zu reduzieren, sich ein Phänomen einstellt nach dem die Menschen bereit sind, ein größeres Risiko einzugehen.“ Ungefähr so, wie jemand, der Sun-Blocker aufträgt und dann bereit ist, länger in der Sonne zu liegen, weil er zusätzlich geschützt ist. Wenn die Menschen im sexuellen Bereich nun bereit sind, größere Risiken einzugehen, könnten sie die Vorteile des Kondomgebrauchs „unproportional auslöschen“, so Green.

Ein weiterer Faktor, der zum ineffektiven Kondomgebrauch in Afrika beiträgt, ist das Phänomen, dass Kondome auf individueller Ebene funktionieren können, aber nicht auf Bevölkerungsebene. Green hat in seinen Forschungen herausgefunden, dass Kondome in Gegenden mit hoher HIV-Konzentration effektiv waren, wenn dort hochriskante Praktiken bereits durchgeführt werden, wie z.B. Bordelle in Thailand.

Green, der von sich sagt, er sei liberal, erklärt, dass das Fördern liberaler westlicher Ideologien für die meisten Afrikaner als anstößig gilt, da diese konservativ empfinden, wenn es um sexuelles Verhalten geht. Green beschreibt Afrikaner als am Weltstandard gemessen sehr religiös. Sie empfinden es als anstößig, wenn Lastwagen zu Rockmusik durch Dörfer fahren und an Teenager und Kinder Kondome verteilen.

Green stellt auch fest, dass es eine Ideologie gibt, die sich „Schadensreduzierung“ nennt, welche von vielen Organisationen, die AIDS verhindern wollen, angetrieben wird. Diese Ideologie glaubt, dass man „das unterliegende Verhalten nicht ändern kann, z.B., dass man nicht erwarten kann, dass Leute treu sind, besonders nicht in Afrika“.

Uganda erkannte diese (überhebliche Einstellung der Organisationen) und man sagte: „Wenn ihr wechselnde Sex-Partner habt, dann holt ihr euch AIDS“. In Uganda, einem Land, das eine Reduktion der AIDS-Fälle um zwei Drittel zu verzeichnen hat, erkannten die Offiziellen, dass selbst abseits kultureller und religiöser Gründe, „niemand Kondome mochte“. Daher wartete man nicht auf die Ankunft amerikanischer oder europäischer Ratgeber, sondern entwickelte ein Programm, welches zur Kultur paßte mit der Hauptbotschaft: „Bleibt bei einem Partner oder bleibt in der Liebe treu!

Allerdings begann die AIDS-Infektionsrate in Uganda 2004 wieder anzusteigen, wegen eines Zustroms von Kondomen und westlicherRatgeber„, wie sich Green erinnert. Westliche Spender kamen nach Uganda und deklarierten, dass Verhaltenswechsel nicht helfe und dass „die meisten Infektionen heutzutage unter Verheirateten passieren“. Green nennt diese Behauptungen irreführend und verweist darauf, daß unter Verheirateten immer eine geringere Infektionsrate herrscht als unter Singles oder Geschiedenen derselben Altersgruppe.

Greens neues Buch „AIDS und Ideologie“ beschreibt eine eine (vom Westen gestützte) Industrie in Afrika, die jährlich Milliarden Dollar abschöpft um Kondome, Tests, Drogen und Behandlung von AIDS zu fördern und die klar gegen die Idee von Verhaltenswechsel als Lösung ist.

Dennoch haben die beiden Länder mit der weltweit höchsten infektionsrate – Botswana und Swasiland – kürzlich eine Kampagne gestartet, die Treue und Monogamie fordert, sagt der Harvard-Forscher. Diese Länder haben „auf die harte Tour lernen müssen“, dass Kondome nicht vor AIDS schützen. Er stellt weiter fest, dass Botswana auf einer Pro-Kopf-Berechnung eine höhere Kondom-Förderung betrieb als jedes andere Land. Green sagt auch, er hätte kein Problem mit Kondomen als Back-up in Treue-basierten Programmen.

Hinweise:
übernommen von Wiener ChristIn
Die dort angeführte Übersetzung geht auf eine dankenswerte (!) Bearbeitung von Alipius zurück.
Der Originalartikel findet sich hier auf CNA.

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 26. März, 2009 in Aktuelles, Christentum, Ethik, Gesellschaft, Kirche, Medien, Römisch-Katholische Kirche, Verschiedenes, Wissenschaft und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. lowestfrequency

    Sehr schön, diese differenziertere Stellung hier nochmals zu finden. Bei aller berechtigter Kritik am Papst und der katholischen Sexualmoral war ich doch sehr empört, als ich zum einen falsche Zitate des Papstes entdecken musst, und zum anderen durch die Tatsache, dass selbst aufgeklärte und sonst gut recherchierende Zeitungen nicht genauer gebohrt hatten.

    Wie ich schon sagte: Gefällt mir, vor allem weil Kondome nicht verteufelt wurden (Im Einzelfall, als „Back-up“ helfen sie ja durchaus)…

  2. Hallo Kroski,
    ich bewundere Dein Engagement für den Papst.
    Ich bedauere leider Deine Unfähigkeit, die Botschaft, die der Papst vermitteln sollte, nämlich die Liebe zu sich selbst wie zu seinem Nächsten, gleichzeitig zu vermitteln und damit glaubwürdiger zu machen.
    Etwas was Dr. Edward Green durchaus für mich in seinem Artikel deutlich machen konnte. Er setzt nämlich bei den Menschen und ihrem Glauben an und sucht das Heile darin zu fördern.
    Wer also schreibt und sagt Kondome allein können das HIV Problem nicht lösen, dem kann ich unumwunden zustimmen. Da bedarf es schon ganz richtig und wichtig einer radikalen Umstellung und eines Umdenkens bei uns verkorksten Europäeren.
    Die Sexualität muss wieder, als der Träger und Ursprung alles Lebens anerkannt werden. Nicht umsonst beten wir im Glaubensbekenntnis „gezeugt und nicht geschaffen eines Wesens mit dem Vater“
    Schau Dir doch bitte einmal an was in der Realität daraus gemacht wurde. Was Herr Ratzinger in Rom jetzt mitmacht ist die Ernte von dem, was er gesät hat. Leider! Vernünftige Leute wie Dr. E. Green brauchen wir mehr. Vielen Dank für den Artikel.

  3. lowestfrequency

    Ich muss allerdings auch anmerken, dass ich nicht genau weiß, was der Papst sonst noch in Afrika hat verlauten lassen… Der Überblick, den ich mir verschafft habe, zeigte halt, dass der Papst seine Botschaften gern etwas verklausuliert und für die Normalbürger schlecht verständlich formuliert… Diese Botschaft war selbst für mich im erstem Moment sehr dem Blabla ähnlich, das ich täglich von Politikern zu hören bekomme…

    Die Botschaft der Liebe habe ich auch bewusst nicht weiter behandelt, weil es für mich einfach nicht das Thema war, das ich behandeln wollte… Mein Fokus stand eher auf der mangelhaften Berichterstattung…

  4. Wow. :o

    Echt gut. Gruß,
    spielor.wordpress.com

  1. Pingback: Kondome: AIDS-Forscher unterstützt Papst «

  2. Pingback: Life Ball – eine notwendige Nachbetrachtung « .kroski

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: