Humanisten sind Heuchler – am Beispiel Life Ball und Afrika

Jetzt also haben wir 670.000* und noch einige gewichtigere Gründe mehr, die jährlich in Wien stattfindende Vorzeigeveranstaltung Life Ball und ihre Anhänger zu hinterfragen. „Heuchelei, Doppelmoral!“ hörte ich noch vor kurzem in zahlreichen Papst-Diskussionen. Seit dem 17.  Life Ball ist es höchste Zeit, solche Fragen in Richtung dieses Events zu stellen.

Hat es eine derart erfolgreiche Veranstaltung notwendig, eindeutig diskriminierende Kommentare zu bejubeln? Die Antwort ist ganz einfach: Nein.

Was meine ich? Es gab einige Äußerungen, die unter die Gürtellinie gingen, meist nach dem Muster der Klerus und der Sex. Munter ging es mit dem Austeilen dahin, zum Beispiel –

– und wenig überraschend: „Es gibt kirchliche Führer, die ihren Gläubigen den Gebrauch von Kondomen verbieten.“

Nun, das ist im Rahmen der AIDS-Debatte und in dieser Form eine bewusste Verkürzung, die von weiten Teilen der Öffentlichkeit ohne mit der Wimper zu zucken geschluckt wird. Bestens eingeschult wurde ebendiese Öffentlichkeit von einer oberflächlichen Berichterstattung, die vom Papst-Interview auf dem Flug nach Afrika nur die eine Schlagzeile transportierte: „Benedikt XVI. gegen Kondome.“

Das Transportieren und Schlucken solcher Headlines ist ein klassischer Fall von Doppelmoral, in mehrfacher Hinsicht.

Heuchlerische Verkürzung der Botschaften des Vatikans

Zunächst ist dies eine unzulässige Verkürzung der Position des Vatikans. Zitat aus einem Artikel des kroski-Blogs: „Die Kommentare von Benedikt XVI. in Bezug auf den Kondomgebrauch waren Teil einer Erläuterung des doppelten Ansatzes der Kirche in der AIDS-Bekämpfung. In seiner Antwort betonte der Papst, dass man AIDS nicht mit Werbeslogans und Kondomverteilung überwinden kann und argumentierte, dass sie das Problem verschärfen.“ Es geht also um Hilfeleistung bei Betroffenen einerseits, und zusätzlich um Erziehung zu Treue und Monogamie; mehr dazu weiter unten vom AIDS-Forscher Edward Green.

Überhebliche Bevormundung von Afrikanern und Christen

Zum zweiten handelt es sich um eine grobe Bevormundung der afrikanischen Bevölkerung, wenn westliche Medien der Bevölkerung des ältesten Kontinents vorschreiben, was sie zu denken hätten. Auf Radio Vatikan findet sich folgendes Zitat: „Vor allem wollen wir mit unserer Demonstration dem Papst für seine Unterstützung für Afrika danken. Wir Afrikaner jedenfalls haben seine Botschaft verstanden, auch wenn die internationale Gemeinschaft von falschen und diffamierenden Polemiken abgelenkt worden ist! Der internationalen Gemeinschaft wollen wir sagen, dass Afrika kein Kontinent der Kondome ist. Sie behandeln uns, als wären wir behindert.“

Wissenschaftsgläubige Humanisten leugnen moderne Wissenschaft

Zum dritten ist es in wissenschaftlicher Hinsicht wider jedes bessere Wissen, Kondome als Waffe Nummer eins gegen AIDS zu propagieren. Dazu der AIDS-Forscher Dr. Edward Green von der Harvard University: Allgemein anerkannt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist, so Green, dass Kondome die HIV-Infektionsrate senken, aber nach vielfältigen Studien haben Forscher herausgefunden, dass das Gegenteil der Fall ist. “Wir können [in Afrika] einfach keinen Zusammenhang zwischen erhöhtem Kondomgebrauch und reduzierten HIV-Raten finden“.

Uganda zeigt Humanisten und Zapatero-Freunden die kalte Schulter

Uganda zog die Lehren aus diesen Erkenntnissen und man sagte: “Wenn ihr wechselnde Sex-Partner habt, dann holt ihr euch AIDS”. In Uganda, einem Land, das eine Reduktion der AIDS-Fälle um zwei Drittel zu verzeichnen hat, erkannten die Offiziellen, dass selbst abseits kultureller und religiöser Gründe, “niemand Kondome mochte”. Daher wartete man nicht auf die Ankunft amerikanischer oder europäischer Ratgeber, sondern entwickelte ein Programm, welches zur Kultur paßte mit der Hauptbotschaft: “Bleibt bei einem Partner oder bleibt in der Liebe treu!

Der kleine Unterschied zwischen Mutter Teresa und dem Life Ball

Persönlich habe ich gar nichts gegen Gery Keszler, ein in Geld- und Imagefragen so erfolgreiches Benefiz-Event geschaffen zu haben. Aber warum wehrt sich der verdiente Organisator des Life Balls gegen Transparenz: Andere Charity-Organisationen lassen sich von unabhängigen Prüfern verantwortungsvolles Wirtschaften per „Spendengütesiegel“ attestieren. Darauf verzichtet der Life Ball bis heute. Auch hier knallt die Doppelmoral heraus: Was man beispielsweise Mutter Teresas „Missionaries of Charity“ auf härteste Weise vorgeworfen hat, wird hier bald in Vergessenheit geraten sein. Was lernen wir daraus: Humanistisch gesinnte Menschen (dazu zählen sich Atheisten gerne) sollen gut sein, aber im Namen der Kirche Handelnde müssen „guter“ sein – und Gnade ihnen der humanistische Teil der Welt, wenn sie diesen Anspruch nicht erfüllen.

Mediale Promotions, aber wer bekämpft die Wurzeln

Aber die Verlogenheit geht – ohne dass irgendjemand seine Stimme erhebt – noch weiter: Am diesjährigen Life Balls wurde das tüchtige US-Ehepaar Tucker völlig zu Recht ausgezeichnet: Für ihre Hilfe an HIV-infizierten Kindern, die von ihren Familien verstoßen wurden. Aber fragt denn hier einer weiter, aus welchen Familiensituationen dieses Verstoßen resultiert, und wie man an der Wurzel dieses sozialen Problems Hilfe leisten könnte? Dafür, ja dafür akzeptiert man dann gerne wieder die Hilfeleistungen kirchlicher Organisationen.

Doppelmoral? Heuchelei? Ja, und zwar in beachtlichem Ausmaß von Humanisten, Atheisten, Naturalisten, Schwulen und Lesben. Das klingt nach bösen Schubladen? Ganz und gar nicht. Konkret gemeint sind hier jene, die einen Humanismus nach Art des Michael Schmidt-Salomon oder des Biologen und Manifestunterzeichners Richard Dawkins als ihre bevorzugte ethische Ausrichtung nennen.

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* es handelt sich um einen nicht erklärlichen Fehlbetrag des Life Balls

Über .kroski

Was bewegt mich? ".kroski" widmet sich der Auseinandersetzung Christentum kontra Humanismus. Diese ist mittlerweile zum bedeutsamsten Kulturkampf in unserer Gesellschaft geworden: Atheisten, Humanisten und Naturalisten treten immer schärfer gegen jede Form von Religion auf, und die Kirchen wehren sich zunehmend dagegen. Es geht also weniger um unsere christlichen Positionen in der Auseinandersetzung mit Islam und Judentum. Vielmehr ist es die Konfrontation zwischen dem "evolutionären" Humanismus einerseits und den Kirchen andererseits, die unsere Kinder beschäftigen wird. Da möchte ich meinen kleinen Teil dazu beitragen, christliche Werte glaubwürdig zu vertreten. Grüße aus einem spannenden Leben, .kroski

Veröffentlicht am 21. Mai, 2009 in Agnostizismus, Aktuelles, Atheismus, Christentum, Ethik, Humanismus, Kirche, Schwule und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Die Dikussion macht wieder deutlich:

    Es hilft wirklich nichts, der Welt nur durch kirchenrechtliche Dogmen, alte Mythen, moralische Mehrheits-Meinungen… in der Hand Kondome verbieten oder sie für eine lebenslange Partnerschaft und Kindersegen begeistern zu wollen.

    Was aber brächte es, heute an Himmelfahrt (wo auch die Verhältnisbestimmung von himmlischem Sohn und Vater gefeiert wird) die Vernünftigkeit einer treuen Lebenspartnerschaft bzw. der evolutionsbiologisch erklärte Lebenssinn, der über die reine Genweitergabe und Brutpflege (was menschlich durchdacht schon weitreichend wäre) hinausgeht, als ewigen Sohn, schöpferische Logik zu sehen, die nur den Wille des himmlischen Vaters vermittelt?

  1. Pingback: Afrika und der Life Ball- die Heuchelei der Humanisten «

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