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serie kleine werkstätte: no emotion, no islam?

auf die dauer sind sie mühsam, egal ob sie bigberta oder PI heissen. diese blogs kommen von ihren emotionen kaum herunter und scheitern an ihren prämissen. sie sind „gegen jegliche vorbehalte oder einwände gegen den islam“ oder „bewegen sich von vorneherein ausserhalb der politischen (mehrheitlich akzeptierten gesellschaftlichen) standards“.

Christentum und Islam

sie sind anti, also immer äusserst subjektiv. ich sage dagegen: less emotion, mehr fakten und nachvollziehbare einschätzungen, bitte. ganz in ruhe, lassen wir uns auf unterschiede zweier grosser religionen nach inhalten und praktiken ein. ohne keule, ohne anklage.

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islam = islamismus

ist das provokation? nein, es ist eine analytische, korrigierende sicht der dinge.

der titel ist die kurzformel eines vortrags des renommierten jesuitenpaters HENRI BOULAD. aufgewachsen in frankreich, ägypten und libanon, ein mann der seine erkenntnisse in europa, usa und dem P. Henri BOULAD SJnahen osten klar und unmissverständlich vertritt. henri boulads einschätzung des islam und des islamismus ist kritisch und authentisch.
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der in kairo lehrende pater boulad beschreibt sechs arten des islam, vom laizistischen, mystischen bis zum offiziellen und politischen islam. vertiefter dialog mit vertretern westlicher gesellschaften ist in ländern wie türkei und libanon möglich, wo es aufgeschlossene kräfte für eine trennung von politik und religion gibt.

auf der anderen seite erleben wir muslim-bruderschaften (tabligh, banna, kotb, chaaraoui, hoveidi, telmesany), weiters bewegungen im iran und sudan (djamaat islamiyya, al takfir wal hirja, al-noun min-al-nar, al-chawkiyyoun, omar abdel-rahman), mit denen der dialog schlichtweg unmöglich ist.

henri boulad widerspricht SAID EL-ACHMOUIs Buch „Al Islam as-siyasi“, übersetzt „Der Islamismus gegen den Islam“, deutlich indem er sagt: der islamismus der gegenwart ist der islam. diese formel ist nicht simplifizierung, nicht hetze, sondern erkenntnis.

der islamismus ist weder eine karikatur noch ein märchen, noch eine häresie oder eine vom klassischen – orthodoxen – sunnitischen islam abweichende randerscheinung. im gegenteil, der islamismus ist der entblösste islam, ohne maske und ohne schminke, ganz treu und und konsequent sich selbst gegenüber, ein islam, der den mut und die hellsicht hat, bis an seine grenzen und letzten konsequenzen zu gehen.

wir erleben ein globales projekt, globalisierend, totalisierend und totalitär. weil der islam ein ganzes, ein glaube und ein kult, eine perspektive und eine moral, eine lebensweise und vielfach eine staatsreligion ist. unnachgiebig bietet er entweder das heil oder das verderben. so ist die – medial – dominierende form des islam islamismus.

viel gäbe es noch zu sagen. lassen wir die überschriften der kapitel für sich sprechen: der islam ist politik oder nichts (Khomeiny) – die durchschlagskraft des islam durch seinen ausserordentlichen zusammenhalt – der islam als intensiv fusionierender schmelztiegel – die grosse einfachheit und anpassungsfähigkeit des islam – der dschihad mehrheitlich als kampf mit dem schwert – der islam als gewaltintegrierende religion.

der aktuelle befund henri boulads ist klar: der muslim trägt die gewissheit in sich, recht zu haben, die wahrheit zu besitzen. aus dieser überzeugung heraus ist das ziel der sieg, die welt zu erobern. da der islam mit der zeit rechnet, nimmt er sich genug zeit, er fühlt sich im besitz der ewigkeit. im islam steckt die unendliche geduld des beduinen, der seiner karawane folgt, und sein ziel erreichen will… und erreichen wird?

die pointe ist, dass dieser befund aus dem jahr 1996 stammt.
vor 9/11, vor madrid, vor london.

es lebe das schwert?

nein: es lebe die feder eines propheten.